Lichtblicke: Gedanken zu Pegida
Freitag, 06. Februar 2015, 07:00 Uhr
Die Berichte gehen seit Wochen durch die Medien: Zeitungsartikel, Fernsehsendungen, Diskussionsrunden, selbst Gespräche unter Freunden, Kollegen oder in der Familie drehen sich um die sogenannten Bewegungen, welche zumeist unter islamfeindlichen Namen oft auch eine allgemeine Unzufriedenheit kundtun...
PEGIDA, MAGIDA, LEGIDA, KÖGIDA und viele andere mehr. Sie machen mir Angst...
Ich als Christ verurteilte zunächst diese Kundgebungen offensichtlicher Fremdenfeindlichkeit, denn das Gebot der Nächstenliebe bildet für mich den Rahmen meines Glaubens. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst., sprach der Herr zu Mose.
Mit der Zeit jedoch stellte ich fest, dass das Verurteilen allein zu einfach ist. Ich kann und möchte aber nicht glauben, dass all diese Menschen, die sich wöchentlich sammeln, gerade an in den Folgen des Hasses so symbolträchtigen Orten wie Hamburg oder Dresden, dumm sind. Oder bösartig. Oder sogar fremdenfeindlich. Ich denke, die meisten Menschen, welche an derartigen Kundgebungen teilnehmen, wollen auf krasse Art ihrer Unzufriedenheit mit der Gesellschaft Luft machen. Es sind Leute, die viel arbeiten, um von ihrem nach der Wende nicht leicht erworbenen Wohlstand nicht wieder zu verlieren.
Personen, deren Freundeskreis oder Familie auseinanderbrach, weil die Freunde oder Kinder viel zu weit weg von der Heimat eine Lehrstelle gefunden haben und die wahrscheinlich nicht wieder zurück kommen werden. Es sind Menschen, die sich über die Streichungen von Mitteln im Bildungs- und Kulturbereich ärgern und die sich über die Statistiken der dicksten Dienstwagen der Landräte aufregen. All diese Individuen eint das Gefühl von Machtlosigkeit diesen Vorgängen gegenüber. Dass aber Flüchtlinge gerade durch Todesgefahr, Macht- und Hoffnungslosigkeit erst zur Flucht gezwungen werden, scheinen nur wenige Demonstranten zu verstehen.
Natürlich sage ich nun: Aber dann müssen sie doch nicht zu solch einer Demonstration aufbrechen! Unter diesem Namen! Leider zählen unsere Mitbürger an dieser Stelle zusammen, was nicht zusammen gehört – Deutschland als Wohlstandsnation nimmt Flüchtlinge auf und dieser selbe Staat streicht gleichzeitig immer mehr sozial aus seinem Programm. Sie sind hochgradig unzufrieden, retten aber, aus ihrer Sicht, als Steuerzahler Banken, Griechenland und nun auch noch syrische Flüchtlinge!
Eigentlich ist das Phänomen PEGIDA einfach zu erklären: Die Politik hat versagt. Sie hat versäumt, den sozialen Gedanken weiterzutragen, fortzupflanzen, die Liebe zum Nächsten in urchristlicher Tradition zu fordern und zu fördern. Stattdessen ist offiziell das Wachstum, der DAX, der entscheidende Wert. Wenn sich aber nun der kleine Mann auch so verhält, also den eigenen Wohlstand als die wichtigste Größe sieht, fühlt er sich bedroht und ein Aufschrei geht durch die Republik.
Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. So berichtet das Matthäusevangelium aus der Bergpredigt von Jesus. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Unsere eigene Geschichte lehrt uns seit Jahrhunderten, wie wichtig es ist, Verfolgten und Flüchtlingen beizustehen, auch viele unserer Vorfahren waren einst Flüchtlinge, von Hugenotten bis zu den Flüchtlingen des zweiten Weltkriegs. Und sind nicht auch viele ehemalige Einwohner der neuen Bundesländer, die jetzt im goldenen Westen wohnen und arbeiten, im Grunde Wirtschaftsflüchtlinge?
Darum wünsche ich mir, dass zur nächsten Wahl auch Jeder sein bequemes Sofa verlässt und sein Kreuzchen macht, damit er sich so, wie in einer Demokratie vorgesehen, an der Politik beteiligt. Und Jeder soll Freude und Gutes schenken, egal, ob Christen, Atheisten, Moslems, Juden und Andersgläubigen. Geteiltes Leid ist halbes Leid – geteilte Freude ist doppelte Freude!
