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Aus UK mit Folk, Blues & Jazz

Montag, 23. Februar 2015, 14:57 Uhr
Zum Konzert von ROOT SAP aus UK mit Folk, Blues & Jazz am 20.2. in der Eingangshalle des Panorama Museums Bad Frankenhausen eine Rezension von Fred Böhme...

Am vergangenen Freitagabend (20.2.) startete endlich wieder die Konzertsaison im Panorama Museum.

Aus UK mit Folk, Blues & Jazz (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum) Aus UK mit Folk, Blues & Jazz (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum)

Mit ROOT SAP aus Großbritannien – das ist das Geschwisterpaar Angelina und JC Grimshaw – war durch die Agentur traditioneller Folk-Blues der 20er und 30er Jahre bzw. Eigenkompositionen in dieser Stilistik angekündigt worden. Nur der Hinweis auf Angelinas Beschäftigung mit den klassischen Bluessängerinnen dieser Zeit ließ vermuten, dass das Duo stilistisch etwas breiter aufgestellt ist.

Tatsächlich zelebrierten sie mit großem Selbstverständnis, technischer Virtuosität und interessanten stimmlichen Gegensätzen einen spannenden Stilmix, der neben der ländlichen Blues-, Gospel- und Balladentradition, fingerflinke Saitenakrobatik in der Tradition Django Reinhardts aber auch englische und keltische Liedtraditionen organisch verarbeitete. Den Blues-Puristen hätte diese Melange irritieren müssen, das zahlreiche Publikum des Abends (mehr als 100 zahlende Gäste waren gekommen) war mehrheitlich eher fasziniert davon. Lediglich zwei Fremdkompositionen boten die beiden Musiker, nämlich John Hurts „C.C. Rider“ und Big Bill Broonzys „Trouble in Mind“.

Ansonsten spielten sie ausschließlich eigene Stücke. Gleich das Auftaktstück war ein virtuoses, rein instrumentales Sinti-Swing-Stück, eine Hommage auf den schon erwähnten Django Reinhardt. Angelina spielte auf ihrer akustischen Gitarre den stoischen, treibenden Rhythmus des Stückes, was für JC´s flinke, Finger brecherische Gitarreneskapaden den nötigen Groove und die melodische Basis lieferte. Zwischendurch holte JC seine Mundharmonika heraus und überzeugte auch darauf mit solidem Melodiespiel. Was für die beiden vielleicht als Warmspielübung gedacht war, entpuppte sich als ein kleines virtuoses Kabinettstückchen, eine musikalische Visitenkarte, die veranschaulichte, in welcher musikalischen Liga die beiden musizierten.

Dann folgten Referenzen an die klassischen Bluessängerinnen durch Angelina, die weniger durch Stimmgewalt als durch jazzinspirierten Wohlklang zu überzeugen wusste und dabei eher an Billy Hollyday oder Madeleine Peyroux als an Bessy Smith oder Ma Rainey erinnerte. Genauso waren auch die Gitarrensoli und die Begleitung der Stücke mehr jazzig-swingend als dem bluesigen Zwölftaktschema verpflichtet.

Aus UK mit Folk, Blues & Jazz (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum) Aus UK mit Folk, Blues & Jazz (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum)

Zwischen den Stücken erzählten sie kleinere Geschichten, die sie in ihren Liedern verarbeitet hatten, ob nun vom kleinen roten Gockel, der die Hühnerschar des Dorfes durcheinander brachte und für ein nachhaltiges Gesprächsthema sorgte oder von dem Konzert in einer kleinen Kirche für „trockene“ Alkoholiker und von dem Edel-Brandy der im Apfelsaft endete.

Titel Nummer 4 “Blue Railroad Train” war dann eher gradlinig-treibender Blues oder Boogie, hier nun übernahm JC den Gesangspart mit seiner dunklen, etwas heiseren Gesangsstimme und auf eine solche Nummer schien das Publikum förmlich gewartet zu haben, denn rhythmisch wippende Füße und der laute Jubel am Ende des Stückes signalisierte auch den beiden Musikern auf der Bühne, jetzt beginnt die Party. Doch die beiden folgten unbeirrt ihrem dramaturgischen Konzept, dem geschickten Wechsel aus melancholischen leisen Liedern, tranceartigen Gospelnummern mit archaischer Gitarrenbegleitung und Stücken mit packendem Groove. Dabei wechselte JC immer wieder mal von der Gitarre zur Mundharmonika oder zur Mandoline und sorgte so für weitere Klangfarben.

Eine der schönsten Nummern des Abends war das kinderliedartige Stück für eine von Angelinas Freundinnen, die kürzlich geheiratet hatte „No is not a reason“. Hier zauberte JC mit dem Slide auf seiner Gitarre und Angelina sang das Liedchen mit seiner kleinen unspektakulären Melodie.
Nach anhaltendem Beifall und zwei Zugaben der Musiker endete dieses überaus gelungene Konzert.
Fred Böhme

Fotos „Root Sap 2“; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Autor: khh

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