kyffhaeuser-nachrichten.de

Viele Wege führen nach Rom

Dienstag, 01. Juli 2014, 12:17 Uhr
...und einer davon, die alte "Via Romea", führt auch über Nordhausen. Eine Gruppe engagierter Pilger will dem mittelalterlichen Wallfahrtspfad neues Leben einhauchen. Heute machten sie Station in Nordhausen...

Seine Blüte erlebte das Pilgerwesen im Mittelalter. Aus aller Herren Länder zogen Menschen an weit entfernte Orte, um Buße zu tun und um vor wundertätigen Reliquien um himmlischen Beistand zu bitten. Die bedeutendsten Pilgerorte waren die ewige Stadt Rom, das heilige Jerusalem und das spanische Santiago de Compostella. Der Weg nach Santiago, auch als Jakobsweg bekannt, hat in den vergangenen Jahren eine gewisse Renaissance erlebt und ist dank zahlreicher Bücher, Filme und Dokumentationen inzwischen auch in breiteren Bevölkerungsschichten durchaus bekannt.

Neben dem (wieder) berühmten Jakobsweg gab und gibt es aber auch noch zahlreiche andere Pilgerwege, die mehr oder weniger in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehört auch die Nord-Süd Passage nach Rom, die "Via Romea" oder, wie sich Dr. Thomas Dahms, einer der Organistoren der Südharzer Etappe heute ausdrückte "die Autobahn des Mittelalters".

Dahms hatte mit Kollege Ulrich Eichler seine Pilger in den vergangenen zwei Tagen von Wernigerode aus über Hasselfelde nach Nordhausen geführt. Von hier aus ging es heute weiter nach Ebeleben. Am Samstag will man in Schmalkalden sein. Neben Pilgern aus Thüringen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Hessen warteten heute auch zwölf Italiener und ein Norweger vor dem Roland darauf, dass es endlich weitergeht.

Auf dem Weg nach Rom wurde in Nordhausen halt gemacht (Foto: An) Auf dem Weg nach Rom wurde in Nordhausen halt gemacht (Foto: An)

Im Gegensatz zu ihren mittelalterlichen Vorgängern, vollziehen die modernen Pilger ihre Reise nicht an einem Stück."Soviel Jahresurlaub bekommt man einfach nicht", sagte Thomas Dahms mit einem Lächeln. Zwischen Hasselfelde und Rom liegen immerhin fast 1500 km Wegstrecke. An einem Tag schaffen die modernen Pilger zwischen 20 und 40 Kilometern. Deswegen wird heute eher in Staffeln gedacht. Nicht ein einziger bereist den Pfad, sondern Gruppen tragen den Pilgerstab über eine gewisse Strecke und übergeben ihn dann an die nächsten frommen Wanderer.

Zum Teil sind die Anwesenden alte Bekannte und haben schon einige Erfahrung im Wandern mit spirituellem Hintergrund. Alberto Alberti etwa ist 81 Jahre alt und immer noch gut zu Fuß. Zusammen mit anderen Italienern hat er die Wiederbelebung der "Via Romea" angeregt. Auf seinen Reisen traf er auch den Norweger Stan. Der hat unter dem Motto "Pilgrims Crossing Borders 2015" für das nächste Jahr eine große Pilgerreise vom heimischen Trondheim aus geplant. Zumindest hoffen die beiden, den Pilgerstab bis nach Rom zu bringen. "Am liebsten wäre es mir, mit den Leuten danach weiter bis an die Adriatische Küste zu reisen. Von dort kann man dann schon fast Jersusalem schauen", sagte Alberti.

Dabei muss man nicht unbedingt religiös sein, so der Norweger Stan. Die Gruppen seien meist gemischt, sagte der bekennende Agnostiker. Den modernen Pilger gehe es nicht mehr darum, unbedingt an einem heiligen Ort anzukommen, vielmehr sei heute der Weg das Ziel, erläuterte Stan. Jeder könne mitmachen, einzige Vorraussetzungen seien der Respekt vor der Religion und der Wille auch an heiligen Messen welcher Konfession auch immer teilzunehmen.

Bis nach Ebeleben soll Hans Jürgen Grönke die Pilger heute bringen (Foto: Angelo Glashagel) Bis nach Ebeleben soll Hans Jürgen Grönke die Pilger heute bringen (Foto: Angelo Glashagel)

Auf der Etappe nach Ebeleben werden die Pilger heute von Hans-Jürgen Grönke, dem ehemaligen Stadtarchivar Nordhausens begleitet. Der Straußberg, der jüdische Friedhof in Immenrode, die Kirche in Schernberg und das Schloss in Ebeleben könnten zu Zwischenstopps einladen, erzählte Grönke, aber letztlich sei es die Entscheidung der Gruppe, was man sich ansehen wolle.

Die Wiederbelebung der alten Pilgerstraße erfolgt indes nicht nur zu Fuß, sondern auch mit modernen Mitteln. Basierend auf den Reiseaufzeichnungen des Abtes Albert von Stade aus dem 13. Jahrhundert hatten Giovanni Caselli und Dr. Uwe Schott 2007 angeregt den alten Weg zu erforschen. 2009 wurde ein Förderverein samt Internetpräsenz gegründet, zu dem auch die Stadt Nordhausen gehört. Zusammen will man sich dafür einsetzen, das die "Via Romea" von der EU als europäischer Kulturweg anerkannt wird.

v.l. Dr. Thomas Dahms, Ulrich Eichler, OB Klaus Zeh (Foto: Angelo Glashagel) v.l. Dr. Thomas Dahms, Ulrich Eichler, OB Klaus Zeh (Foto: Angelo Glashagel)

Zur Verabschiedung der Pilger war auch Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh erschienen. Der zeigte sich erfreut, dass es dieser Tage auch noch Menschen gebe, die nicht allein an Fußball dächten. Dank der Pilger würde auch "der religiöse Grundwasserspiegel" der Region ein klein wenig angehoben. "Pilgern das bedeutet, den Kopf und die Gedanken frei zu bekommen, für Dinge die wichtig sind im Leben aber im Alltagsgeschehen untergehen", sagte Zeh. Er selbst spiele schon seit längerem mit Gedanken, zusammen mit seiner Familie nach dem Ende seines Amtes einmal auf Pilgerreise zu gehen. Bisher hätte ihm der Jakobsweg vorgeschwebt, doch jetzt könnte es auch die "Via Romea" werden.

Aber nicht nur aus religiösen Gründen dürfte ein Erfolg der Inititative zur Wiederbelebung der Via Romea den Oberbürgermeister freuen. Im Mittelalter waren Pilger für die Kirchen und Städte das, was heute Touristen sind: eine vorzügliche Einnahmequelle. Ein Pilgerboom wie anno dazumals ist zwar nicht zu erwarten, aber es würde auch nicht schaden, wenn der eine oder andere Wanderer auf dem Weg nach Rom wieder in Nordhausen halt machen würde.
Angelo Glashagel
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de