Unsicherheit bremst Investitionen
Freitag, 06. Februar 2015, 10:10 Uhr
Zu Jahresbeginn liegen Licht und Schatten für die regionale Wirtschaft dicht beieinander. Aktuell gehen die Geschäfte gut, die Auftragslage ist stabil und der Jobmotor läuft rund. Der Blick auf die kommenden Monate fällt jedoch skeptischer aus...
Grafik (Foto: IHK)
So sinkt der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation als auch die Erwartungen der Unternehmer für die nächsten Monate berücksichtigt, um sieben Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht nun 103 von 200 möglichen Prozentpunkten. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 800 Firmen in Nord- und Mittelthüringen.
Die Grundstimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut. Ein billiger Euro und der niedrige Ölpreis wirken auch in der regionalen Wirtschaft wie ein kleines Konjunkturpaket, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die vorliegenden Daten. Branchenübergreifend würden 84 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation positiv einschätzen. Die Mehrzahl der Betriebe könne ausgelastete Kapazitäten vorweisen. Inzwischen hätten 81 Prozent der Firmen die Gewinnzone erreicht oder arbeiteten zumindest kostendeckend.
Angespannte Finanzmärkte, geopolitische Sorgen, schwächelnde Handelspartner in der EU sowie die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung lassen aber die Vorsicht bei den Managern weiter wachsen, gibt Grusser zu bedenken. So rechneten 24 Prozent der Firmenchefs für die nächsten Monate mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Im Herbst 2014 waren dies nur 18 Prozent.
Keine guten Vorzeichen für eine Verbesserung des Investitionsklimas, schätzt Grusser ein. Ungeachtet der günstigen Finanzierungsbedingungen würden die Unternehmer kaum in neue Maschinen und Anlagen investieren. Die Politik solle daher ihre Priorität auf die Stärkung des Standortes setzen und den Betrieben keine weiteren Belastungen mehr zumuten.
Dauerhaftes Wirtschaftswachstum ist kein Selbstläufer. Wir brauchen jetzt einen Kurswechsel in Richtung Wachstum und Arbeitsplätze, anstelle immer neuer Regulierungen, wie erst jüngst bei Zeitarbeit und Werkverträgen geplant, fordert der IHK-Chef. Es addiere sich der Effekt hausgemachter Belastungen für die Unternehmen ins Unzumutbare: Ausufernde Bürokratie beim Mindestlohn, der Verlust von Fachkräften durch die Rente mit 63, Frauenquote, Unklarheiten bei der Energiepolitik oder auch fehlende Konzepte zur Verbesserung des Steuersystems tragen nicht dazu bei, die Stimmung in der Wirtschaft aufzuhellen.
Erfreulicherweise werde aber der Arbeitsmarkt von den bestehenden Risiken derzeit kaum tangiert. Die Beschäftigungspläne der Firmen ließen auf eine Fortsetzung des bislang positiven Trends hoffen. Immerhin 81 Prozent der Befragten wollten ihre Mitarbeiterzahl beibehalten oder sogar zusätzliche Jobs schaffen.
Saisonal bedingt fallen im Baugewerbe die Urteile gegenüber dem Herbst 2014 pessimistischer aus. So schätzen 42 Prozent der Unternehmer ihre aktuelle Geschäftslage mit schlecht ein und berichten über sinkende Erträge sowie weniger Aufträge. Hoffnungen setzen die Firmenchefs in die nächsten Monate. Die nach wie vor niedrigen Zinsen dürften die Haushalte veranlassen, ihre Ersparnisse in Wohneigentum anzulegen. Unter den befragten Baubetrieben rechnen 17 Prozent mit einer Verbesserung ihrer
Die Branchensituation im Einzelhandel bleibt angespannt. Trotz der anhaltend günstigen Rahmenbedingungen für die Verbraucher klagt jeder dritte Händler über einen schlechten Geschäftsverlauf und zurückgehende Erträge. Auch die Erwartungen und Pläne sind von Unsicherheit und Vorsicht geprägt. Noch sind die Auswirkungen des Mindestlohns nicht abschätzbar. Mehrkosten werden größtenteils auf die Kunden umgelegt. So planen 53 Prozent der Befragten ein Anziehen der Preise.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Unter dem Strich befindet sich die Thüringer Wirtschaft noch in einer guten Form. Ein Selbstläufer ist die Konjunktur deshalb aber nicht. Vorerst bleibt die Wegstrecke holprig. Zu groß sind momentan die konjunkturellen Unwägbarkeiten, zu unsicher die künftigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Oder anders formuliert: Das schlingernde Schiff braucht wieder einen klaren Kurs.
Autor: red
Grafik (Foto: IHK)
So sinkt der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation als auch die Erwartungen der Unternehmer für die nächsten Monate berücksichtigt, um sieben Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht nun 103 von 200 möglichen Prozentpunkten. Dies ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 800 Firmen in Nord- und Mittelthüringen.
