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Als Volunteer in Sotschi (Teil I)

Montag, 17. März 2014, 15:17 Uhr
Sergej König ist zurück. Zurück aus Sotschi. In der Stadt am Schwarzen Meer war der 41-jährige Eichsfelder als Volunteer bei den Olympischen Winterspielen eingesetzt. Insgesamt sorgten 25.000 Freiwillige dafür, dass alles reibungslos über die Bühne ging. Ein Bericht in fünf Teilen von Sandra Arm...

In Sotschi dabei: Sergej König aus dem Eichsfeld (Foto: privat) In Sotschi dabei: Sergej König aus dem Eichsfeld (Foto: privat)

Der lange Weg nach Sotschi

Die Erinnerungen an sein erstes Mal Olympia sind noch frisch. „Ich habe vermutlich mehr erlebt, als die Athleten selbst“, sagt Sergej König. Hinter ihm liegen nämlich fünf ereignisreiche Wochen als Freiwilliger. Mit der Teilnahme erfüllte er sich zugleich einen ganz großen Traum. Dieser begann Ende 2012 mit einer Mail aus Erfurt. Es schrieb ihm Jörg Schünke, Verantwortlicher für das Programm „Integration durch Sport“ beim Landessportbund Thüringen.

Als Übungsleiter ist Sergej König ehrenamtlich beim KV 63 Heilbad Heiligenstadt tätig. Er trainiert Jugendliche und Erwachsene, die Fußball spielen. Der Verein ist ein Stützpunktverein innerhalb des Programms „Integration durch Sport“. Das Ziel ist es, Menschen mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Einheimische in die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland mittels Sport zu integrieren. Sergej König hat ebenfalls einen Migrationshintergrund. „Ich komme aus dem Norden von Kasachstan, ich bin dort aufgewachsen. In Deutschland lebe ich seit 1999“, erklärt König, der seit etwa fünf Jahren in Uder wohnt.

Der Inhalt der Mail weckte sofort das Interesse bei Sergej König. „Ich habe erfahren, dass eine Gruppe Freiwilliger zu den Olympischen Spielen nach Sotschi fährt. Für mich war sofort klar, dass ich gern dabei sein wollte. Ich habe mich daraufhin beworben.“ Sein Arbeitgeber, Sergej König arbeitet als Erzieher in einem Behindertenheim, gab ebenfalls seine Zustimmung, falls es mit einer Zusage klappen sollte. „Ich habe ihnen vorgeschlagen, dass ich ein Jahr im voraus Überstunden sammle, um damit meine Zeit in Sotschi auszugleichen.“

Bei seiner Frau Nathalie dauerte es etwas länger, bis er sie überzeugt hatte. Da gibt es nämlich auch noch vier Kinder im Alter zwischen 17 und viereinhalb Jahren. „Die beiden Großen haben gut reagiert, als ich ihnen davon erzählte und davon, dass sie während meiner Abwesenheit ihre Mutter unterstützen müssen.“ Zunächst war auch noch von drei, dann von vier und schlussendlich von fünf Wochen die Rede. Zusätzlich bestand noch die Option, bei den Paralympics mitzuhelfen. Sergej König wiegelte ab: „Das wollte ich meiner Frau nicht zumuten. Zumal ich dann acht Wochen meine Familie nicht gesehen hätte.“

Die Bewerbung war also abgeschickt. Anschließend folgten viele Einladungen, Gespräche und Tests. Die Freiwilligen wurden in einem mehrmonatigen Verfahren ausgewählt, hatten unter anderem Online-Tests in Englisch und mehrere Skype-Interviews des Moskauer Volunteer-Zentrums für Sotschi zu bestehen. Zudem nahmen sie an zwei mehrtägigen Seminaren mit Ausbildern des Organisationskomitees teil, die dafür nach Baden-Württemberg und Brandenburg gekommen waren. Mit Unterstützung des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Sportbundes haben die Landessportverbände der beiden Bundesländer Volunteers mit Migrationshintergrund für die Olympischen und Paralympischen Spiele ausgebildet.

Endgültige Gewissheit, ob Sergej König dabei ist, hatte er nach Bestehen des Englisch-Tests. „Dieser war für mich die größte Herausforderung. Ich hatte zwar Englisch in der Schule, aber die Kenntnisse waren einfach zu gering. Deshalb habe ich vorher fleißig gelernt.“ Mit Erfolg. Er erhielt wie auch 59 weitere Bewerber im August eine Zusage. Und außerdem seinen Einsatzort mitgeteilt: die Schneeregion Krasnaja Poljana. Dort wurden unter anderem Ski Alpin, Skispringen, Rennrodeln, Bobfahren und Nordische Kombination ausgetragen.

Fehlte noch die zu betreuende Mannschaft. „Wir durften im Vorfeld Wünsche äußern. Ich hatte mir Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgesucht.“ Die Freude war natürlich groß, als er erfuhr, dass es die deutsche Mannschaft ist. „Für mich war es dann wichtig, die Mannschaft kennenzulernen. Mir waren einige deutsche Athleten bekannt, aber nicht alle“, sagt König. Dabei halfen beispielsweise Wintersportübertragungen im Fernsehen als auch eine App, in der alle Sportler kurz vorgestellt wurden. Das Abenteuer Olympia begann für Sergej König am 19. Januar.

Bei seinem ganz persönlichen Rückblick ließ er auch immer wieder Bilder sprechen. Dafür schob er die Speicherkarte seiner Fotokamera in die dafür vorgesehene Einrichtung am Fernseher. Und schon ging es los mit der farbenfrohen Bildershow. Jedes Foto erzählte dabei seine eigene Geschichte, von Begegnungen mit Sportlern und anderen Freiwilligen als auch vom Kennenlernen einer fremden Stadt Wird fortgesetzt.
Sandra Arm
Autor: red

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