kyffhaeuser-nachrichten.de

kn-Forum: Unendliche Geschichte - Teil 5

Dienstag, 19. August 2014, 15:41 Uhr
Am 23.08.2014 ist es nun soweit. Der Schiefe Turm kommt ins Kino! Jetzt, wo die Turmuhr 3 vor 12 schlägt wird ein Kinospot gedreht um ein Projekt zu retten, welches seit vielen Jahren erfolglos gerettet werden sollte. Dazu Anmerkungen eines kn-Lesers...


Im Dezember 2011 verkündete der Bürgermeister in der deutschlandweiten Presse, dass man bis 2014 verschiedene Quellen anzapfen wird, um 800.000,00 € für den Erhalt der Schiefen Kirche zu sammeln. Wohlgemerkt, zusätzlich zu den 800.000,00 €, die man bereits vor 2011 im Boden an der Oberkirche versenkt hat.

Und nun ca. 3 Jahre später steht eine Zahl für die Rettung der „Schiefen Kirche“ im Raum, die einem vertraut vorkommt. Nun, rund 3 Monate vor Galgenfrist steht ein offener Betrag im Raum von 800.000,00 €. Was ist da also in den letzten Jahren passiert?

Vorneweg möchte ich herausstellen, dass ich es sehr lobenswert finde, wenn man sich einem Projekt verschreibt und dann so lange dafür kämpft wie es Sinn macht. Allerdings muss man während seines Kampfes aufpassen gewisse Grenzen nicht zu überschreiten. Vor allen Dingen darf man die Augen vor der Wahrheit nicht verschließen. Und genau deswegen sollte man auch akzeptieren, dass es Menschen gibt, die ein Projekt kritisieren. Und da dieser Kinospot dazu aufruft, seine Meinung zu äußern, sollte das JEDER machen dürfen.

Wenn man sich die Liste der Dinge anschaut, die unternommen wurden um den „Schiefen“ zu retten, muss man seinen Hut ziehen. Wenn man dann aber vergleicht, was das Ergebnis dieser Aktionen ist, dann sollte man demütig werden und eingestehen, dass das Projekt „Schiefe Kirche“ gescheitert ist. Der Tourismusmagnet, der die Schiefe Kirche sein soll, ist ein Märchen.

Es gibt keinen Touristen, der extra aus 400 km Entfernung nur wegen der Schiefen Kirche in die Kurstadt kommt. Die immer wieder angepriesenen Australier, Österreicher und Holländer sind aus welchen Gründen auch immer in der Stadt, aber nicht wegen ihr. Die dargestellten Touristenströme hat von den Bewohnern der Oberkirchgasse und der näheren Umgebung mit denen man so spricht noch keiner gesehen.

Bei Kauf der Anlage 2011 wurde den Bürgern der Stadt versprochen, dass für Bad Frankenhausen keine Kosten entstehen werden – leider ist das auch ein Märchen. Jahr für Jahr werden für die Oberkirche Gelder im Stadthaushalt eingestellt. Darüber hinaus beteiligt sich die Stadt an den verschiedenen Aktionen, wie z.B. dem Ballrennen.

Ein weiteres Märchen, welches vielleicht ins Genre der Unendlichen Geschichte, aber nicht in die Realität passt, ist die ständig verwendete Redewendung, dass alle Frankenhäuser hinter der Oberkirche stehen und für den Erhalt kämpfen. Nein, es gibt sehr viele Frankenhäuser und Menschen aus der Region, denen die Oberkirche mittlerweile egal ist oder sogar nicht wenige die sagen, dass man dieser Geschichte ein Ende bereiten sollte um sich endlich auf wesentliche Sachen zu konzentrieren.

Bad Frankenhausen ist viel mehr als die Kirchenruine in der Oberkirchgasse. Fakt ist, dass beim zweiten Ballrennen im Mai, welches zufälligerweise einen Tag vor der Kommunalwahl war, gerademal 3000 Bälle verkauft wurden. 2011 waren es stolze 6600 Stück. Es haben sich in den letzten Jahren keine Unternehmer, Firmen, Stiftungen, Ministerien usw. gefunden, die das Projekt mit größeren Summen unterstützt haben. Ironie, dass die größte „Rettungssumme“ die 150.000,00 € von der Evangelischen Kirche sind und eigentlich für den Abriss bestimmt waren und sind.

Im März 2012 begrüßte man dann die damalige SPD-Generalsekretärin und jetzige Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, die prompt verkündete ihre guten Beziehungen nutzen zu wollen um für den Kirchturm Lobbyarbeit zu betreiben. Das blieb dann leider auch nur ein Märchen. Sie denkt Heute wahrscheinlich keine Sekunde mal an das Versprechen, welches sie den Rettern gab. Und auch die Merchandising-Artikel wie z.B. Tassen, Schwibbögen oder Fensterbilder sind eine tolle Idee, haben aber nicht ansatzweise den Erfolg erbracht, den man sich erhofft hat.

Und dann als man feststellte, dass man trotz der Bemühungen nicht viel weiter als am Anfang war, ging man auf Bauminister Carius und sein Ministerium los und schob ihnen die Schuld am möglichen Abriss in die Schuhe. Und warum? Weil das Ministerium das tat, was so viele anderen Stellen vorher auch schon taten – man warf kein Geld aus dem Fenster für ein Projekt dessen Erfolg nicht ansatzweise vorhersehbar war, ist und sein wird. Es sei hier auch noch einmal erwähnt, dass das Ministerium bereits vorher schon fast eine Million Euro für die Oberkirche bereit stellte.

Im weiteren Verlauf der respektvollen Auseinandersetzung gab es dann eine Demo vor dem Ministerium in Erfurt. Anwesend waren rund 35 Demonstranten. Ich weiß nicht wie andere Beobachter das einschätzen, aber 35 Menschen vertreten meiner Meinung nicht den Willen einer Stadt mit über 8.000 Einwohnern. Und das gilt auch für eine Unterschriftensammlung im Internet bei der zwar insgesamt gute 1000 Menschen unterschrieben haben, allerdings davon nur ein Bruchteil aus Bad Frankenhausen und der direkten Umgebung.

Wenn die Zukunftsvisionen der Schiefen Kirche aus einer Außenstelle des Standesamtes, einer Open-Air-Bühne mitten in einem Wohngebiet oder einer schwer zu erreichenden Aussichtsplattform bestehen, dann kann man als objektiver Beobachter schon verstehen, warum zur Rettung der Schiefen Kirche immer noch 800.000,00 € fehlen.

Die Stadt Bad Frankenhausen sollte sich wegen der kürzlich vom Bürgermeister verkündeten sehr schwierigen wirtschaftliche Situation, einem Schuldenstand von ca. 12.000.000,00 €, sinkenden Einnahmen, dadurch zu erwartenden Steuererhöhungen bzw. den Wegfall von freiwilligen Leistungen für den Bürger, das rapide Schmelzen der Rücklage der Stadt und einer noch nicht absehbaren Entwicklung des Solewasser-Vitalparks auf andere Aufgaben konzentrieren.
Steffen Kobrow
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de