Die Grundstimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut. Ein billiger Euro und der niedrige Ölpreis wirken auch in der regionalen Wirtschaft wie ein kleines Konjunkturpaket, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die vorliegenden Daten. Branchenübergreifend würden 84 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation positiv einschätzen. Die Mehrzahl der Betriebe könne ausgelastete Kapazitäten vorweisen. Inzwischen hätten 81 Prozent der Firmen die Gewinnzone erreicht oder arbeiteten zumindest kostendeckend.
Angespannte Finanzmärkte, geopolitische Sorgen, schwächelnde Handelspartner in der EU sowie die jüngsten wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Bundesregierung lassen aber die Vorsicht bei den Managern weiter wachsen, gibt Grusser zu bedenken. So rechneten 24 Prozent der Firmenchefs für die nächsten Monate mit einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Im Herbst 2014 waren dies nur 18 Prozent.
Keine guten Vorzeichen für eine Verbesserung des Investitionsklimas, schätzt Grusser ein. Ungeachtet der günstigen Finanzierungsbedingungen würden die Unternehmer kaum in neue Maschinen und Anlagen investieren. Die Politik solle daher ihre Priorität auf die Stärkung des Standortes setzen und den Betrieben keine weiteren Belastungen mehr zumuten.
Dauerhaftes Wirtschaftswachstum ist kein Selbstläufer. Wir brauchen jetzt einen Kurswechsel in Richtung Wachstum und Arbeitsplätze, anstelle immer neuer Regulierungen, wie erst jüngst bei Zeitarbeit und Werkverträgen geplant, fordert der IHK-Chef. Es addiere sich der Effekt hausgemachter Belastungen für die Unternehmen ins Unzumutbare: Ausufernde Bürokratie beim Mindestlohn, der Verlust von Fachkräften durch die Rente mit 63, Frauenquote, Unklarheiten bei der Energiepolitik oder auch fehlende Konzepte zur Verbesserung des Steuersystems tragen nicht dazu bei, die Stimmung in der Wirtschaft aufzuhellen.
Erfreulicherweise werde aber der Arbeitsmarkt von den bestehenden Risiken derzeit kaum tangiert. Die Beschäftigungspläne der Firmen ließen auf eine Fortsetzung des bislang positiven Trends hoffen. Immerhin 81 Prozent der Befragten wollten ihre Mitarbeiterzahl beibehalten oder sogar zusätzliche Jobs schaffen.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
Wieder einmal erweist sich die Industrie trotz des anhaltenden Störfeuers als wichtige konjunkturelle Stütze. Immerhin läuft der Konjunkturmotor in jedem dritten Betrieb rund; zwei von drei Unternehmen lasten die Kapazitäten zu mehr als 80 Prozent aus. Allerdings wird auch im Verarbeitenden Gewerbe für viele Firmen die Luft dünner. Rund ein Viertel der Befragten berichtet von einer Verschlechterung der Ertragslage. 13 Prozent schreiben bereits rote Zahlen. Entsprechend zurückhaltend sind die Prognosen für die kommenden Monate: nur 9 Prozent rechnen mit einem günstigeren Geschäftsverlauf. Mehr als doppelt so viele – 22 Prozent – erwarten eine Verschlechterung ihrer Situation.Saisonal bedingt fallen im Baugewerbe die Urteile gegenüber dem Herbst 2014 pessimistischer aus. So schätzen 42 Prozent der Unternehmer ihre aktuelle Geschäftslage mit schlecht ein und berichten über sinkende Erträge sowie weniger Aufträge. Hoffnungen setzen die Firmenchefs in die nächsten Monate. Die nach wie vor niedrigen Zinsen dürften die Haushalte veranlassen, ihre Ersparnisse in Wohneigentum anzulegen. Unter den befragten Baubetrieben rechnen 17 Prozent mit einer Verbesserung ihrer
Die Branchensituation im Einzelhandel bleibt angespannt. Trotz der anhaltend günstigen Rahmenbedingungen für die Verbraucher klagt jeder dritte Händler über einen schlechten Geschäftsverlauf und zurückgehende Erträge. Auch die Erwartungen und Pläne sind von Unsicherheit und Vorsicht geprägt. Noch sind die Auswirkungen des Mindestlohns nicht abschätzbar. Mehrkosten werden größtenteils auf die Kunden umgelegt. So planen 53 Prozent der Befragten ein Anziehen der Preise.
Fazit des IHK-Hauptgeschäftsführers: Unter dem Strich befindet sich die Thüringer Wirtschaft noch in einer guten Form. Ein Selbstläufer ist die Konjunktur deshalb aber nicht. Vorerst bleibt die Wegstrecke holprig. Zu groß sind momentan die konjunkturellen Unwägbarkeiten, zu unsicher die künftigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Oder anders formuliert: Das schlingernde Schiff braucht wieder einen klaren Kurs.
