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„Gitarren Total“

Dienstag, 17. März 2015, 14:34 Uhr
Am 13. März fand in der Eingangshalle des Panorama Museums ein Konzert von Martin C. Herberg statt . Dazu ein Rezension von Fred Böhme


„Gitarren Total“ zwischen lautmalenden Klängen bis hin zu „Paint It Black“

Mit Martin C. Herberg saß am vergangenen Freitagabend (13.03.) ein alter Bekannter auf der kleinen Bühne im Eingangsfoyer des Panorama Museums. Zum dritten und vermutlich letztem Mal gestaltete er hier einen Abend mit unkonventioneller Gitarrenmusik, denn nach vierzig Jahren mit vielen Konzerten auf den Bühnen der Welt möchte er sich zur Ruhe setzen. Dazu waren mehr als 70 Gäste zu diesem somit überraschend gut besuchten Konzertabend gekommen, denn es war schließlich recht artifizielle Gitarrenmusik und kein Party-Abend angekündigt gewesen.

„Gitarren Total“ (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum) „Gitarren Total“ (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum)

Seinem Programmtitel wurde er mit gleich drei verschiedene Gitarren auf der Bühne gerecht, wobei zwei schon deutliche Spuren ihrer Nutzung aufwiesen, doch durch Schönklang für sich einnahmen. Daneben allerlei interessanter technischer Schnickschnack, der schon von seinem Aussehen her die Spannung beim Konzertgast steigen ließ.

Den Auftakt machte eine kleine simple Melodie - und bekanntlich sind das oft die schwersten Stücke - eine neue Komposition, mit der er seine musikalischen Reise durch ein langes Musikerleben begann. Und schon hier brillierte er durch punktgenaues Melodiespiel und weniger durch Akkordschrammelei, die ohnehin nicht seine Sache ist.

Auch im irisch inspirierten Folgestück „Island revisited“ vertraute er ganz und gar auf seine akustischen Spielkünste, erzeugte fast einen Lauten artigen Ton, der an altenglische Stücke erinnerte, wie sie immer wieder von der Folkikone Bert Jansch dargebracht wurden. Zum Ende hin beschleunigte er jedoch das Stück immer mehr, so dass daraus eine zunehmend fingerbrecherische Übung wurde, und gleichzeitig zu dieser Saitenakrobatik trommelte er auf den Korpus der Gitarre, so dass man verwundert den Bodhran-Begleiter auf der Bühne suchte. Das war ein virtuoser Vorgeschmack auf den restlichen Abend.

Manche Anwesenden meinten, das seien lediglich sphärische Filmklänge gewesen, doch die saßen meist weiter hinten und denen war entgangen, wie dieser Musiker diese Klänge erzeugte. Glanzstücke des Abends waren sicher seine „Säbeltanz“-Bearbeitung oder die geradezu verrückt anmutende Neubearbeitung des Rolling-Stones-Klassikers „Paint It Black“. Was er da mit seiner Gitarre anstellte, war schon eher eine Saitenzerrer-Performance, wobei ungeachtet der hier zelebrierten Kunststückchen, das musikalische Thema durchweg hörbar erhalten blieb, weil er es „nur“ recht eigenwillig variierte.

„Gitarren Total“ (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum) „Gitarren Total“ (Foto: Fred Böhme Panoramamuseum)

Bei einer Reihe von Stücken kamen dann auch noch seine Wunderkisten zum Einsatz, wenn er mit einem sehr vertrackten Echo spielte, den Gitarren-Synthesizer wundersames Meeresrauschen bei dem Stück „Wasser“ oder gar Orgelklänge entlockte. Mit einem Wattebausch unter den Saiten ließ er im zweiten Konzertteil sein Instrument sogar banjoartig klingen, eine senkrecht stehende Stativstange wurde aber auch mal schnell zum Dritte-Hand-Slide umfunktioniert, an der er die Gitarrensaiten entlang strich, während er mit den Fingern die Saiten traktierte.

Bei einigen Stücken sang er auch dazu, was er mit einer sehr heiseren tiefen Brummelstimme tat, was eher einer Art Sprechgesang glich und seinen Stücken eine weitere Klangfarbe gab. Trotzdem denke ich, ist seine Stärke vor allem, das Gitarre spielen.

Da unser Dudelradio derartiger Musik kaum ein Podium einräumt, war sie für viele der Anwesenden sicher ungewohnt gewesen, wurde aber sehr positiv aufgenommen. Manche Gäste nutzten die Gelegenheit nach dem Konzert nicht nur eine seiner zahlreichen CDs zu erwerben, sondern unterhielten sich auch noch längere Zeit mit dem Musiker.

Fred Böhme

Fotos: Martin C. Herberg, live 1; Rechte: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Autor: khh

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