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Veranstaltungsreihe startet

Mittwoch, 10. September 2014, 10:37 Uhr
Die Fachhochschule Nordhausen startet am 12. September die Veranstaltungsreihe „Familie und psychische Gesundheit - Anspruch und Wirklichkeit“ mit mehreren Veranstaltungen und einem Symposium im Oktober. Und gleich zu Beginn kommt ein Experte an den Südharz...


Durchgeführt wird die Reihe vom Institut für Sozialmedizin, Rehabilitationswissenschaften und Versorgungsforschung (ISRV). Zum Auftakt ist es gelungen, einen hochkarätigen Experten aus den USA nach Nordhausen zu holen.

Professor Gerald Mahoney von der Case Western Reserve University in Cleveland, Ohio, gilt als der weltweit führende Forscher im Bereich der Responsivitätsforschung. Gemeinsam mit Prof. Dr. Armin Sohns von der FHN wird er am 11. September und 13. September Vorträge beim Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bei der Leipziger Messe halten. Professor Sohns ist es gelungen, Professor Mahoney darüber hinaus am 12. September zu einem Vortrag mit dem Thema "Relationship focused Intervention" nach Nordhausen zu holen.

Die Erkenntnisse Mahoneys fußen auf Forschungsaktivitäten zum Thema „Responsivität“ von über mehr als 30 Jahren unter Bedingungen, „von denen wir in Deutschland nur träumen können“, betont Professor Sohns in einer Vorankündigung. In den USA stünden für die Effektivitätsforschung im Bereich Frühförderung allein dem Institut des Kollegen Carl Dunst jährliche Forschungsmittel von etwa 70 Millionen Dollar zur Verfügung.

Er und Mahoney legten seit 30 Jahren wissenschaftliche Belege dafür vor, „dass die Effektivität professioneller Hilfen andere Schwerpunkte braucht als sie derzeit von den Kostenträgern in Deutschland gesetzt werden.“ So weise Mahoney nach, dass die effektivsten Modelle professioneller Hilfen für eine bessere Entwicklung des Kindes nicht durch kindzentrierte Förder- und Therapieprogramme erfolge, sondern über eine gezielte Stärkung der Kompetenz derer, die den Alltag des Kindes gestalten, also Eltern und ihre weiteren Bezugspersonen im Alltag („parenting model“). Dies gelte für Kinder mit und ohne Behinderungen gleichermaßen.

Responsivität (aus dem Lateinischen: „antworten“) bedeutet hierbei die Fähigkeit, interaktiv auf die Signale des Kindes eingehen zu können und einen aktiven Dialog zu gestalten, insbesondere auf den Ebenen Motivation, Konversation und Sozialisation. Dabei zeigen sich keine Verbesserungen bei den Kindern, wenn Eltern sich zwar mit den Kindern beschäftigten, sich jedoch (quasi als Ko-Therapeuten) auf die spezifische Förderung defizitärer Probleme fokussieren. Wesentlich sei die Fähigkeit, die Anregungen in die alltäglichen Tagesabläufe einbetten zu können.

Sohns weist darauf hin, dass als Konsequenz aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen der amerikanischen Forscher auch die Ausbildungen und ihre Inhalte gründlich reformiert werden müssten – dies beginne in den Schulen und betreffe insbesondere den Vorschulbereich, da hier die Entwicklungsfenster für die Kinder noch wesentlich offener seien und damit deutlich bessere Prognosen für moderne professionelle Hilfen bestünden. Er erwartet von der Veranstaltung mit Professor Mahoney eine anregende und kontroverse Diskussion, die hoffentlich auch Auswirkungen auf die Praxis haben kann.

Der Vortrag findet am 12. September um 14 Uhr auf dem Campus der FHN im Haus 34, Hörsaal 4, statt. Die Anmeldung erfolgt unter: http://www.fh-nordhausen.de/ifsrv.html
Autor: red

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