kyffhaeuser-nachrichten.de

Für ein gutes Bauchgefühl

Montag, 08. Juni 2015, 16:40 Uhr
Sodbrennen, Magenschmerzen, Durchfall oder Verstopfung: Verdauungsprobleme sind weit verbreitet. Den Arzt suchen in diesem Fall die wenigsten auf, eher wird der Apotheker zu Rate gezogen. Zum Tag der Apotheken sollen Magenbeschwerden deswegen zentrales Thema sein, ein paar Tipps haben die Apotheker der Region aber schon jetzt...

Da viele Patienten sie ohne vorherigen Arztbesuch mit rezeptfreien Medikamenten selbst behandeln, widmet die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände den diesjährigen ‚Tag der Apotheke‘ am 18. Juni 2015 diesen Erkrankungen. Unter dem Motto „Für Ihr Bauchgefühl. Was tun bei Magen-Darm-Beschwerden?“ informieren auch Thüringens Apothekerinnen und Apotheker darüber, wie man den
Beschwerden vorbeugen kann, welche nichtmedikamentösen Behandlungsoptionen es gibt und wann ein Arztbesuch ratsam ist.

„Ob und was man selbst gegen Magen-Darm-Beschwerden tun kann, hängt vom Beschwerdebild und der Ursache ab. Man sollte sich daher immer individuell in der Apotheke beraten lassen“, empfiehlt Apothekerin Andrea Seifert, Pressesprecherin der Region Nordhausen. Denn Verdauungsprobleme werden nicht immer durch eine Erkrankung von Magen, Darm und Co. selbst verursacht: sie können auch eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten sein oder als Nebenwirkung auf Medikamente zurückgehen.

Ärztlich abgeklärt werden muss die Ursache, wenn die Beschwerden länger als ein paar Tage anhalten, regelmäßig wiederkehren, sehr stark sind, nur bei Belastung auftreten, wenn weitere Symptome – etwa Übelkeit, Erbrechen, Fieber, Schmerzen, Blutungen, Appetitmangel, ungewollter Gewichtsverlust – hinzukommen oder wenn andere Maßnahmen erfolglos bleiben.

Kinder unter sechs und Senioren über 65 Jahren sowie alle, die an Herzkrankheiten, Asthma oder Diabetes leiden, sollten sich bei Magen-Darm-Beschwerden grundsätzlich ärztlich untersuchen lassen.

Oft sind aber nur falsche Ernährung oder ein hektischer Lebensstil schuld. „Wer das Essen zu einer stressfreien Auszeit macht, ausreichend trinkt (täglich 2-3 Liter Wasser oder ungesüßten Tee), auf genügend Bewegung und ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten achtet, tut seiner Verdauung schon viel Gutes“, rät Seifert. Einen trägen Darm wieder auf Trab bringen können z. B. spezielle Arzneitees, Trockenfrüchte sowie – in Verbindung mit reichlich Flüssigkeit –pflanzliche Füll- und Quellmittel wie Floh- und Leinsamen oder
Weizenkleie. Sie eignen sich auch zur längerfristigen Einnahme – anders als rezeptfreie Abführmittel: die wirken zwar zuverlässig und sind meist gut verträglich, sollten aber, so Seifert, nie länger als zwei Wochen angewendet werden, da einige Wirkstoffe bei längerer Einnahme die Beschwerden verstärken können. Zu ihnen sollte man – wie auch zu Zäpfchen oder Einläufen – nur gelegentlich und nach Rücksprache mit einem Apotheker greifen.

Sodbrennen und Magenschmerzen vorbeugen kann man mit leichter, eiweißreicher Kost, verteilt auf mehrere kleine Mahlzeiten: das verhindert die übermäßige Produktion von Magensäure und hält – genau wie lockere Kleidung – den Druck im Bauchraum niedrig. Alkohol, Kaffee und Zigaretten sollten allenfalls in Maßen konsumiert werden: sie können den Verschlussmechanismus der Speiseröhre schwächen. Seiferts Tipp: „Gegen Sodbrennen helfen oft schon ein Spaziergang nach dem Essen und Schlafen mit erhöhtem Oberkörper, aber auch Pflanzenstoffe wie
Süßholzwurzel, Kamille oder Kümmel.“ Überschüssige Magensäure lässt sich nicht zuletzt mit so genannten Antazida kurzfristig neutralisieren. Die Produktion von Magensäure langfristig verringern kann man mit Protonenpumpenhemmern. Vor der langfristigen Anwendung ist hier aber eine ärztliche Abklärung notwendig.

Von Salzstangen und Cola bei Durchfall rät Seifert ausdrücklich ab: „Das Koffein in der Cola steigert den durchfallbedingt ohnehin übermäßigen Verlust an Flüssigkeit und Mineralstoffen noch. Um beides rasch zu ersetzen, greift man besser zu flüssigen Elektrolytpräparaten aus der Apotheke, die zusätzlich Traubenzucker enthalten.“ Durchfallstopper wie Loperamid sollten Notfallsituationen vorbehalten bleiben – in welchen Fällen sie gar nicht angewendet werden dürfen, weiß man in der Apotheke. Bei Infektionen helfen geriebener Apfel und medizinische Kohle, weil sie die giftigen Ausscheidungen der Keime binden. Beim Essen gilt generell: auf Fette, Milchprodukte, Fruchtsäfte und zuckerreiche Lebensmittel lieber verzichten. Besser verträglich sind leicht verdauliche Lebensmittel wie Banane, Nudeln, Kartoffeln, gekochte Möhren oder Weißbrot. Vorbeugend – etwa bei Antibiotika-Einnahme – oder auch zur Therapie im Akutfall kann man zu probiotischen Präparaten greifen, die der angegriffenen Darmflora bei der Regeneration helfen und auch für Kinder geeignet sind.

Nicht zuletzt können Magen-Darm-Probleme medikamentenbedingt sein: immerhin nehmen vier von fünf Arzneimitteln ihren Weg in den Körper über Mund und Magen. Oft sorgt lediglich eine schlechte „Einnahmetechnik“ für Probleme. „Damit nichts in Rachen oder Speiseröhre hängen bleibt und die Wirkstoffe schnellstmöglich aufgenommen werden können, nimmt man z. B. Kapseln oder Pulver stets stehend oder aufrecht sitzend und mit einem Glas Wasser ein“, empfiehlt die Apothekerin Seifert: „Alkohol, Schwarzer Tee, Kaffee, Milch oder Saft sind ungeeignet, da sie mit dem Arzneistoff reagieren können.“ Um Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln zu vermeiden, sollte man sich unbedingt an die Einnahmehinweise des Arztes oder auf dem Beipackzettel halten. Im Zweifelsfall fragt man am besten seinen Apotheker: Er berät auch zu allen anderen Fragen
rund um Arzneimittel jederzeit gern und kompetent.
Autor: red

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de