kyffhaeuser-nachrichten.de

Warum brauchen Fische Treppen?

Samstag, 17. Januar 2015, 09:06 Uhr
Für Fische gehört die jährliche Wanderung zum Zyklus des Lebens. Auch der Mensch nutzt die Gewässer und stellt dem Zug der Fische immer wieder Hindernisse in den Weg. Die Lösung des Problems sind die Fischtreppen. Im Nationalpark Harz bringt man dem Ingenieursnachwuchs bei, wie man praktische Lösung für Mensch und Fisch findet...

So wie Autobahnen mit Fangzäunen den Wildwechsel für Rehe, Füchse und Hasen unmöglich machen, so können Querbauwerke in Flüssen und Bächen Fischen und aquatischem Kleingetier die nötigen Wanderungen buchstäblich ver„wehr“en. Wehre müssen gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie für Wanderungen von Fischen durchgängig gemacht werden, sonst droht ein Artensterben, weil die Wanderungen für viele Fische zum Lebenszyklus dazu gehören.

Der Nationalpark Harz mit Hauptsitz in Wernigerode versteht sich als Vorreiter ökologischen Denkens und Handelns. Was liegt da näher, als dort einen Workshop für Hildesheimer Bauingenieur-Studierende der HAWK (Hochschule für angewandte Kunst und Wissenschaft) mit Vertiefungsrichtung „Wasser und Verkehr“ durchzuführen und sich diesem Thema intensiv zu widmen?

Schon im laufenden Wintersemester legte Prof. Dr.-Ing. Axel Stödter Studierenden der Fakultät Bauen und Erhalten Grundlagen der Flussrenaturierung nahe. Die Fischaufstiegsanlagen, landläufig als Fischtreppen bekannt, schaffen diese Möglichkeit und tragen zum Erhalt der Artenvielfalt in den Gewässern bei.

Die Fischtreppe am Seigerhüttenweg (Foto: Prof. Axel Stödter) Die Fischtreppe am Seigerhüttenweg (Foto: Prof. Axel Stödter)

Studierende des Fachs Wasserwirtschaft und Wasserbau an der HAWK in Hildesheim begutachten eine Fischaufstiegsanlage in dem Flüsschen Holtemme in der Ortslage von Wernigerode. Nationalparkmitarbeiter Otfried Wüstemann (2. von rechts) erläutert Planung, Bau und Betrieb.

Professor und Studierende der HAWK fuhren für zwei Tage nach Wernigerode zur Nationalparkverwaltung Harz, um zunächst einen konsequenten, neuen Blick auf Ökosysteme und Umweltbelastungen zu erhalten, fachkundig vorgetragen von Dr. Friedhart Knolle, der dies mit konkreten Beispielen unterlegte. Nun folgte die Praxis: Die Hildesheimer erarbeiteten anschließend Lösungsvorschläge für Fischaufstiegen an Plänen, die ihnen für konkrete Stellen an den Gewässern der Region von Otfried Wüstemann, dem Fischsachverständigen des Fachbereichs Naturschutz beim Nationalpark Harz, bereitgestellt wurden. Wüstemann war es auch, der maßgeblich daran beteiligt war, dass nahezu 40 Fischtreppen in und um Wernigerode realisiert werden konnten, so dass er daraus geeignete Projekte für die Studierenden auswählen konnte.

Die Fischtreppe an der alten Schokoladenfabrik Friedel in Wernigerode (Foto: Prof. Axel Stödter) Die Fischtreppe an der alten Schokoladenfabrik Friedel in Wernigerode (Foto: Prof. Axel Stödter)

Von dem Wehr an einer ehemaligen Schokoladenfabrik im Wernigeröder Stadtteil Hasserode wurden den Studierenden Pläne vorgelegt, anhand derer sie selbst eine Fischaufstiegsanlage planen konnten. Erst auf der Exkursion danach sahen sie die realisierte Lösung und konnten sie mit der eigenen vergleichen.

Am Ende des Workshops stellten die Studierenden ihre Ergebnisse vor. Direkt danach schloss sich eine Exkursion an, die mehrere der Standorte in Augenschein nahm. Hier wurden die Studierenden erstmals mit den tatsächlich gebauten Lösungen der ihnen vorgelegten Standorte konfrontiert. Hier zeigte sich, dass die Studierenden aus der Vielzahl möglicher Lösungen oft diejenige favorisierten, die sie an den Gewässern auch vorfanden.

HAWK wie auch die Nationalparkverwaltung, deren wichtige Aufgabe neben der Fortentwicklung des Parks auch die Wissensvermittlung ist, werteten den Workshop als vollen Erfolg und wollen ihn bei sich bietender Gelegenheit wieder anbieten.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de