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Konjunkturmotor kommt wieder auf Touren

Mittwoch, 13. Mai 2015, 10:03 Uhr
Die Thüringer Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. In den Unternehmen Nord- und Mittelthüringens hat sich die Stimmung aufgehellt. Neben einer stabilen Geschäftslage sorgt auch Optimismus beim Blick auf die kommenden Monate für eine Verbesserung der Konjunkturaussichten...


So steigt der Klimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, im Vergleich zum Jahresbeginn 2015 um sechs Punkte auf 109 von 200 möglichen Prozentpunkten. Das ist das Ergebnis der jüngsten Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 800 Mitgliedsbetrieben.

„Der Konjunkturmotor kommt wieder auf Touren. Alle Ampeln stehen auf Grün und versprechen einen erfolgreichen Jahresverlauf mit guten Zuwachsraten“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Branchenübergreifend schätzten immerhin 35 Prozent der Befragten ihre Situation mit gut bis sehr gut ein. Weitere 50 Prozent seien mit ihrer Geschäftslage aber noch durchaus zufrieden. Stabile Auftragseingänge und gut ausgelastete Kapazitäten sorgten für steigende Erträge.

„Inzwischen arbeiten 78 Prozent der Betriebe mit Gewinn oder zumindest kostendeckend, so dass der jetzt eingeschlagene Kurs auch in den nächsten Monaten beibehalten werden dürfte“, so der IHK-Chef. Schließlich erwarteten vier von fünf Unternehmern eine Verbesserung oder eine gleichbleibend günstige wirtschaftliche Entwicklung.

Doch Grusser warnt: „Ölpreis, Wechselkurs und Zinstief kurbeln derzeit den Konsum und die Exporte an und sorgen für gute Zahlen. Doch diese temporären Verzerrungen des Wirtschaftswachstums können schnell darüber hinwegtäuschen, dass die für einen nachhaltigen Aufschwung so wichtigen Investitionen in Entwicklung und Produktinnovationen weitestgehend ausbleiben. Für neue Maschinen und Anlagen wird momentan zu wenig Geld ausgegeben.“

Schon mehr als jeder Dritte Firmenchef beabsichtige laut Umfrage weniger oder gar nicht zu investieren. Jetzt sollten nach Ansicht der IHK rasch die Vorschläge der von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel eingesetzten Expertenkommission zur Investitionssteigerung umgesetzt und die Rahmenbedingungen für private Investitionen als auch die der öffentlichen Hand verbessert werden: Bürokratieabbau, finanzierungsneutrale Besteuerung, Fachkräftesicherung sowie eine verlässliche Energiepolitik wären nur einige der angesprochenen Handlungsfelder.

Von der guten Konjunktur profitiere gegenwärtig vor allem der Arbeitsmarkt. „Und auch die weiteren Beschäftigungspläne lassen auf eine Fortsetzung des positiven Trends hoffen. Immerhin 83 Prozent der Befragten wollen ihre Mitarbeiterzahl beibehalten oder sogar zusätzliche Jobs schaffen“, ist Grusser auch für die nächsten Monate zuversichtlich.

Die Ergebnisse im Einzelnen

Grafik (Foto: IHK) Grafik (Foto: IHK)

Einmal mehr erweist sich die Industrie als Konjunkturlokomotive. In jedem dritten Betrieb laufen die Geschäfte gut, mehr als die Hälfte der Manager zeigt sich zufrieden. Steigende Auftragseingänge lassen auch den Blick auf die nächsten Monate optimistischer ausfallen. 89 Prozent der Unternehmer erwarten einen günstigeren oder gleichbleibend guten Geschäftsverlauf.

Anlass zur Freude geben die Ausfuhrdaten. Nach wie vor bestehende Risiken wie die Ukraine-Krise oder ein möglicher Euro-Austritt Griechenlands können die Bilanz nur wenig trüben. So rechnen 17 Prozent der Unternehmer mit einer Zunahme der Exportgeschäfte. Einen Gang höher schalten die Industriebetriebe bei ihren Beschäftigungsplänen. Während zu Jahresbeginn nur 8 Prozent neue Stellen schaffen wollten, sind es jetzt doppelt so viele. Dagegen hat sich die Zahl derer, die über eine Arbeitsplatzreduzierung nachdenken von 23 Prozent im Januar 2015 auf nunmehr 12 Prozent nahezu halbiert.

Die Stimmung im Baugewerbe hellt sich im Frühjahr erwartungsgemäß wieder auf. Angesichts des vergleichsweise milden Winters haben sich die Produktionsbehinderungen in engen Grenzen gehalten. Infolgedessen beurteilen 22 Prozent der Befragten ihre aktuelle Situation mit gut. 48 Prozent sind durchaus noch zufrieden. Mehr Aufträge haben zu einer besseren Auslastung der Kapazitäten geführt. Inzwischen arbeiten 68 Prozent der Befragten sogar mit Gewinn oder kostendeckend.

Für den Einzelhandel stehen die Signale ebenfalls auf grün. Im Vergleich zur vorhergehenden Umfrage hat sich das Konjunkturklima deutlich verbessert. Knapp ein Viertel der Händler beschreibt die aktuelle Geschäftslage mit gut. Rund 30 Prozent der Befragten können sich über steigende Umsätze und höhere Erträge freuen. An einen dauerhaften Konsumboom glauben aber nur die wenigsten. So hoffen lediglich 6 Prozent auf eine weitere Verbesserung ihrer Situation. Im Gegenzug rechnen aber 29 Prozent mit einer Verschlechterung.

Fazit von IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser: „Die positive wirtschaftliche Entwicklung sollte sich auch im weiteren Jahresverlauf fortsetzen. Sowohl die Inlandsnachfrage als auch der Export erweisen sich derzeit als stabile Stützen der Konjunktur und führen zu neuen Arbeitsplätzen sowie steigenden Steuereinnahmen für Bund und Land. Doch die weitere Abschwächung der privaten und öffentlichen Investitionen ist besorgniserregend. Der Staat muss jetzt handeln. Mit einer Wirtschaftspolitik ohne Impulse für anhaltende Investitionen und Wachstum werden die Chancen auf einen stabilen Aufschwung verspielt. Die Bundesregierung sollte daher so schnell wie möglich einen Fahrplan für bessere Investitionsbedingungen und nachhaltige Wachstums- und Beschäftigungsperspektiven aufstellen.“
Autor: red

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