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In Trauer zusammenstehen

Samstag, 22. November 2014, 18:00 Uhr
Im vergangenen Jahr kamen 21 Menschen in Nordthüringen im Straßenverkehr um. Viele weitere wurden durch Unglücksfälle aus dem Leben gerissen oder entschlossen sich, ihrem Leben selbst ein Ende zu machen. In der Cyriaci Kapelle wurde heute der Menschen gedacht, die im vergangenen Jahr tragisch verstorben sind...

In der Cyriaci-Kapelle wurde heute denjenigen Gedacht, die im vergangenen Jahr durch tragische Unglücke ums Leben gekommen sind (Foto: Angelo Glashagel) In der Cyriaci-Kapelle wurde heute denjenigen Gedacht, die im vergangenen Jahr durch tragische Unglücke ums Leben gekommen sind (Foto: Angelo Glashagel)

Im milden Schein einer späten Herbstsonne wurden heute Nachmittag 44 Kerzen in Gedenken an all jene entzündet, die in den letzten 12 Monaten plötzlich und tragisch aus dem Leben gerissen wurden. Der Tod kann einen jeder Zeit ereilen, vor der Tür genauso wie in den eigenen vier Wänden.

Allein 21 Menschen kamen zwischen November 2013 und Oktober 2014 auf den Straßen der Landkreise Nordhausen, Kyffhäuser, Unstrut-Hainich und im Eichsfeld um. Überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol- und Drogeneinfluss aber auch das einfache missachten der Vorfahrtsregeln setzten dem Leben dieser Menschen ein abprubtes Ende.

Die Zahlen hinter den Tragödien trug Hauptkomissar Jochen Seliger vor, Leiter der Notfallseelsorge. Die Aufgabe Seligers und seines Teams ist es, schlechte Nachrichten zu überbringen. Er erkennt an diesem Nachmittag nicht nur die Gesichter seiner Kollegen, sondern auch die einiger Menschen, die im letzten Jahr jemanden verloren haben.
Zu 6820 Einsätze im Straßenverkehr musste die Polizei in den vier Landkreisen ausrücken. Neben den Toten gab es 1098 Verletzte. Ein leichter Rückgang im Vergleich zu Vorjahr, berichtet Seliger. Denjenigen, die heute zum Trauern gekommen sind ist es wenn überhaupt nur ein kleiner Trost, da weiß auch Seliger. Heute wolle man inne halten und Gedenken.

Die ehrenamtlichen Notfallseelsorger sind Menschen in den ersten Stunden größter Not Hilfe und Stütze (Foto: Angelo Glashagel) Die ehrenamtlichen Notfallseelsorger sind Menschen in den ersten Stunden größter Not Hilfe und Stütze (Foto: Angelo Glashagel) Für Angehörige, Verwandte und Freunde sind solche Unglücksfälle schwer zu verarbeiten, denn es liegt in der Natur dieser Tragödien, das meist keine Zeit bleibt, um Abschied zu nehmen. Damit sie nicht alleine stehen in der Stunde größter Not und Trauer, gibt es seit 1997 auch in Nordthüringen ein Kriseninterventionsteam. Sie dienen den Menschen in den ersten Stunden als Stütze und Hilfe wenn kIar ist, dass die Rettungskräfte nichts mehr tun können. Im ganzen Freistaat sind 22 dieser Gruppen aktiv. Rund 400 Mal im Jahr kommen sie zum Einsatz.

"Psychologische Reflexion, Grundlagen der Traumatherapie, parktische Übungen, das Verhalten an der Unfallstelle - all das eignen sich die Ehrenamtliche Kräfte in ihrer Freizeit an um Menschen in Not zur Seite stehen zu können. Sie machen eine ganz, ganz wichtige Arbeit", sagte Landespolizeipfarrer Michael Zippel, der heute in der Kapelle zu den Angehörigen und den Rettungskräften sprach.

Landespolizeipfarrer Michael Zippel sprach zu Anghörigen und Rettungskräften (Foto: Angelo Glashagel) Landespolizeipfarrer Michael Zippel sprach zu Anghörigen und Rettungskräften (Foto: Angelo Glashagel)

Seit bald 15 Jahren findet die Andacht immer vor dem Totensonntag statt. Neben Verwandten und Freunden der Verstorbenen waren auch Kräfte von Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorge gekommen. "Wir wollen gemeinsam miteinander schweigen, weinen und in Trauer zusammenstehen. Leid und Tod lassen sich nicht überwinden. Aber gemeinsam können wir wieder Wege finden, die ins Leben führen. Ich wünsche Ihnen neue Wege und Ruhe im Herzen", so Pfarrer Zippel.
Angelo Glashagel
Autor: red

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