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Die bisherige dezentrale Unterbringung hat sich bewährt.

Freitag, 03. Oktober 2014, 08:56 Uhr
Flucht und Migration zählen fraglos zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Auch wir im Kyffhäuserkreis müssen und werden uns dieser Verantwortung stellen, so Landrätin Antje Hochwind (SPD) am Mittwoch im Kreistag. Dabei gibt es auch eine Biite von Ihr:
Ich bitte und werbe wieder, wie im letzten Jahr, bei den Bürgermeistern, und viele sitzen ja im Kreistag, um Unterstützung. Wir brauchen hier Ihre Hilfe! 132 Flüchtlinge sind noch unterzubringen

Gerade angesichts des Tag der Einheit sollte man auch an die Flüchtlinge denken. Hier der vollständige Ausschnitt aus der Rede der Landrätin:


Wir erinnern uns, vor noch gar nicht so langer Zeit:
- versuchten Hunderttausende von Deutschen vor den eigenen Landsleuten zu fliehen, vor den Nazis, zwischen
1933 und 1945.
- ab Ende 1944 wurden 14 Millionen Deutsche u.a. aus Pommern, Ostpreußen, Schlesien und Sudetenland deportiert oder vertrieben.
- 3, 8 Millionen Menschen verließen die DDR seit ihrer Gründung 1949 bis zu ihrem Ende 1990 und flohen in die BRD, allein 200.000 Menschen im Sommer/ Herbst 1989.

Das sind nur 3 Beispiele aus der jüngeren deutschen Geschichte, die fast 60 Jahre geprägt war von Unterdrückung, Diktatur, Flucht bzw. Vertreibung und die uns lehren sollten, sehr sensibel und verantwortungsvoll mit dem Thema Asyl und Flüchtlinge umzugehen.

Derzeit befinden sich weltweit ca. 51 Millionen Menschen auf der Flucht. Ca. 16 Millionen von ihnen gelten nach völkerrechtlicher Definition als Flüchtlinge. Neun von zehn Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern, da die meisten Flüchtlinge lediglich in ein angrenzendes Nachbarland fliehen.
Den weit größeren Teil – ca. 33 Millionen – bilden jedoch sogenannte Binnenvertriebene. Sie fliehen innerhalb ihres eigenen Landes, ohne dabei internationale Landesgrenzen zu überschreiten.

In Deutschland kommen also vergleichsweise wenige Flüchtlinge an. Wir werden diese Menschen hier im Kyffhäuserkreis weiterhin menschenwürdig unterbringen und willkommen heißen.
Die bisherige dezentrale Unterbringung hat sich bewährt. Zurzeit leben mit heutigem Stand im Kyffhäuserkreis 216 Asylsuchende, davon 78 in der Gemeinschaftsunterkunft in Rockensußra, 48 in Wohnungen in Artern, 17 in Oldisleben und 73 in Wohnungen verteilt in Sondershausen, vorranging in den Stadtteilen Wippertor und Hasenholz. Diese Zahlen sind jedoch täglichen Veränderungen unterworfen.

Ein ganz besonderes Dankeschön möchte ich an dieser Stelle den jeweiligen Bürgermeister/- innen dieser Orte sagen für ihre hilfreiche Unterstützung.
In diesem Jahr müssen wir laut Aufnahmequote des Landes Thüringen noch 132 Asylbewerber aufnehmen. In den Prognosen für die kommenden Jahre wird mit steigenden Zahlen gerechnet. Wir werden dadurch sicherlich die dezentrale Unterbringung in Einzelwohnungen nicht dauerhaft als alleinige Variante umsetzen können und müssen zudem kleinere Gemeinschaftsunterkünfte mit bis zu max. 50 Plätzen für die Erstaufnahme schaffen.

Das ist für die Sicherheit und das „Zurechtfinden“ der Menschen vor Ort, denke ich, auch wichtig.
Ich bitte und werbe wieder, wie im letzten Jahr, bei den Bürgermeistern, und viele sitzen ja im Kreistag, um Unterstützung. Wir brauchen hier Ihre Hilfe!
Der Kyffhäuserkreis ist auf die Städte und Gemeinden dabei angewiesen.

Wir alle tragen hier gemeinsam Verantwortung für diese schutzbedürftigen Menschen. Ich freue mich, dass es uns als jüngstes Beispiel in Oldisleben gut gelungen ist, die syrischen Flüchtlinge zu integrieren. Heute Morgen gab es eine gemeinsame Veranstaltung zwischen den deutschen Anwohnern und den Flüchtlingen mit Dolmetscher. Viele Oldislebener kümmern sich um die Asylbewerber, fahren mit ihnen einkaufen, sammeln Spenden, die Kirchgemeinde bringt sich ein, die Kinder spielen zusammen auf dem Spielplatz. So stelle ich mir Solidarität und Integration vor. Das sind Maßnahmen, die Fremdenangst überwinden.
Autor: khh

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