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Staub aufgewirbelt

Montag, 01. September 2014, 09:21 Uhr
In „Keine Angst vor wenig Watt“ soll auch den Lesern der Nordthüringer Online-Zeitungen die EU-Ökodesign-Verordnung und Energielabel-Verordnung der Europäischen Kommission am Beispiel der Energiereduzierung bei Staubsaugern schmackhaft gemacht werden. Gerade auf diesem Gebiet scheinen die „Brüsseler“ in der Grundschule gepennt zu haben - meint Jürgen Wiethoff...


Wichtigste physikalische Grundregel dazu: Ein „perpetuum mobile“ gibt es nicht. Jedem Gerät auf der Welt, das eine bestimmte Arbeit verrichten soll, muss dazu eine Leistung zugeführt werden. Führt man weniger Leistung zu, wird weniger Arbeit in der Zeiteinheit verrichtet.

Dass der Stromverbrauch eines Staubsaugers nicht in einem 100-prozentigen Zusammenhang zur Saugleistung steht, ist unbestritten. Dass man keinen 100-prozentigen Wirkungsgrad bei einem Gerät erzielt, sollte man nach beendetem Physik-Unterricht aber auch wissen. Es geht hier vergleichsweise um einige Cent bzw. Kilowattstunden, deren Einsparung man mit mehr Zeit für die Hausarbeit kompensieren muss.

Sicher kann man auch immer noch die Saugleistung von Staubsaugern durch geeignete konstruktive Maßnahmen erhöhen. Dass aber ab September 2017 Staubsauger mit maximal 900 Watt Leistungsaufnahme die gleiche Saugleistung erbringen, wie heutige Staubsauger mit maximal 2200 Watt, ist ausgeschlossen.

Ja, auch der Verfasser hatte schon Besuch von mehreren Vertretern eines sehr bekannten Staubsaugerherstellers. Das sind jene Damen und Herren, die bei Ihnen zur Unzeit an der Haustür erscheinen und Ihnen zunächst mal das feuchtwarme Händchen reichen möchten, um Ihnen dann zu erklären, dass in Ihrem Haushalt immer noch der beste Staubsauger der Welt fehlt, der absolut nicht mehr zu verbessern ist. Vermutlich kennen die EU-Kommissions-Bürokraten nur diese Spezies und wollten denen auf die Schnelle mal so richtig eins rein würgen.

Gute Staubsauger des Jahrgangs 2014 sind regelbar, sogar teilweise bis weit unter 900 Watt. Die Zeiten, wo man den Teppich mit dem Staubsauger anhob, können bei sachgerechter Bedienung lange vorbei sein. Staubsauger, bei denen man zur Regelung Nebenluft einstellen musste, sollte man verschrotten.

Wie lange saugen Sie Staub? 1 Stunde pro Woche? Und immer mit voller Motorleistung oder doch meistens abgeregelt? Nehmen wir mal gemeinsam den dicken Daumen und sagen: 50 kWh/Jahr werden für Staubsaugen eines durchschnittlichen Haushaltes verwendet. Mit einem motorleistungsschwächeren Sauger sollen Sie gut die Hälfte davon sparen. Macht bei den derzeitigen Energiepreisen etwa 5 Euro aus – im Jahr. Aber auch das ist nur die berühmt-berüchtigte Milchmädchenrechnung. Denn nun bleibt immer mal was liegen, weil – siehe oben - ein „perpetuum mobile“ gibt es nicht und Sie saugen dann schon mal etwas länger.

Umweltministerin Barbara Hendriks ist gemäß einer großen deutschen Zeitung der Meinung: „Jeder sieht zu, dass er möglichst sparsame Geräte kauft. Ist doch prima, dass die EU hier für mehr Transparenz sorgt. Ich hoffe, sie setzt das bei weiteren Haushaltsgeräten fort! Informationsmuffeln wird Stromsparen leichter gemacht, indem die üblen Stromfresser vom Markt verschwinden.“

Informationsmuffel lesen die Zeitung nicht, wissen aber aus Erfahrung, was nicht nur aus ihrem Staubsauger rauskommt: Heiße Luft.

Nicht nur für den Staubsauger gilt: Man sollte schön auf dem Teppich bleiben und sich Gedanken machen über Stromverschwendungen im Megawattstundenbereich in Deutschland. Beim Staubsaugen hätte die Frau Ministerin richtig Zeit dazu, denn: „Mein alter Staubsauger tut’s noch. Wenn ich einen neuen brauche, bin ich froh, dass ich nur zwischen sparsameren Modellen wählen kann.“
Jürgen Wiethoff
Autor: red

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