kyffhaeuser-nachrichten.de

kn-Forum: Der Schiefe Turm birgt große Risiken

Mittwoch, 17. Dezember 2014, 09:55 Uhr
Am Montag stand der Schiefe Turm auf der Kippe. Zu dem was da am Montag in Bad Frankenhausen lief gibt es einen Lesrerbrief von Steffen Kobrow...

In der dringlich einberufenen Stadtratssitzung ging es sehr emotional zu. Der Schiefe Turm war, ist und wird auch in Zukunft ein großes Thema in der Stadt bleiben. Ärgerlich ist, dass die objektiven Argumente der Kritiker mit teils sehr subjektiven Argumenten der Unterstützer im Stadtrat gekontert wurden. Wenn man nämlich Pro und Contra gegenüber stellt, kann man nur zu der Erkenntnis gelangen, dass ein Erhalt der Oberkirche sicher schön wäre, aber unterm Strich in der jetzigen Situation der Stadt einfach nicht tragfähig ist.

Die Stadt Bad Frankenhausen hat bisher immer Projekte in Angriff genommen, bei denen man zumindest eine 90%-ige Förderung erhalten hat. Diesen Weg verlässt man nun – warum? Weil man einfach nicht über seinen Schatten springen kann und eigene Interessen über die der Frankenhäuser Bevölkerung stellt. Ich möchte garnicht zu sehr in die politische Ecke abrutschen, aber als der damalige Bauminister Carius sagte, er wird dem Bürgermeister kein persönliches Denkmal finanzieren, scheint er nicht falsch gelegen zu haben.

Man bekommt schon ein Gefühl von Fremdscham, wenn man sich überlegt mit welchem Aufriss am 19.11.2014 die Pressekonferenz in der Residenz zelebriert wurde. Bundestagsabgeordneter Lemme, Landrätin Hochwind, Bürgermeister, MDR, Thüringer Allgemeine, kn und und und! Alle sollten dieser Pressekonferenz beiwohnen, weil es Großes zu verkünden gab. Am nächsten Tag dann in der Presse und im Fernsehen überall die Überschrift: Der Schiefe Turm ist gerettet!

Und nun, 3 Wochen später, bekommen die Stadtratsmitglieder kleinlaut eine Einladung zu einer außerordentlichen Stadtratssitzung um über eine Erhöhung der Eigenmittel abzustimmen. Und warum? Weil der Bürgermeister in aller Hektik auf dem Fördermittelantrag ein entscheidendes Kreuz gesetzt hat ohne sich bei der Kommunalaufsicht rückzuversichern. Der Antrag wurde am 11.09.2014 gestellt und man hat es bis zum 19.11.2014 nicht hinbekommen mit der Kommunalaufsicht zu reden. Erst als die Anfrage aus Berlin vom Bundesministerium kam, musste wieder mal alles ganz schnell gehen. Dumm nur, dass die Kommunalaufsicht den Fall anders eingeschätzt hat als die Stadt Bad Frankenhausen. Ergebnis: Wir brauchen 250.000 € mehr als geplant. Wie peinlich ist das denn? Worte der Entschuldigung? Von wegen – die Kommunalaufsicht ist schuld! Natürlich, immer ist wer anders schuld. Diesen Zahn zog dem Bürgermeister Frau Zeidler von „Die Linke“ gleich zu Beginn der Sitzung am Montag in einer sehr eindrucksvollen und persönlichen Rede an den Stadtrat und den Bürgermeister.

In der Debatte gab es viele Argumente gegen den Erhalt.

Bis heute gibt es kein tragfähiges Nutzungskonzept für den Schiefen Turm. Das dem Stadtrat vorliegende Konzept umfasst 7 Seiten. Von diesen 7 Seiten setzt sich ca. eine Seite mit der tatsächlichen Nutzung auseinander. Der Rest ist gefüllt mit Bildern, Fakten zur Geschichte des Turms, den Rettungsbemühungen und Vergleichen mit Pisa. Und was steht da als Nutzungsmöglichkeit? Einzig und allein eine Veranstaltungsstätte mit möglichen 500 Besuchern am Kirchturm bei z.B. Konzerten. Da werden sich die Anwohner sicher freuen. Allein ich weiß aus persönlichen Gesprächen, dass sich das 2 Anwohner nicht gefallen lassen werden – der Gang zum Anwalt ist vorbereitet. Abgesehen davon gibt es am Turm keinen Anschluss für Zuwasser, Abwasser. Es gibt keinen festen Stromanschluss, keine Sanitäranlagen, keine ausreichende Zuwegung und auch keinen großen Parkplatz. Ein Konzept sieht anders aus!

