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Lichtblick: Das Geschenk der Zeit

Samstag, 05. Juli 2014, 09:01 Uhr
Unsere Terminkalender sind voll, und nur noch selten begehen wir die Dinge nacheinander. Wir leben in einer Kultur der Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem...


Während wir Wäsche aufhängen, haben wir das schnurlose Telefon bei uns. Während wir essen, blicken wir auf den Fernsehapparat. Während wir im Zug sitzen, halten wir den Laptop auf dem Schoß. Während wir im Urlaub sind, tragen wir das Handy mit uns.

Das sind Zeichen unserer Zeit: wir sind an mehreren Orten gleichzeitig. Hatten wir das nicht einmal Gott alleine zugeschrieben, allgegenwärtig zu sein? Immer wieder stolpere ich in meinem stressigen Alltag über den einen Vers aus der Bibel, der über 2000 Jahre alt ist: „Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Pred.3, 1) Ist der Vers ein Relikt aus vergangener Zeit? Unser Alltag – egal ob Frei- oder Arbeitszeit ist bestimmt von der Gleichzeitigkeit.

Wenn wir liegen, dann denken wir schon an das Aufstehen und an das, was danach kommt. Wenn wir aufstehen, dann planen wir schon unseren Tag. Wenn wir gehen, sind wir in Gedanken schon wieder irgendwo anders. Wenn wir reden, gehen dabei zugleich andere Sachen durch den Kopf. Und wenn wir schweigen, legen wir uns die nächsten Worte zurecht. Dabei hätten wir schon manches Mal genug damit zu tun, zu schweigen, wenn wir schweigen, zu denken, wenn wir denken und zu reden, wenn wir reden.

„Meine Zeit steht in deinen Händen“, so hat einmal ein Psalmist gebetet. Ein jeder Tag ist wie ein Paket an uns, das Gott in Händen hält und uns entgegenstreckt. Ein jeder Tag ist wie ein Paket an uns, in dem sich viele Geschenke befinden. Geschenke aber können nur nacheinander ausgepackt werden. Das Auspacken aber braucht seine Zeit. Da ist das Geschenk des Lachens und des Tanzens…das braucht seine Zeit.

Da ist das Geschenk des Weinens und des Klagens…das braucht seine Zeit. Da ist das Geschenk des Arbeitens und aller Aufgaben…alles braucht seine Zeit. Und da ist das Geschenk, dass es uns gibt…und auch wir brauchen für uns Zeit.

„Ein jegliches hat seine Zeit und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ Stolpern sie doch auch einmal über diesen Satz, so dass die Zeit ein bisschen steht.
Pfarrerin Esther M. Fauß
Autor: red

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