Veranstaltungen im Panorama Museum Rückblick
Dienstag, 02. Juni 2015, 00:01 Uhr
Wenn ein Monat vorbei ist macht Fred Böhme vom Panoramamuseum Bad Frankenhausen seinen nun schon traditionellen Rückblick auf den letzten Monat...
Ottilie Müntzer – Der Regenbogen endet nicht.
Unter diesem Titel stand die Lesung und zugleich Gedenkveranstaltung an die Frankenhäuser Schlacht vor 490 Jahren vom vergangenen Freitagabend im Bildsaal des Panorama Museums, so aber auch der Titel von Vicki Spindlers dramatischen Dialog, den die Autorin zusammen mit Daniel Minetti an dieser Stelle äußerst versiert und mit viel schauspielerischem Können vortrug.
Flötenquartett; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Doch für den überaus gelungenen Veranstaltungsauftakt dazu sorgte das Blockflöten-Quartett des Musikkonservatoriums Carl Schroeder Sondershausen mit englischer und deutscher Renaissance-Musik. Die jungen Musikerinnen boten neben Kompositionen von Thomas Morley und einer altenglischen Bearbeitung von Henry Purcell auch Stücke von Johann Hermann Schein, die gerade in diesem Ambiente, also vor der Malerei Werner Tübkes eine besondere Wirkung entfalteten und die Gäste dieses Abends in ferne vergangene Zeiten entführten. Die ansonsten für das gesprochene Wort eher schwierige akustische Situation des Bildsaals schien für die Flötenmusik wie geschaffen. Angemerkt sei noch, dass Stefan Uhl mit seinen Schützlingen dieses wunderbare Programm eigens für diesen Abend einstudiert hatte.
Vicki Spindler & Daniel Minetti; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Nach einer kleinen zehnminütigen Umbaupause traten dann Vicki Spindler und Daniel Minetti ans Mikrofon und begannen ihre Lesung. Doch hier wurde nicht einfach gelesen, die beiden spielten dieses Paar Ottilie und Thomas Müntzer und hauchten den beiden historischen Personen in ganz alltäglichen Situationen Leben ein, so dass sie ganz gegenwärtig wirkten.
Der Text begann mit einer Begegnung zwischen Ottilie und Thomas im Benediktinerinnen-Kloster in Glaucha, wo Thomas Müntzer zeitweilig der geistliche Beistand der Nonnen war. Ihm war die wissbegierige Ottilie aufgefallen, die so eifrig die heiligen Schriften studierte und die ihm in der Beichte Zweifel an ihrer Berufung gestand. Er ermutigte sie, ganz auf die Stimme Gottes in sich zu hören und notfalls auch das Kloster zu verlassen, wenn ihr Gott dieses rate. Er war ihr hingegen wegen seiner ungewohnt lebendigen Deutungen der heiligen Schriften aufgefallen, die ihren wachen Geist in Aufruhr versetzten.
Und dieses Aufeinandertreffen der beiden Menschen, das erst tastende Sich-Annähern und die Suche nach einer zu dieser Zeit noch ungewohnten Form des Zusammenlebens, des Findens ihres ganz neuen Platzes in der Welt waren die stärksten Passagen des Textes. Dann später war die Rolle der Ottilie reduziert auf die sehr alltäglichen des stützenden Weibes, die Bruder Thomas den Haushalt führte, ihm Kinder gebar und die um ihn fürchtete in Zeiten der Trennung und des Aufruhrs und die zuletzt um ihn trauerte und ganz am Ende trotzig beharrte:
Ich bin die Müntzerin! Während sich die Autorin bei den Textpassagen des Thomas Müntzer auf dessen überlieferte Texte und Briefe stützen konnte, erfand sie sich eine Ottilie, die wohl auch stärker Züge der Autorin selbst trug. Aber gerade die zur glühenden Müntzeranhängerin und zum bedingungslos liebenden, sich aufopfernden und ihrem Manne völlig unterordnenden Eheweib gewordene Ottilie konnte in den Dialogen mit ihrem Mann Thomas, die nun nicht mehr auf Augenhöhe zu führen waren, kaum noch Zweifel, Ängste und Sorgen erkennen lassen.
Folglich gerieten die handelnden Akteure zunehmend in ein Rollenkorsett, wo zunehmend die äußeren Ereignisse die Handlung vorantrieben, d.h. nicht mehr die beiden Figuren in ihrem Miteinander trieben die Handlung voran, sondern sie wurden selbst zu Getriebenen der historischen Umstände und Müntzers konsequent und bedingungslos zu Ende durchbuchstabierter Bibelexegese. Damit wurden ihre eigenen Entscheidungen, ihre eigenen Ansichten immer bedeutungsloser.
Das bedeutete aber auch, dass Ottilie im Voranschreiten des Stücks selbst zunehmend farbloser als Figur wurde und auch Thomas Müntzer zunehmend zu Gunsten eines Heldenbildes menschliche Individualität verlor. Dass ist aber auch die Schwierigkeit, mit der jeder Autor zu kämpfen hat, wenn er sich einer historisch verbürgten Person mit zu viel Respekt nähert und sich dabei unter Beobachtung von kenntnisreichen Historikern wähnt.
Trotzdem gelang es der Autorin und ihrem Mitstreiter über viele Passagen hinweg eine längst vergangene Zeit lebendig werden zu lassen und diesen so fernen Menschen Leben einzuhauchen.
