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Lichtblick: Mein persönlicher Adventskalender

Freitag, 05. Dezember 2014, 07:00 Uhr
„Lasst uns froh und munter sein und uns recht von Herzen freun…“ Alle Jahre wieder ertönen diese Klänge im Advent rund um den Nikolaustag, den 6. Dezember. Alle Jahre wieder fallen wir Erwachsene zurück in eine Zeit, in der man selbst noch Kind sein durfte...


Kind seiner Eltern. Kind seiner Zeit. Mit seinem ganz eigenen Erleben der Advents- und Weihnachtszeit. Alle Jahre wieder wünschen sich Erwachsene in eine Art Zauber zu verfallen – einen Zauber der Harmonie und des friedlichen Miteinanders, einen Zauber, der selbst den Konsum ankurbelt.

Durch Düfte in den Lüften, Musik im Ohr und Geschmackserlebnisse, die nur in der Adventszeit und Weihnachtszeit uns in einer Fülle einnehmen, gramen wir uns die Erinnerungen wieder hervor. Den eigenen Kindern den Zauber dieser Zeit erlauben und mit ihnen erleben, damit man selbst wieder Kind sein darf – alle Jahre wieder erleben wir Erwachsene das. Eine gewisse Zeit lang erlauben wir uns ein Gefühl hochleben zu lassen, das ein ganzes Jahr lang nachklingen soll: Das Gefühl wirklich als man selbst leben zu dürfen. Leben im Hier und Jetzt. Geliebt, geachtet und geschätzt als ein Teil von Familie und des Freundeskreises.

Das Leben im Jetzt und Hier des Kindes in mir. Wie war es als ich das erste Mal in meinem Leben eine Kerze selbst anzünden durfte? Als ich zum ersten Mal einen Weihnachtsbaum sah und zum ersten Mal den Geschmack von Lebkuchen auf meiner Zunge hatte? Wie war es als ich mein erstes Adventslied singen konnte und ein Gedicht aufsagte, damals? Und was ist seither geschehen – wie habe ich mich verändert? Was ist aus mir geworden? Wer bin ich heute? Ich im Hier und Jetzt 2014 inmitten von Adventsdüften und schönem Schmuck; wer bin ich so kurz vor dem 24. Dezember?

Eine Frage die jeder für sich selbst beantworten kann. Eine Frage, die das Christuskind, das ich am Heiligen Abend bestaunen werde schon längst beantworten kann. Und das Erstaunliche ist: dieses unscheinbare Wesen, dieser unscheinbare Gott nimmt nicht nur das Kind in mir an so, wie es ist. Es nimmt auch all das an und auf, was aus mir geworden ist. Zu diesem gewordenen Kind – zu mir also kommt dieses Christuskind. Und meine Aufgabe ist es ihm Tag für Tag die Tür zu öffnen.

Das also ist aus mir geworden: es muss nicht mehr Schokolade in meinem Adventskalender hinter dem Türchen auf mich warten – es darf ruhig das Christuskind sein, das für mich selbst kommt. Und wenn ich diese Herzenstür genauso aufgeregt öffnen kann wie einst die Tür des Schokoladenkalenders, dann kann das zu einem Erlebnis führen, das nicht nur ein ganzes Jahr nachhaltig wirkt, sondern ein ganzes Leben lang. Dann wird ein jeder Tag zum ganz persönlichen Adventskalender – zum Kalender des „ad ventus“ (lateinisch), der Ankunft meines Herrn in meinem Alltag; alle Tage wieder. Dann brauche ich keinen Zauber mehr und muss mich nicht mehr selbst ermutigen mit Liedtexten wie „Lasst uns froh und munter sein…“.

Dann kann ich ermutigt mit dem Gefühl des bedingungslosen Geliebt- und Angenommen seins durch meine Zeit gehen und mich von Herzen freun.
Pfarrerin Esther M. Fauß
Autor: red

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