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Apotheken überprüfen täglich Medikamente

Montag, 30. März 2015, 08:43 Uhr
Die Globalisierung hat längst auch den Arzneimittelmarkt erreicht: rund 80 Prozent der hierzulande eingesetzten Wirkstoffe werden nicht in Deutschland hergestellt. Zwar sind die Qualitätsanforderungen unabhängig vom Fabrikationsort für alle Hersteller dieselben. Ihre Einhaltung vor Ort im Ausland zu kontrollieren, ist aber naturgemäß schwieriger...


Indem die Apotheker hierzulande Tag für Tag Fertigarzneimittel und Ausgangsstoffe überprüfen, tragen sie dazu bei, den hohen Standard der Arzneimittelsicherheit in Deutschland aufrecht zu erhalten. Thüringens Apothekerinnen und Apotheker informieren zum Thema.

Arzneimittel bringen heutzutage auf ihrem Weg zum Patienten oft eine lange Reise hinter sich, wie Apothekerin Andrea Seifert weiß: „Vier Fünftel aller Wirkstoffe, die in unseren Medikamenten stecken, stammen mittlerweile aus dem Ausland, meist aus Indien oder China“, berichtet die Apothekerin: „Im Normalfall ist das unbedenklich, weil die externen Hersteller exakt denselben Qualitätsanforderungen genügen müssen wie hiesige. Aber Fehler können überall passieren, und die weiten Wege erschweren nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Kontrollen.“

Genau hier schließen die Apotheken vor Ort eine entscheidende Lücke: denn sie überprüfen in ihren Laboren Tag für Tag, ob die Arzneimittel, die sie ausgeben, auch tatsächlich halten, was sie versprechen. „In Stichproben werden deutschlandweit jedes Jahr etwa acht Millionen Arzneimittel kontrolliert“, so Seifert. Das sind längst nicht nur fertige Präparate, wie die Apothekerin erläutert: „Pro Jahr werden hierzulande mehr als 12 Millionen Rezepturen für einzelne Patienten individuell hergestellt, weil keine passenden Fertigmedikamente erhältlich sind. Für das Apothekenpersonal ist es gesetzlich vorgeschrieben, sich davon zu überzeugen, dass die Ausgangsstoffe, Chemikalien, Salbengrundlagen und getrocknete Arzneipflanzen, mit denen sie arbeiten, den Anforderungen entsprechen.“

Daher nehmen die Untersuchung von Arzneistoffen und die Herstellung von Arzneimitteln bereits im Pharmaziestudium breiten Raum ein. Um den Arbeitsalltag in der Apotheke zu erleichtern, hat eine Expertenkommission zudem standardisierte Vorschriften und Verfahren erarbeitet, an denen sich die Apotheker bei Arzneistoffprüfung wie Rezepturherstellung orientieren können. Ergibt die Überprüfung eines Präparats oder Ausgangsstoffs dabei tatsächlich, dass es beispielsweise verunreinigt ist, eine falsche Bezeichnung trägt oder ähnliches, meldet die feststellende Apotheke dies umgehend der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK). Nach erneuter Prüfung schaltet diese dann ggf. die zuständigen Behörden ein. Pro Jahr kommt das deutschlandweit in etwa 1000 Fällen vor. Weit häufiger fallen Arzneimittel jedoch durch vergleichsweise ungefährliche Mängel auf, die etwa lediglich die Verpackung betreffen.

Rezepturherstellung, Fertigarzneimittelkontrolle – all das wäre nicht möglich ohne ein entsprechend ausgestattetes Labor, über das in Deutschland deshalb tatsächlich jede Apotheke verfügt. „Die Apotheken sind gesetzlich dazu verpflichtet, ein Labor zu unterhalten und fertige Präparate ebenso wie Arzneistoffe regelmäßig zu kontrollieren“, präzisiert Seifert: „Damit leisten sie einen unverzichtbaren Beitrag zur Arzneimittelsicherheit und damit zum Verbraucherschutz.“ Angesichts des hohen Stellenwerts, den die Arzneimittelsicherheit in Deutschland genießt, eine überaus verantwortungsvolle Aufgabe – und zugleich ein nicht zu unterschätzender materieller und personeller Aufwand, der gleichwohl nicht vergütet wird: die Arzneistoffkontrolle zählt nämlich zur sogenannten „Gemeinwohlpflicht“ der Apotheker, oder, wie Seifert es treffender ausdrückt: „Für die Apotheker ist sie schlicht Ausdruck ihrer Verantwortung gegenüber den Patienten.“
Autor: red

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