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In Memoriam

Freitag, 11. April 2014, 14:24 Uhr
Heute vor 69 Jahren wurde das KZ Mittelbau-Dora von den Alliierten befreit. Wenige Überlebende, viele Gäste und Würdenträger waren heute in die Gedenkstätte gekommen, um an die Opfer des Lagers zu erinnern...

Als die Amerikaner am 11. April 1945 das KZ Mittelbau-Dora befreiten, fanden sie nur einige hundert Überlebende. Der Rest war von der SS bereits auf die Todesmärsche geschickt worden.“Auch wenn viele Menschen noch nach der Befreiung des Lagers ermordet wurden oder auf den Todesmärschen starben“ sagte Gedenkstättenleiter Jens Christian Wagner einleitend, „so feiern wir doch den 11. April als symbolischen Jahrestag der Befreiung“.

Einer, der sowohl Lager als auch die grausigen Märsche überlebte, ist Noah Klieger. Der 88-jährige berichtete in eindringlichen Worten heute von seinen Erfahrungen. Es kommt einem Wunder gleich, das er überlebt hat. Der französische Jude wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und gelangte im Februar 1945 nach Dora. Schon auf dem Weg nach dorthin macht er einen ersten, schrecklichen Marsch mit Menschen die „krepierten wie die Tiere“, einfach am Straßenrand liegenblieben und sich der Erschöpfung ergaben. Weiter ging es in offenen Güterwagons, 10 lange Wintertage ohne Essen, ohne Trinken, 150 Mann in einem Wagen. „Die Toten konnten nicht einmal zu Boden fallen“ so eng war es, erzählt Klieger.

In Dora angekommen hat er als Jude, die in der Lagerhierarchie ganz unten stehen und als entbehrlich gelten, wenig Überlebenschancen. Klieger gibt sich als politischer Gefangener aus. Um die eigene Situation zu verbessern und zur Arbeit an den Maschinen im Stollen herangezogen zu werden, gibt er außerdem an, Mechaniker zu sein. Der spätere Journalist Klieger hat von Mechanik keine Ahnung und nur der Hilfe eines Mithäftlings der die folgenden Eignungstest begleitet und manipuliert ist es zu verdanken, das er nicht „aufgeknüpft“ wird.

Überlebende Gedenken der Toten (Foto: Angelo Glashagel) Überlebende Gedenken der Toten (Foto: Angelo Glashagel)

„Obwohl Dora kein Vernichtungslager war, war es doch eines der schrecklichsten Lager welches die deutschen errichtet hatten“ berichtete Klieger weiter. Nach der Bombardierung Nordhausens am 3. und 4. April 1945 wird das Lager von der SS „evakuiert“ und Klieger hat einen weiteren Todesmarsch vor sich, der ihn in zehn Tagen über den Harz und schließlich nach Ravensbrück führt. Hier wird er befreit.

Die Geschichten, welche die Überlebenden erzählten, seien oft so unglaublich, erzählt Klieger, das man denken könnten sie seien nur ausgedacht. „Wir haben uns nichts ausgedacht, im Gegenteil. Die menschliche Sprache hat nicht die Wörter, um zu beschreiben, was uns angetan wurde.“

Klieger schließt mit den Worten, das es bald keine Überlebenden mehr geben werde und es dann an den jungen Menschen, ihren Kindern und deren Kindern sei, dafür zu sorgen, „das nicht vergessen wird, was das dritte Reich und die damaligen Deutschen getan haben.“

Noah Klieger hat überlebt (Foto: Angelo Glashagel) Noah Klieger hat überlebt (Foto: Angelo Glashagel)

Um Gedenken zu können und sich kritisch mit der Geschichte auseinandersetzen zu können, brauche es zunächst Wissen, sagte denn auch Gedenkstättenleiter Wagner. Deshalb steht jedes Gedenken unter einem besonderen Aspekt. In den vergangenen Jahren waren das etwa die Geschichte der Sinti und Roma im Lager oder auch der Widerstand. Dieses Jahr konzentriert man sich auf die jüdischen Häftlinge Doras, die vorwiegend aus Ungarn kamen.

Bis Ende 1944 waren jüdische Häftlinge in Dora eine Minderheit. Erst mit dem vorrücken der roten Armee und der hastigen „Evakuierung“ von Auschwitz und Groß-Rosen kamen über 6000 jüdische KZ-Häftlinge nach Dora. Auf ihr Schicksal geht eine kleine Sonderausstellung ein, die heute ebenfalls eröffnet wurde. „Das Auschwitz Album“ stellt Fotos aus, welche die Lagerprozesse nach der Ankunft in Auschwitz zeigen. Wie sie gefunden wurden, ist eine andere dieser Geschichten, die man kaum glauben mag, weil uns die Worte fehlen sie zu fassen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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