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Lichtblick: Michaelis

Sonntag, 28. September 2014, 07:36 Uhr
Morgen ist Michaelis. Ein weitgehend unbekannter, aber doch schöner Tag zur Erinnerung, denn mit Engelen haben wir wohl alle irgendwie zu tun. Engel schaffen eine Verbindung zwischen Himmel und Erde. Viele Bilder von Engeln sind bekannt: schön und einfühlsam, romantisch und verträumt. Mir ist in den letzten Tagen dieses Bild eines Engels begegnet...

Verwundeter Engel (Foto: privat) Verwundeter Engel (Foto: privat)
Hugo Simberg (1873-1917); „Der verwundete Engel“, 1903, Kunstmuseum Ateneum in Helsinki

Ein eher verstörendes Bild von einem Engel. Mit verbundenen Augen, getragen und deutlich sichtbar am Ende seiner Kräfte. So stellt man sich keinen Engel vor!
Doch auch darin verbinden sich Himmel und Erde.

Himmel ist da wo Engel sind. Erde ist da, wo Wunden und Verwundungen sind. Im Engel selbst verbinden sich schon Himmel und Erde. Die beiden Jungs haben schwer zu tragen. Der eine blickt nur nach vorn. Der andere sieht uns mit fragendem Blick an: „Was ist passiert hier?“. Dieser Engel ist kein Leichtgewicht, kein elfenhaftes Wesen. Die Jungs tragen eine schwere Last, in dem sie den niedergeschlagenen Engel tragen. Er kann seinen Dienst nicht mehr tun. Der Engel braucht selbst Hilfe.

Ein Engel, der Menschen helfen soll, braucht selbst Hilfe von Menschen??? – Das ist ein rätselhafter Augenblick. Kann ein Engel verwundet sein? Können Engel auf menschliche Hilfe angewiesen sein, wenn sie doch mit göttlicher Hilfe den Menschen helfen sollen? Ja, sind sie wohl – verwundbar und auf Hilfe angewiesen! Sonst wäre auch kaum zu erklären, warum viele von der Hilfe der Schutzengel sprechen und andere in vergleichbaren Situationen ohne Schutz bleiben, wie sie meinen.

Im Psalm 34 Vers 8 heißt es: „Der Engel des Herrn lagert sich um die her, die ihn fürchten.“ Ich finde in diesem Psalmvers ist ein kleiner Hinweis eingebaut. Engel sind tatsächlich nicht selbstverständlich. Sie lagern sich um die, „die ihn fürchten“. Also um die, die vor Gott auch Ehrfurcht haben. Um Engel handfest zu erleben, braucht es eine gewisse Gottesfurcht, also Ehrfurcht vor dem Höchsten. Es braucht ein Verständnis dafür, dass Gott seine Hand im Spiel hat. Engel sind Boten Gottes. Engel sind Zeichen von etwas viel Größerem.

Obwohl, die Rede von und über Engel hat sich verselbständigt. Viele reden von Engeln, aber verlieren kein Wort über Gott. Dabei sind Engel Gesandte von Gott.

Engel sind nicht selbstverständlich und verfügbar, wann und wie ich es will. Auch dann nicht, wenn ich sie kaufen und verschenken kann. Engel helfen uns, Gott ein Stückchen in seinem Wirken zu erleben, ihn ein wenig besser zu verstehen. Dabei wandeln Engel immer an der Grenze zwischen Himmel und Erde. Und ja, ein Engel kann verletzlich sein. Er kann verwundet, verhindert oder abgelehnt sein. So kann es auch sein, dass ein Engel nicht jede schwierige Situation in unserem Leben aufheben und glätten kann. Manchmal braucht auch ein Engel Hilfe von Menschen, um Menschen zu helfen. Manchmal braucht ein Engel einen Menschen mit Herz.

Grafik (Foto: St. Wiegleb) Grafik (Foto: St. Wiegleb) Denn Engel haben nicht immer Flügel! Menschen mit Herz werden zu Engeln, wie sie uns tagtäglich begegnen können. Rudolf Otto Wiemer schreibt es so klar: „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. … vielleicht ist es einer, der gibt dir die Hand, oder wohnt neben dir, Wand an Wand, …

Dem Kranken hat er das Bett gemacht, er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht, … Er steht im Weg und er sagt: Nein, der Engel, … es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel.“

Grafik (Foto: St. Wiegleb) Grafik (Foto: St. Wiegleb) In Bildern lässt es sich vielleicht so vereinfachen und verdeutlichen: Solche Engel begegnen uns überall und oft ganz unerwartet. Sie sind plötzlich da und wir sind plötzlich erleichtert und dankbar.
Was wüssten wir von der Frohen Botschaft, wenn Maria nicht auf den Engel Gabriel gehört hätte. Was wüssten wir von der Auferstehung, wenn nicht ein Engel im leeren Grab auf die Frauen gewartet hätte.

Ohne einen Engel würden wir oft am Boden liegen, ohne jede Kraft, wenn uns nicht ein Engel berühren würde, wie den müden Elia; bewahren würde, wie den Daniel in der Löwengrube; herausführen würde, wie Petrus aus dem Gefängnis; zum Ziel führen würde, wie Bileam und seinen Esel. Was wären wir ohne die Boten Gottes?
So lösen sich nicht alle Rätsel und Fragen einfach auf, aber sie lassen sich leichter tragen.
Pastorin Steffi Wiegleb
Autor: red

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