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Das weckt Begehrlichkeiten!

Donnerstag, 24. Juli 2014, 14:30 Uhr
Ein Radweg durch ein FFH-Gebiet, wie es beim Bau des Unstrut-Werra-Radweges (UWR) kommen wird, weckt Begehrlichkeit, so kn in einem Gespräch mit dem ehrenamtlichen Ortswegwart Wandern und Radwandern von Sondershausen. Worum es geht, gibt es mit einem Klick hier...

Beim Bau des UWR wird auch ein längeres Stück des Radweges durch das FFH-Gebiet Esperstedter Ried führen. Auf Forderung der anliegenden Kommunen wurde nur eine Ausführung in Bitumenbauweise akzeptiert und so wird es auch in ca. zwei Wochen beginndend umgesetzt.

Dazu muss man wissen:
Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Richtlinie, vom 21. Mai 1992, 92/43/EWG) und die Vogelschutzrichtlinie (vom 2. April 1979, 79/409/EWG). In diesen Richtlinen werden Arten und Lebensraumtypen genannt, welche besonders schützenswert sind und für die ein Schutzgebietsnetz aufgebaut werden soll.

Und in der Tat im Esperstedter Ried gibt es viel Schützenswerters, aber auch viel Sehenswertes was man Wanderern und Radwanderern nicht vorenthalten sollte. Eine großartige Sache.

Trotzdem kommt der Ortswegewart von Sondershausen ins Grübeln. Seit fast 10 Jahren nimmt er Anlauf, endlich die Verantwortlichen zu begeistern, endlich einen wirklich mit dem Fahrrad fahrbaren Weg von Jechaburg hinauf auf den Kamm der westlichen Hainleite, wenigstens erst mal planerisch in Angriff zu nehmen.

Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Eine der wenigen Wege hinauf und noch viel schlimmer hinab, ist die Fahrt durch das Große Kirchtal von Jechaburg hinauf bis zur Oberholzchaussee und von dort hat man einen breiten Allwetterweg zum Rittweg und von dort entweder zum Frauenberg oder nach Straußberg.

Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Leider ist der Weg zwar für Wanderer geeignet, aber für Radfahrer, obwohl Teil des Radweges "Rund um Sondershausen" (RuS) eigentlich völlig ungeeignet. Und der Wegewart bekommt öfter sein "Fett weg" wen er gefragt wird: "Wie kannst du nur so verrückt sein, so einen schlechten Weg aus zuschildern." Ganz abgesehen davon, dass er gar nicht für die Ausschilderung verantwortlich ist, sondern nur für die Kontrolle und Erhalt, bestätigt der Wegewart, dieser Weg ist bergab eine Tortur für Mensch und Maschine (3,3 km mit 145 m Höhenunterschied.

Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Bei den Verantwortlichen vorgefühlt, gab es neben dem bedeutenden Argument, dafür haben wir kein Geld, dass noch wichtigere Argument, außerdem dürften wir so einen Weg garnicht bauen, weil die Naturschutzbehörden es verbieten. Upps, der Weg durch das Kirchtal (der Wald insgesamt ist wohl Landschaftsschutzgebiet) ist schützenswerter als das Gebiet des sehr sensiblen Esperstedter Rieds? Man kommt ins Grübeln. Der Weg durchs Kirchtal ist auch nicht sensibler, als die teils asphaltierte Oberholzchaussee.

Und selbst die Ausrede, durch das Landschaftsschutzgebiet darf nicht gebaut werden, hebelte die Ministerprsidentin aus. Beim Besuch auf dem Frauenberg sagte sie gegenüber dem Wegewart, das ist möglich und gab sogar in Form einer Visitenkarte den entsprechenden Ansprechpartner mit. Aber bisher half alles nicht.

Nun geht es nicht nur darum, einige Radfahrer ohne riesige Umwege von Sondershausen auf den Frauenberg fahren zu lassen (über UWR Oberspier, Hohenebra, Gundersleben, Schernberg und RuS Oberholzchaussee) sondern auch, den Ferienpark Feuerkuppe endlich auch mal auf kürzerem Weg mit der Kreisstadt zu verbinden. Letztes Jahr hatte der Ferienpark weit über 50.000 Übernachtungen und dieses Jahr scheint man es sogar noch zu toppen. Bei boomenden Radtourismus der Ferienpark von sicheren Radwegen abzuschirmen, ist ein Unding in der heutigen Zeit.

Und in den nächsten Jahren könnte es mit Radfahren auf den Straßen zwischen Sondershausen und Wolkramshausen und Wolkramshausen und Immenrode gefährlich werden. Wenn wirklich das Pumpspeicherwerk Hainleite gebaut wird, möchte wohl kein Radfahrer zwischen den vielen LKW "rumgurken".

Es wird also mal höchste Zeit, eine Machbarkeitsstudie für so einen Radweg zu machen und im Vorfeld zu klären, was wird es kosten. Wenn man das hat, kann man erst anklopfen, ob und wo es noch Fördertöpfe für so einen Weg gibt.

Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Das weckt Begehrlichkeiten! (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Einen Vorschlag gibt es zusätzlich. Von Jechaburg führt ein nur rund 900m langer Weg direkt auf den Rittweg, allerdings nicht leicht zu fahren, weil es 96 Höhenmeter zu bewältigen gibt. In Bitumenbauweise sicher ein fahrbarer Weg, auch wenn untrainierte Radfahrer sicher ein Stück schieben werden müssen. Leider ist es kein sonderlich befestigter Weg, der bei Regen leicht durchweicht und auch längere Zeit feucht bleibt. Übrigens ist dieser Vorschlag keine neue Idee, denn in der Oberstraße von Jechaburg steht sogar ein Schild "Radweg zum Frauenberg", auch wenn es kein offiziell ausgewiesener Radwanderweg ist. Aber in die Überlegungen sollte man es einbeziehen.

Damit es hier klar ist, es geht nicht gegen den Bau des UWR, der ist höchst wichtig, aber man muss auch beachten, dass es rund um den UWR ein Netz von Stichwegen geben muss, wenn die Radtouristen nicht nur wie auf einer Autobahn durchfahren sollen. Wir haben das Glück, kann eine Natur zu haben, die müssen wir aber auch nutzen wollen. Und dazu gehört auch mal ein Radweg zu wichtigen touristischen Zentren.
Autor: khh

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