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Von der 14. Ebelebener Werkstattlesung

Donnerstag, 16. April 2015, 13:20 Uhr
In der Reihe der Ebelebener Werkstattlesungen kam es nun zur 14. Auflage seit 2009. Dieses Mal war der Journalist Peter Wensierski zu Gast und stellte sein Buch „Die verbotene Reise- Die Geschichte einer abenteuerlichen Flucht“ vor.


Knapp 60 Zuhörer lauschten gespannt den Ausführungen des Autors. Bürgermeister Uwe Vogt lobte zu Beginn der Veranstaltung die gewachsene gute Kooperation mit den Partnern, den Mühlhäuser Werkstätten für Behinderte e.V. und der Landeszentrale für politische Bildung.

Der Leiter der Landeszentrale, Franz- Josef Schlichting sagte in seiner Einführung, dass die Lesungen in Ebeleben fester Bestandteil der Reihe „Das politische Buch im Gespräch“ ist. Er verwies darauf, dass es in diesem Buch um Alltagsgrenzüberschreitungen im Berlin der 80-er Jahre geht, die in der Zeit der Erlaubnisbürokratie viel mit Mut, Zivilcourage und Kreativität zu tun hatten.

Von der 14. Ebelebener Werkstattlesung (Foto: Uwe Vogt) Von der 14. Ebelebener Werkstattlesung (Foto: Uwe Vogt)

Peter Wensierski, der aus Nordrhein- Westfalen kommt, war seit 1979 als Journalist in der DDR tätig. Er schrieb für den SPIEGEL und andere Zeitungen, war als Reporter für die ARD tätig und berichtete insbesondere über das Alltagsleben in der DDR sowie über die Oppositionsbewegung. Die Region im Kyffhäuserkreis besuchte der Autor nicht zum ersten Mal, als Reporter des SPIEGELS recherchierte er 1993 den „Satansmord von Sondershausen“.

Auf die Geschichte der „Verbotenen Reise“ stieß er nach der Wende durch Zufall und hat dafür viele Gespräche mit den beiden Hauptfiguren geführt. In dem Buch geht es um Abenteuer, Freiheit und Liebe, ohne dass dieses politische Beweggründe hatte. Die beiden damaligen Studenten Jens und Marie treffen sich beim Entwickeln von Bildern in einer Dunkelkammer und merken, dass sie beide Sehnsucht nach fernen Ländern haben. Der Autor schilderte in seiner Lesung diese Kennenlernphase, die damit endete, dass der Biologiestudent mit der Kunststudentin in einer heruntergekommenen Berliner Wohnung im Stadtteil Prenzlauer Berg zusammen ziehen. Diese Art der Hausbesetzung sieht der Autor als Ablehnung der Altherrenregierung der DDR.

Im Buch beschreibt Peter Wensierski das Milieu am Prenzlauer Berg, so die Gaststätte „Am Wasserturm“. Mit umfangreichem Bildmaterial zeigt er den damaligen Zustand der Häuser und der Inneneinrichtung der Wohnungen, was aber dem Klientel ziemlich egal ist. In Auszügen schildert er, wie ideenreich, mutig und ein bißchen frech es den beiden Studenten gelingt, letztendlich eine Einladung eines mongolischen Bergsteigervereins zu fälschen, um über den Olympiastützpunkt in Berlin- Weißensee ein Visa für die Mongolei zu bekommen.

Mit selbstgenähten Rucksäcken brechen die beiden Abenteurer auf und es gelingt ihnen trotz aller Schwierigkeiten durch die Sowjetunion zu reisen und schließlich in Ulan- Bator anzukommen. Dabei dienen ihnen eine Vielzahl von Ausweisen (u.a. ein mit Passfoto und selbstgemachtem Stempel aufgepeppter Sozialversicherungsausweis) als wertvolle Hilfe auf dieser verbotenen Reise. In der Mongolei sehen sie viel, mit Einfallsreichtum gelingt es ihnen verschiedene Mitfahrgelegenheiten zu finden. Sie sehen dieses Land auf ihrer individuellen Rundreise und genießen die Gastfreundschaft der Menschen. Eindrucksvoll beschreibt Peter Wensierski z.B. das Ziegenschlachten auf traditionelle Art.

In der mongolischen Hauptstadt kommt es zu dem spontanen Beschluss noch weiter zu reisen, nämlich nach China, was damals offiziell absolut verboten war. Und so kommen sie schließlich bis nach Peking. Natürlich las der Autor nur kleine Abschnitte aus den Kapiteln, um die Spannung beim Lesen zu lassen.

Von der 14. Ebelebener Werkstattlesung (Foto: Uwe Vogt) Von der 14. Ebelebener Werkstattlesung (Foto: Uwe Vogt)

Ein hochinteressanter Abend, dem die Zuhörer gespannt verfolgten, so das Resümee der Lesung. Im Anschluss an den Vortrag beantwortete der Autor noch die Fragen aus dem Publikum und signierte seine Bücher.
Die nächste Veranstaltung der Reihe ist schon ausgemacht, am 23. September wird dann eine Olympiasiegerin über ihre Karriere berichten…

Uwe Vogt
Ebeleben
Autor: khh

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