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Großes Interesse an Vortrag über das Helbesystem

Donnerstag, 19. März 2015, 20:17 Uhr
Am Donnerstag, den 12.03.2015 organisierte die CDU VG Greußen einen Vortrag über das Helbesystem. Herr Werner Gruner konnte über 20 Besucher mehr als 2 Stunden mit seinen Ausführungen zur Helbe fesseln, wie kn erfahren hat, teils auch mit kritischen Hinweisen verbunden...

Er begann mit einer kurzen geologischen Besonderheit, welche dazu führt, dass im oberen Helbetal unser Flüsschen nur ein Rinnsal ist und teilweise im Sommer völlig austrocknet. Erst an den Grundslöchern bei Wasserthaleben tritt das im oberen Bereich auf scheinbar mysteriöse Weise verschwundene Wasser reichlich an die Oberfläche. Das sanierte Helbewehr zwischen Wasserthaleben und Westgreußen teilt unsere Helbe dann in drei Arme, den Steingraben als Ursprungshelbe, die Schwarzburger und die Sächsische Helbe. Ab hier sprechen wir vom Helbesystem.

Alten mündlichen Überlieferungen und Sagen nach wurde das Helbesystem durch Mönche
geschaffen.

Großes Interesse an Vortrag über das Helbesystem (Foto: Werner Gruner) Großes Interesse an Vortrag über das Helbesystem (Foto: Werner Gruner)

Eine ganze Reihe bedeutender, gewissenhaft analysierender Historiker beschäftigten sich mit diesem Thema und versuchten Licht in das Dunkle der Vergangenheit zu bringen. Für Vorgänge, die rund 750 Jahre zurück liegen, wurden Schritt für Schritt aus alten Urkunden und Dokumenten Antworte auf die berühmten Fragewörter - wer – wann – warum – wie gesucht.

An Stelle der „geheimnisvollen“ Mönche haben wir nun Kenntnis über konkrete Initiatoren beziehungsweise Auftraggeber wie Thüringer Landgrafen und den Deutschen Orden.
Herr Gruner erklärte anhand sehr interessanter Animationen und Fotos die Gründe für die Regulierung und den Verlauf der Arme einschließlich mehrerer Querverbindungen.

So diente die Schwarzburger Helbe, welche zuerst gebaut wurde, als Antrieb für die notwendigen
Mühlen, da die Urspungshelbe durch regelmäßige Hochwasser hierfür nicht geeignet war. Sie wurde bereits Mitte des 13. Jahrhunderts angelegt. Die Sächsische Helbe folgte im 14. Jahrhundert mit dem Ziel, Weißensee mit Wasser zu versorgen. Sie ist das anspruchsvollere Bauwerk, da sie auf ihrer
gesamten Länge nur über ein Gefälle von 1 Promille verfügt, was früher zu der Annahme führte, dass sie stellenweise bergauf fließen würde. Auch dieser, durch eine optische Täuschung hervorgerufene
Irrglaube, wurde mit Hilfe von Fotos anschaulich begreiflich gemacht.

Alle Abschnitte des Helbesystems wurden durch wunderschöne teils historische Fotos und Karten
dokumentiert.

Großes Interesse an Vortrag über das Helbesystem (Foto: Werner Gruner) Großes Interesse an Vortrag über das Helbesystem (Foto: Werner Gruner)

Das Gerinnig - Kreuzung zweier Helbearme- an der Neumühle zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Zum Abschluss seines Referates kam Herr Gruner voller Sorgen auf den Zustand, in dem sich dieses interessante Technische Denkmal heute befindet, zu sprechen:

Bis zu den 50er Jahren waren hauptsächlich die Müller als Nutznießer und die staatliche verwaltete
Wasserwirtschaft für die Pflege dieses sensiblen Systems verantwortlich. Zweimal jährlich fand die
Flussfege statt, hierfür wurden die Seitenarme für eine Woche trockengelegt und gereinigt. Die
vielen kleinen Wassermühlen sind nicht mehr in Betrieb. Rund Fünfzig Jahre findet somit diese große Flussfege auch nicht mehr statt.

Der Steingraben ist ein Landesgewässer, die Schwarzburger und Sächsische Helbe sind kommunale Gewässer. Die Kommunen können diese aufwendige Fege nicht bewältigen, zumal diese nicht mit schwerer Technik durchgeführt werden kann. Eine Havarie löst die andere ab. Uferdurchbrüche werden immer häufiger und man muss kein großer Prophet sein um zu erkennen wo diese Entwicklung endet. Die ersten sehr lobenswerten Initiativen sind angelaufen, so hat der Angelverein als einer der derzeitigen Nutzer bereits mehrfach eine Fege von Teilabschnitten durchgeführt um die weitere Verschlammung des Systems aufzuhalten.

Allerdings sollten auch die anliegenden Gartennutzer, die im Sommer das Wasser der Helbe gern und bedenkenlos ihren Pflanzen zukommen lassen, auch darüber nachdenken, ob wie auch sie mit zur Erhaltung dieser scheinbar so bequemen Wasserzufuhr beitragen können! Denn die Zerstörung des Helbesystems würde auch für sie erhebliche Nachteile bedeuten.
Herr Gruner wird weiter durch seine Vorträge intensiv für dieses sensible und bedrohte Denkmal
werben. Zur Veranschaulichung stellte er auch einige historische Bilder zur Verfügung:

Susanne Klein
CDU VG Greußen

Fotos: Werner Gruner
Autor: khh

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