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Lichtblick: Die Tür ist offen

Samstag, 03. Januar 2015, 08:20 Uhr
Der Jahreswechsel liegt zwei Tage hinter uns und für so manchen ist schon wieder „alles beim Alten“. Mit einer Tür vergleiche ich den Jahreswechsel gern, denn am Silvesterabend tritt man gewissermaßen durch die Tür in ein neues Jahr. Es ist wie ein Herunterdrücken der Türklinke. Man weiß nicht so genau, was man erwartet. Man kennt zwar den Raum, aber man weiß nicht genau, was sich dort verbirgt...


Natürlich weiß man bei einigen Dingen sehr genau, dass die im neuen Jahr zu erwarten sind. Man kennt viele Termine und weiß um Veränderungen. Jedoch ist das Meiste unklar. Werden es mehr gute oder schwere Aufgaben und Erfahrungen sein, die auf uns zukommen. Wird es mehr Freud oder mehr Leid sein? Wir erwarten meist eine gute Mischung aus beidem und hoffen, dass die freudigen Dinge überwiegen.

Mit Blick auf das neue Jahr und die Dinge, von denen ich für mich schon weiß oder sie erahne, erinnert mich der Jahreswechsel an Josua. Er ist ein Vertrauter des Mose, hat mit ihm schon die Flucht und die Wanderung durch die Wüste erlebt. Er hat da schon viele Höhen und Tiefen durchlebt.

Bei vielen verschiedenen Begebenheiten hatte er die Möglichkeit, sich als Freund, Berater, Gefährte oder Kundschafter auszuzeichnen. Dann sind sie kurz vor dem Ziel, kurz vor dem versprochenen Land, und Mose stirbt. Er übergibt die Verantwortung an Josua, der unversehens die Last der Verantwortung spürt. Vor ihm liegt das Ziel, Kanaan. Vor ihm liegt aber auch der Weg durch den Jordan. Das wird kein Spaziergang und auf der anderen Seite wartet auch die Gefahr, nicht gern gesehen zu sein. Dort lauert die Gefahr, dass man vertrieben wird.

Josua wird leicht flau im Magen. Er zaudert, zögert, überlegt sich eine Strategie, sucht nach dem besten Weg. Er weiß, wenn er den Jordan überquert, gibt es kein Zurück. Wenn diese „Tür“ aufgemacht ist, muss er durch gehen. Er kann sie nicht einfach wieder schließen und so tun als wüsste er von nichts. Den begonnenen Weg und den ersten Schritt ins Neue kann er nicht einfach ungeschehen machen. Genau in dieser Situation hört Josua: „Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen, noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt.“ (Josua 1,5+6) Josua fasst Mut, traut sich und meistert die Hindernisse und führt das Volk ins versprochene Land, in die neue Heimat.Mit Blick auf das neue Jahr und all seine Aufgaben und Herausforderungen geht es mir ähnlich wie Josua. Welches wird der beste Weg sein, um alles zu meistern? Was erwartet mich wirklich in diesem Jahr? Welche Unwegsamkeiten und Hindernisse muss ich überwinden? So öffne ich diese Tür im Stile Josuas: etwas zögernd, vorsichtig, unsicher, zweifelnd und lasse mir gesagt sein: „Wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt.“

Für mich ist das ermutigend und entlastend zu hören. Ich muss nicht bei allen Problemen nur auf meine eigenen Stärken und Fähigkeiten zählen. Ich muss mich nicht ständig fragen: „Reicht meine Kraft?“. Vielmehr kann ich loslaufen in das vor mir liegende Jahr, mir die Jahreslosung durch den Sinn gehen lassen, die davon spricht, dass ich bereits angenommen bin und daher andere annehmen kann. Das bedeutet aber auch, dass ich nicht alleine unterwegs sein werde, dass ich Begleiter und Helfer auf dem Weg finden werde.

Oder wie Martin Luther es treffend beschreibt. Der Glaube ist kein unnützes, faules, totes Ding, das im Herzen verborgen liegt, wie eine tote Fliege zur Winterzeit in einer Ritze steckt, sondern der Glaube ist ein gewisses Vertrauen und eine starke, fest Zuversicht des Herzens. Wir können folglich mit viel Zuversicht im Gepäck möglichst gelassen in das neue Jahr gehen und uns der Begleitung Gottes gewiss sein, der uns an den Klippen und Steigungen helfend zur Seite stehen wird und uns im Zweifel auch tragen wird.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen ein gesegnetes neues Jahr.
Pastorin Steffi Wiegleb

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Autor: red

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