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Viel Verpackung, wenig Inhalt

Donnerstag, 08. Januar 2015, 10:47 Uhr
Verpackungen sind, gerade bei Lebensmitteln, durchaus sinnvoll. Heutzutage würden Hersteller häufig über dieses Ziel hinausschießen, mahnt die Verbraucherzentrale Thüringen. Problematisch sei vor allem, das über die gesundheitlichen Risiken nur wenig bekannt sei...

Eine stattliche Summe von ca. 350,- Euro gibt jeder Bundesbürger im Jahr für Verpackungen aus, so die Statistik. Fast die Hälfte davon, verursacht die Ernährungsbranche. Verpackungen schützen Lebensmittel, aber sie belasten gleichzeitig die Umwelt und geben in kleinen Mengen eine Vielzahl von Stoffen an das Lebensmittel ab.

Diese Rückstände aus Verpackungen werden zwar rechtlich reguliert, aber bei den gesundheitlichen Risiken vieler Inhaltsstoffe sind selbst Experten häufig ratlos. Die Verbraucherzentralen fordern daher mehr Forschung, Kontrolle und Transparenz hinsichtlich der eingesetzten Materialien und deren Sicherheit. Gleichzeitig sollen Verbraucherinnen und Verbraucher mehr Informationen zur sicheren Handhabung bekommen.

„Das neue Jahr ist Anlass, mit guten Vorsätzen zu beginnen. Wer möglichst viel Unverpacktes einkauft, hilft der Umwelt und sich selbst,“ meint Petra Müller, Lebensmittelexpertin der Verbraucherzentrale Thüringen.

Der Einsatz von Verpackungen ist in vielen Fällen sinnvoll und kann dazu beitragen, dass Lebensmittel länger halten und damit weniger im Müll landet.

Der Verpackungsaufwand heutzutage geht jedoch oft weit über dieses Ziel hinaus. „Viel Verpackung trifft auf wenig Inhalt“, fasst Müller zusammen. So liegen beispielsweise wenige hauchdünne Wurstscheiben aufgefächert in einer großen Plastikhülle oder einzeln verpackte Süßigkeiten nochmals in einem separaten Beutel. Die Verbraucherzentrale rät Verbraucherinnen und Verbrauchern, unnötig aufwendigen Verpackungen die Rote Karte zu zeigen.

Kritische Punkte im Umgang mit Verpackungen:
  • Immer mehr Lebensmittel werden zum direkten Erhitzen in der Verpackung angeboten. Wer darauf nicht verzichten mag, dem rät die Verbraucherzentrale, aus Sicherheitsgründen die Angaben auf den Verpackungen ernst zu nehmen und z.B. Temperatur bzw. empfohlene Wattzahl unbedingt zu beachten.
  • Zunehmend befinden sich aktive Elemente wie Absorber in Verpackungen oder Lebensmittel werden unter Schutzatmosphäre verpackt. Die Produkte sind auf diese Weise länger haltbar. Über die eingesetzten Materialien erfahren Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch nichts.
  • Tipps, die etwa in Internetforen von selbst ernannten Experten gegeben werden, können riskant sein. Eine Wiederverwendung von Kunststoffverpackungen, die z.B. nicht für heiße Lebensmittel geeignet sind, oder das Grillen von Hähnchen auf einer Bierdose, sind Beispiele dafür, wie solche „Tipps“ zu unnötigen Risiken führen.
  • Die Verbraucherzentralen wollten im Rahmen einer Befragung von Herstellern und Händlern mehr zur Sicherheit ihrer Verpackungen wissen. Das Ergebnis: nur wenige Firmen waren zu Auskünften bereit und stellten kaum aussagekräftige Dokumente zur Verfügung. Das deckt sich in Teilen auch mit den Erfahrungen der Überwachungsbehörden.
Verbraucherinnen und Verbraucher erwarten sichere Verpackungen. Hier ist die Politik in der Pflicht, Rahmenbedingungen für strenge Sicherheitsanforderungen zu schaffen und effektive Kontrollen von Verpackungen sicher zu stellen.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssen darüber hinaus für die Gefahren, die von einer unsachgemäßen Verwendung von Verpackung ausgehen, sensibilisiert werden. Die Verbraucherzentrale Thüringen informiert zum Thema Lebensmittelverpackungen, z.B. über ein Faltblatt und in Vorträgen. Das Informationsangebot wird laufend weiter ausgebaut.
Autor: red

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