Am eindringlichsten sollte aber bedacht werden, dass mit der weiteren Belastung des Untergrundes durch die Kirche und den Rettungsring von ca. 2500 Tonnen, auch eine viel größere Gefahr besteht, als die Aufbringung der 250.000 € Mehrkosten. Was passiert wenn durch die Belastung des Bodens der Untergrund samt Kirche einstürzt? Der Bürgermeister und sein Stellvertreter Dr. Räuber legten hier dar, dass die Experten des Projektes in der Haftung stehen und notfalls für ein Versagen in das Gefängnis müssen. Was nützt es dem Soleheilbad Bad Frankenhausen wenn nach einem Einsturz des Geländes die Solequelle zerstört wird, die Verantwortlichen aber im Gefängnis sitzen. Dafür können wir uns nichts, aber auch garnichts kaufen. Im Gegenteil – dann gibt es keine Kurstadt mehr!
Ich könnte hier noch einige weitere Argumente gegen den Erhalt bringen wie z.B., dass wir mit dem vorhandenen Beschluss zwar die Oberkirche erst einmal sichern, wir aber in Zukunft überhaupt keinen finanziellen Spielraum für weitere Investitionen an der Schiefen Kirche haben, aber das sind sicher die eindeutigsten Beweggründe der 8 Stadträte, die gegen den Beschluss gestimmt haben.

Gegenargumente aus den Reihen der SPD?

Es gibt ein Nutzungskonzept – ja genau und was für Eines.

Wenn der Schiefe Turm nicht mehr steht, dann kommt gar keiner mehr nach Bad Frankenhausen – natürlich, wir haben nur den Turm! Kur, Panorama, Kyffhäuser, Therme, Bundeswehr usw. sind anscheinend nicht beachtenswert. Interessante Sichtweise.

Es gibt große Touristenströme, der Turm ist gar ein Tourismusmagnet – da hört man von Anwohnern der Oberkirchgasse teils ganz andere Aussagen. Sicher schauen sich Touristen, die in der Stadt sind die Oberkirche an. Das ist unbestritten. Aber liebe Leute, die beiden Australier die immer wieder als Argument angeführt werden, kamen nicht wegen der Schiefen Kirche nach Europa.

Der Schiefe Turm ist ein besonderes Baudenkmal. Das hat das Bundesministerium mit dem Fördermittelbescheid zum Ausdruck gebracht. In der Jury haben ausgewählte Leute darüber befunden – theoretisch sicherlich, dann ist es sicher nur ein Zufall, dass Herr Bundestagsabgeordneter Lemme stellvertretenes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und auch Berichterstatter dieses Ministeriums ist. Also genau des SPD-geführten Ministeriums, dass die Fördermittel an die SPD-geführte Stadt Bad Frankenhausen vergeben hat.
Kleiner Tipp: In politischen Kreisen nennt man das auch einfach „Lobbyismus“!

Am Ende sei erwähnt, dass ich für mich und wohl auch der Rest, nicht gegen den Schiefen Turm, sondern für eine sichere und zukunftsorientierte Entwicklung meiner/unserer Heimatstadt gestimmt haben und das sollten alle Befürworter der Kirchturmrettung so zur Kenntnis nehmen.

Der Schiefe Turm findet nämlich mittlerweile keine breite Zustimmung mehr in der Bevölkerung, wenn man sich mit den Leuten in der Region unterhält oder die Reaktionen bei kn oder bei der Thüringer Allgemeinen liest. Die Stadträte sind dafür gewählt, die Interessen der Bürger zu vertreten. Da sollte man mal drüber nachdenken!

Steffen Kobrow
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de