Gerold Peetz, Gemeindepädagoge, Wolferstedt
Autor: redPEGIDA, MAGIDA, LEGIDA, KÖGIDA und viele andere mehr. Sie machen mir Angst...
Ich als Christ verurteilte zunächst diese Kundgebungen offensichtlicher Fremdenfeindlichkeit, denn das Gebot der Nächstenliebe bildet für mich den Rahmen meines Glaubens. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst., sprach der Herr zu Mose.
Mit der Zeit jedoch stellte ich fest, dass das Verurteilen allein zu einfach ist. Ich kann und möchte aber nicht glauben, dass all diese Menschen, die sich wöchentlich sammeln, gerade an in den Folgen des Hasses so symbolträchtigen Orten wie Hamburg oder Dresden, dumm sind. Oder bösartig. Oder sogar fremdenfeindlich. Ich denke, die meisten Menschen, welche an derartigen Kundgebungen teilnehmen, wollen auf krasse Art ihrer Unzufriedenheit mit der Gesellschaft Luft machen. Es sind Leute, die viel arbeiten, um von ihrem nach der Wende nicht leicht erworbenen Wohlstand nicht wieder zu verlieren.
Personen, deren Freundeskreis oder Familie auseinanderbrach, weil die Freunde oder Kinder viel zu weit weg von der Heimat eine Lehrstelle gefunden haben und die wahrscheinlich nicht wieder zurück kommen werden. Es sind Menschen, die sich über die Streichungen von Mitteln im Bildungs- und Kulturbereich ärgern und die sich über die Statistiken der dicksten Dienstwagen der Landräte aufregen. All diese Individuen eint das Gefühl von Machtlosigkeit diesen Vorgängen gegenüber. Dass aber Flüchtlinge gerade durch Todesgefahr, Macht- und Hoffnungslosigkeit erst zur Flucht gezwungen werden, scheinen nur wenige Demonstranten zu verstehen.
Natürlich sage ich nun: Aber dann müssen sie doch nicht zu solch einer Demonstration aufbrechen! Unter diesem Namen! Leider zählen unsere Mitbürger an dieser Stelle zusammen, was nicht zusammen gehört – Deutschland als Wohlstandsnation nimmt Flüchtlinge auf und dieser selbe Staat streicht gleichzeitig immer mehr sozial aus seinem Programm. Sie sind hochgradig unzufrieden, retten aber, aus ihrer Sicht, als Steuerzahler Banken, Griechenland und nun auch noch syrische Flüchtlinge!
Eigentlich ist das Phänomen PEGIDA einfach zu erklären: Die Politik hat versagt. Sie hat versäumt, den sozialen Gedanken weiterzutragen, fortzupflanzen, die Liebe zum Nächsten in urchristlicher Tradition zu fordern und zu fördern. Stattdessen ist offiziell das Wachstum, der DAX, der entscheidende Wert. Wenn sich aber nun der kleine Mann auch so verhält, also den eigenen Wohlstand als die wichtigste Größe sieht, fühlt er sich bedroht und ein Aufschrei geht durch die Republik.
Gib dem, der dich bittet, und wende dich nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will. So berichtet das Matthäusevangelium aus der Bergpredigt von Jesus. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Unsere eigene Geschichte lehrt uns seit Jahrhunderten, wie wichtig es ist, Verfolgten und Flüchtlingen beizustehen, auch viele unserer Vorfahren waren einst Flüchtlinge, von Hugenotten bis zu den Flüchtlingen des zweiten Weltkriegs. Und sind nicht auch viele ehemalige Einwohner der neuen Bundesländer, die jetzt im goldenen Westen wohnen und arbeiten, im Grunde Wirtschaftsflüchtlinge?
Darum wünsche ich mir, dass zur nächsten Wahl auch Jeder sein bequemes Sofa verlässt und sein Kreuzchen macht, damit er sich so, wie in einer Demokratie vorgesehen, an der Politik beteiligt. Und Jeder soll Freude und Gutes schenken, egal, ob Christen, Atheisten, Moslems, Juden und Andersgläubigen. Geteiltes Leid ist halbes Leid – geteilte Freude ist doppelte Freude!
Gerold Peetz, Gemeindepädagoge, Wolferstedt
