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Mit Kooperation Zukunft schaffen (1)

Mittwoch, 21. Mai 2014, 13:24 Uhr
Angesichts der demografischen Veränderungen, die auf unserer Region zukommen, wird in Verwaltungen über Wege gebrütet, wie damit umzugehen sei. Die Städte Nordhausen und Sondershausen sowie der Landkreis Nordhausen wollen in dieser Sache jetzt gemeinsam unbekannte Pfade beschreiten...

Gesprächsrunde (Foto: nnz) Gesprächsrunde (Foto: nnz)

Auf Initiative der Stadtoberhäupter von Nordhausen und Sondershausen und der Landrätin des Kreises Nordhausen wurde am Mittwoch das Projekt „Konzepte für die regionale Daseinsvorsorge der Zukunft“ in Nordhausen gestartet.

Angesichts der dramatischen demografischen Entwicklung und der weiter zurückgehenden kommunalen Finanzmittel gewinne die Gewährleistung der elementaren Daseinsvorsorge eine immer größere Bedeutung, sagten die Kommunalpolitiker übereinstimmend. Es gehe um die Sicherung der existentiellen Bedingungen und Lebensumstände der Menschen.
Deshalb habe die Daseinsvorsorge unter allen kommunalen Aufgaben die höchste Priorität.

Diesen Zusammenhang müsse auch die Landespolitik herstellen. Bei den nach den Landtagswahlen im Herbst anstehenden kommunalen Funktional- und Strukturreformen dürfe es nicht in erster Linie darum gehen, die Zuschnitte kommunaler Gebietskörperschaften zu verändern. Die Hauptfrage sei vielmehr die folgende: Unter welchen Rahmenbedingungen kann die Daseinsvorsorge von den Kommunen bestmöglich erbracht werden? Mit diesem Ziel müssten Funktionen und Strukturen so optimiert werden, dass die interkommunale Zusammenarbeit deutlich an Fahrt gewinnt.

Im Vorfeld hatten sich die Kommunalpolitiker grundsätzlich darauf verständigt, der Zusammenarbeit der kommunalen Unternehmen verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen. Das Vorhaben steht im Kontext einer geplanten weiteren und engeren Zusammenarbeit der Nordthüringer Gemeinden, Städte und Landkreise, die bereits an einige Erfolge aus der Vergangenheit anknüpfen kann.

Vor allem die demografischen Entwicklung und die sich dramatisch zuspitzende Lage der Kommunalfinanzen bringen für die Daseinsvorsorge völlig neue Herausforderungen. Ob die Versorgung mit Wasser und Energie, die Bereitstellung von bezahlbaren Wohnungen, der öffentliche Nahverkehr, Krankenhäuser und Pflegedienste oder die Entsorgung von Abwasser und Abfall – alle Bereiche der kommunalen Leistungserbringung müssen sich auf gänzlich neue Rahmenbedingungen einstellen. Nur im Rahmen der jeweiligen kommunalen Grenzen sind Lösungen auf Dauer nicht tragfähig. Zur Kooperation der Kommunen und deren Unternehmen gibt es keine Alternative.

Im Interesse ihrer Bürger haben zunächst die drei Kommunalpolitiker die Erarbeitung eines strategischen Konzepts zum Ausbau der interkommunalen Kooperationen im Bereich der Daseinsvorsorge auf den Weg gebracht.

Beschritten wird dazu ein ebenso kreativer wie Kosten sparender Weg. Die wissenschaftliche Bearbeitung des Themas erfolgt im Rahmen des Berufsbegleitenden Studienganges Kommunalwirtschaft an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, FH (HNE). Drei bis vier Studenten aus Nordhausen und Sondershausen – Mitarbeiter aus den kommunalen Verwaltungen und Unternehmen – werden in diesem deutschlandweit einzigen Masterstudiengang ab Herbst 2014 ihr berufsbegleitendes Studium aufnehmen.

