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Rückblick auf Veranstaltungen

Montag, 04. Mai 2015, 14:41 Uhr
Wie immer zum Monatsanfang macht Fred Böhme (Panoramamuseum Bad Frankenhausen) einen Rückblick auf das Geschehen das letzten Monats, so auch Volker Schlöndorffs Kammerspiel „Diplomatie“...

An den vergangenen Freitagabenden, nach dem sehr schönen, wenn auch über lange Strecken leise-melancholischen Konzert von MAX & LAURA BRAUN und ihrer Band, bot das StuKi 76 zweimal hintereinander ambitionierte Kinounterhaltung an, die auf aktuelle Anlässe verwies.


Mit Volker Schlöndorffs Kammerspiel „Diplomatie“ erinnerten wir an das 70. Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkrieges und eine Woche darauf präsentierte das Kino passend zum 1. Mai „Zwei Tage, eine Nacht“ der Gebrüder Dardennes, die mit diesem Film einen markanten Einblick in den neoliberalen Arbeitsalltag gestatteten. Gerade dieser Film bezog seine Stärke aber auch aus seiner Doppelbödigkeit und zeigte jeweils immer beide Seiten, einerseits die Entsolidarisierung zwischen den Arbeitern und Angestellten wie auch das Begreifen und Erkennen der Notwendigkeit der gegenseitigen Solidarität, den vermeintlich humanen Arbeitgeber, der seinen Beschäftigten die Wahl zwischen Pest oder Cholera gestattet, wenn er sie vor die Entscheidung stellt, auf ihre Prämie zu verzichten und dann niemanden zu entlassen oder die Prämie zu erhalten und eine Kollegin wird dafür entlassen, weil die Arbeit - wenn auch mit ein paar (nicht bezahlten) Überstunden - mit einer Kollegin weniger genauso gut bewältigt werden kann.

Die Kamera war immer dicht an den Darstellern des Films dran und vermittelte sehr direkt, fast semidokumentarisch das dramatische Geschehen, denn Sandra macht sich auf den Weg zu ihren Kollegen, versucht deren Votum zu ihren Gunsten umzustimmen, ein Gang, der für sie einerseits zu einem steinig-dornigen Passionsweg wird, an dem sie wiederholt zu zerbrechen droht, letztlich aber daran wächst und die Kraft findet, ihrem Leben eine neue Richtung zu geben und nach einer Arbeitsperspektive außerhalb dieser Firma zu suchen.

Das war einer dieser mit kleinem Budget gemachten europäischen Filme, die so nachdrücklich beweisen, dass das Kino Kunst sein kann, die mit unserem wirklichen Leben zu tun hat, und das es erforderlich ist, solche Filmproduktionen vor der durch CETA und TTIP verstärkten Dominanz des Hollywood-Kinos zu schützen.

Nachdem Walt Disney seine Verleihkonditionen für die Kinos deutlich verschlechtert hat, ist momentan eine heftige Debatte bei den Kinobetreibern im Gange, welche Folgen die Digitalisierung des Kinos mit den von den amerikanischen Großverleihern diktierten Digitalformaten und obige Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada haben werden, wobei die Befürchtung geäußert wird, dass damit die Dominanz der Traumfabrik zu Ungunsten des europäischen Kinos verstärkt wird.

Fred Böhme
Autor: khh

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