Somit war dieser Abend letztlich ein gelungener Beitrag zum diesjährigen 490. Jubiläum der Frankenhäuser Schlacht.
Fred Böhme
Panoramamuseum
Autor: khhOttilie Müntzer – Der Regenbogen endet nicht.
Unter diesem Titel stand die Lesung und zugleich Gedenkveranstaltung an die Frankenhäuser Schlacht vor 490 Jahren vom vergangenen Freitagabend im Bildsaal des Panorama Museums, so aber auch der Titel von Vicki Spindlers dramatischen Dialog, den die Autorin zusammen mit Daniel Minetti an dieser Stelle äußerst versiert und mit viel schauspielerischem Können vortrug.
Flötenquartett; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Doch für den überaus gelungenen Veranstaltungsauftakt dazu sorgte das Blockflöten-Quartett des Musikkonservatoriums Carl Schroeder Sondershausen mit englischer und deutscher Renaissance-Musik. Die jungen Musikerinnen boten neben Kompositionen von Thomas Morley und einer altenglischen Bearbeitung von Henry Purcell auch Stücke von Johann Hermann Schein, die gerade in diesem Ambiente, also vor der Malerei Werner Tübkes eine besondere Wirkung entfalteten und die Gäste dieses Abends in ferne vergangene Zeiten entführten. Die ansonsten für das gesprochene Wort eher schwierige akustische Situation des Bildsaals schien für die Flötenmusik wie geschaffen. Angemerkt sei noch, dass Stefan Uhl mit seinen Schützlingen dieses wunderbare Programm eigens für diesen Abend einstudiert hatte.
Vicki Spindler & Daniel Minetti; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Nach einer kleinen zehnminütigen Umbaupause traten dann Vicki Spindler und Daniel Minetti ans Mikrofon und begannen ihre Lesung. Doch hier wurde nicht einfach gelesen, die beiden spielten dieses Paar Ottilie und Thomas Müntzer und hauchten den beiden historischen Personen in ganz alltäglichen Situationen Leben ein, so dass sie ganz gegenwärtig wirkten.
Der Text begann mit einer Begegnung zwischen Ottilie und Thomas im Benediktinerinnen-Kloster in Glaucha, wo Thomas Müntzer zeitweilig der geistliche Beistand der Nonnen war. Ihm war die wissbegierige Ottilie aufgefallen, die so eifrig die heiligen Schriften studierte und die ihm in der Beichte Zweifel an ihrer Berufung gestand. Er ermutigte sie, ganz auf die Stimme Gottes in sich zu hören und notfalls auch das Kloster zu verlassen, wenn ihr Gott dieses rate. Er war ihr hingegen wegen seiner ungewohnt lebendigen Deutungen der heiligen Schriften aufgefallen, die ihren wachen Geist in Aufruhr versetzten.
Und dieses Aufeinandertreffen der beiden Menschen, das erst tastende Sich-Annähern und die Suche nach einer zu dieser Zeit noch ungewohnten Form des Zusammenlebens, des Findens ihres ganz neuen Platzes in der Welt waren die stärksten Passagen des Textes. Dann später war die Rolle der Ottilie reduziert auf die sehr alltäglichen des stützenden Weibes, die Bruder Thomas den Haushalt führte, ihm Kinder gebar und die um ihn fürchtete in Zeiten der Trennung und des Aufruhrs und die zuletzt um ihn trauerte und ganz am Ende trotzig beharrte:
Ich bin die Müntzerin! Während sich die Autorin bei den Textpassagen des Thomas Müntzer auf dessen überlieferte Texte und Briefe stützen konnte, erfand sie sich eine Ottilie, die wohl auch stärker Züge der Autorin selbst trug. Aber gerade die zur glühenden Müntzeranhängerin und zum bedingungslos liebenden, sich aufopfernden und ihrem Manne völlig unterordnenden Eheweib gewordene Ottilie konnte in den Dialogen mit ihrem Mann Thomas, die nun nicht mehr auf Augenhöhe zu führen waren, kaum noch Zweifel, Ängste und Sorgen erkennen lassen.
Folglich gerieten die handelnden Akteure zunehmend in ein Rollenkorsett, wo zunehmend die äußeren Ereignisse die Handlung vorantrieben, d.h. nicht mehr die beiden Figuren in ihrem Miteinander trieben die Handlung voran, sondern sie wurden selbst zu Getriebenen der historischen Umstände und Müntzers konsequent und bedingungslos zu Ende durchbuchstabierter Bibelexegese. Damit wurden ihre eigenen Entscheidungen, ihre eigenen Ansichten immer bedeutungsloser.
Das bedeutete aber auch, dass Ottilie im Voranschreiten des Stücks selbst zunehmend farbloser als Figur wurde und auch Thomas Müntzer zunehmend zu Gunsten eines Heldenbildes menschliche Individualität verlor. Dass ist aber auch die Schwierigkeit, mit der jeder Autor zu kämpfen hat, wenn er sich einer historisch verbürgten Person mit zu viel Respekt nähert und sich dabei unter Beobachtung von kenntnisreichen Historikern wähnt.
Trotzdem gelang es der Autorin und ihrem Mitstreiter über viele Passagen hinweg eine längst vergangene Zeit lebendig werden zu lassen und diesen so fernen Menschen Leben einzuhauchen.
Somit war dieser Abend letztlich ein gelungener Beitrag zum diesjährigen 490. Jubiläum der Frankenhäuser Schlacht.
Fred Böhme
Panoramamuseum


