kyffhaeuser-nachrichten.de

"Zeitenwende - 100 Jahre 1. Weltkrieg"

Freitag, 19. September 2014, 14:55 Uhr
Der 1. Weltkrieg im Spiegel der Literatur, Feldpostbriefen und Erinnerungen seiner Teilnehmer. Lesung & Ausstellung nächste Woche Freitag in der Studiogalerie des Panoramamuseums Bad Frankenhausen...

Der Bad Frankenhäuser Bibliotheksverein und das Panorama Museum erinnern gemeinsam an diesem Abend mit einer Lesung und einer Präsentation eines Konvoluts von Feldpostkarten aus den Jahren 1914-1918 und von Kunstwerken, die zwischen 1880 und 1930 entstanden sind, an den Ausbruch des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren.

Lesu (Foto: Fred Böhme) Lesu (Foto: Fred Böhme)

Foto: „Alfred Propp, auf dem Kriegsschauplatz, 1917“; Rechteinhaber: Fred Böhme - Alfred Propp „Auf dem Kriegsschauplatz“, Kreidelithographie von 1917

Die präsentierten Kunstwerke sind allesamt Grafiken unbekannterer, meist vergessener Künstler wie Alfred Propp, Hans Lietzmann, Oskar Graf oder Bruno Heroux, die die Zeitenwende, die dieser Krieg ausgelöst hat, mit ihren Werken veranschaulichen. Der Schau vorangestellt sind zwei Grafiken, die diesen Bruch im Gestalterischen anschaulich werden lassen, nämlich das Porträt einer eleganten Dame von Leon Pohle und Alfred Kokoschkas Lithographie „Sitzendes Mädchen“. Zwischen der Entstehungszeit beider Werke liegen lediglich 30 Jahre, stilistisch scheinen sie Jahrhunderte zu trennen…

Gelesen werden an diesem Abend Passagen aus literarischen Texten von Ludwig Winder, Ernst Toller, Erich Maria Remarque, Georg Heym und Erich Kästner. Daneben kommen auch die Kriegsteilnehmer und ihre Angehörigen selbst mittels vorgetragener Erinnerungen und Feldpostbriefen direkt zu Wort. Ein Beispiel: „Johannes Götzmann, geb. 1896: Auf dem Rückzug wurden wir von der Truppe getrennt. Alles lag dauernd unter Feuer der schweren Artillerie.

Wir suchten Schutz in einer Art Garage, die schräg in die Erde verlief. Wir saßen unten, als die Garage getroffen wurde. Es gab ziemlich viele Verwundete. Einer hatte keine Beine mehr. Beide Beine waren ab. Er ist dort verblutet. Neben mir saß ein Kamerad, der war an dem Tag gerade 20 Jahre alt geworden. Er hatte etwas gegen den Kopf bekommen, wahrscheinlich einen Splitter, und war blind. Er jammerte: „Ich kann nicht gucken, ich kann nicht gucken.“ Er hat geweint, der Kerl. Ich musste ihn trösten.“ Aus: Wolf-Rüdiger Osburg: Hineingeworfen. Der Erste Weltkrieg in den Erinnerungen seiner Teilnehmer. Osburg Verlag 2009, S. 332.

Diese Texte veranschaulichen ausschnitthaft und exemplarisch das Leben in diesem Krieg, die anfängliche Begeisterung und die baldige Ernüchterung der Kriegsteilnehmer, die Grausamkeit des industriellen von Maschinen bestimmten Krieges, des weiteren die Tristesse und Absurdität des Frontalltages sowie die ambivalenten Gefühle seiner Teilnehmer. Die Lesung versteht sich als Anregung für geschichtsinteressierte Gäste, sich mit diesem spannenden Kapitel des frühen 20. Jahrhunderts intensiver auseinanderzusetzen, dessen Folgen das gesamte vergangene Jahrhundert prägten.

FREITAG, 26. SEPTEMBER, 20:00 UHR IN DER STUDIOGALERIE Lesung & Ausstellung

Eintritt: 3,- €, weitere Informationen / Reservierungswünsche über Fred Böhme, Tel.: 034671-6190 oder E-Mail: fred.boehme@panorama-museum.de; mit Shuttleservice durch Taxiunion Tel.: 0800-3023666, Abfahrt ab REHA-Klinik 19:30 Uhr, nach Veranstaltungsende ca. 21:45 Uhr zurück. Interessenten melden sich bitte vorher an, REHA-Patienten tragen sich bitte in die Liste im Patientenordner ein!
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de