Diese Studenten werden dann die Forschungsgruppe „Zukunft Daseinsvorsorge Nordhausen/Sondershausen“ bilden. Die wissenschaftliche Arbeit wird im Rahmen der Masterarbeiten erfolgen. Im engen Zusammenwirken mit der Eberswalder Hochschule und
dem Betreuer der Arbeiten, Prof. Dr. Michael Schäfer, Professor für Kommunalwirtschaft an der HNE und Dozent im Studiengang, wurde folgendes Oberthema definiert:

„Zukunft Daseinsvorsorge in der Region Nordhausen/Sondershausen - Interkommunale Kooperationen als Schlüsselstrategie für zuverlässige kommunale Leistungen angesichts differenzierter dramatischer demografischer Veränderungen und weiter sinkender Kommunalfinanzen.
Analyse der Kooperationspotenziale. Entwicklung von Konzepten zu deren Erschließung. Erarbeitung von Vorschlägen zur politischen Umsetzung“


Die Masterstudenten aus Nordhausen und Sondershausen werden unter dieser Hauptüberschrift untersuchen, welche Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit in der Region für ausgewählte Bereiche der Daseinsvorsorge, unter anderem bei der Energieversorgung, im Gesundheitswesen und im ÖPNV bestehen und Vorschläge unterbreiten wie diese Potenziale erschlossen werden können.

Die Namen der Studenten stehen zum großen Teil schon fest. Die Stadtwerke Sondershausen entsenden Sandra Mergl aus der Abteilung Energiewirtschaft. Aus der Kreisverwaltung des Landkreises Nordhausen wird Gunnar Reuter, Leiter Zentrale Dienste und Geschäftsführer der Service Gesellschaft des Landkreises Nordhausen GmbH, delegiert. Aus der Stadt Nordhausen kommt Thomas Mund, Geschäftsführer der Stadtwirtschaft GmbH und des gemeinsamen Unternehmens mit dem Landkreis Nordhausen „Südharzwerke – Entsorgungsgesellschaft“.

Die Vorteile lägen auf der Hand:
  • Die Expertise für die Kooperationskonzepte kommt aus den Kommunen selbst.
  • Die Mitglieder der Forschungsgruppe verfügen über eine authentische Orts- und Problemkenntnis und sind auch als Bürger motiviert, einen Beitrag zur gedeihlichen Entwicklung ihrer Kommunen und ihrer Region zu leisten.
  • Eingespart werden in erheblichem Umfang Kosten für externes Consulting.
  • Mit der Entsendung von Studenten zu einem deutschlandweit einmaligen Studiengang an einer Hochschule der neuen Länder setzen die Kommunen angesichts der fortdauernden Abwanderung von Fachkräften aus Ostdeutschland auch politisch ein Zeichen: die ostdeutsche Kommunalwirtschaft bietet sichere Perspektiven gerade für junge, motivierte Mitarbeiter aus den neuen Ländern.
Die Ergebnisse des Lehrforschungsprojekts sollen im Sommer 2016 öffentlich vorgestellt werden. Auf diese Weise wird gewährleistet, dass für die weitere Diskussion in den kommunalen Gremien und mit den Bürgern sowie die abzuleitenden wirtschaftlich-organisatorischen Umsetzungskonzepte eine objektive, wissenschaftliche Grundlage zur Verfügung steht.

Bevor die wissenschaftliche Arbeit der Nordthüringer Studenten in Eberswalde im Oktober 2014 beginnt, wird derzeit der Kooperationsstatus in der Region für ausgewählte Segmente der Daseinsvorsorge ermittelt. Diese Bestandsaufnahme erfolgt im Kontext mit einer demografischen Vorausschau bis zum Jahr 2030. Dr. Harald Michel, einer der führenden deutschen Demografen und Geschäftsführer des Berliner Instituts für angewandte Demografie, wird dazu die kaum noch überschaubaren und zudem oft widersprüchlichen Daten zu diesem Thema auswerten, kritisch bewerten und eine eigene, fundierte Prognose vorlegen.

Die Expertise selbst wird am 9. Juli 2014 erstmals öffentlich vorgestellt. Den Rahmen dazu gibt die Landesveranstaltung Thüringen des „Verbundnetz für kommunale Energie“(VfkE), die an diesem Tag erstmals in der 11jährigen Geschichte des wichtigsten Diskussionsforums der neuen Länder in Nordhausen stattfindet.  

Für sich allein werde in Zukunft kaum noch eine Kommune in strukturschwachen Regionen wie Nordthüringen die Daseinsvorsorge garantieren können, sagte Michael Schäfer, Professor für Kommunalwirtschaft an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. Deshalb gäbe es zum kommunalen Schulterschluss keine Alternative. Dass sich Kommunalpolitiker aus unterschiedlichen politischen Lagern zu einem solchen Vorgehen bekennen, zeige, dass für sie die Sorge um ihre Bürger Vorrang habe vor parteipolitischer Profilierung. Mit dem Lehrforschungsprojekt „Zukunft der Daseinsvorsorge“ setze die Region ein Zeichen, das weit über Thüringen hinaus Bedeutung habe und gehört werden wird, wertete Schäfer.
Autor: red

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