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Magersucht

Auch in Thüringen ein „zunehmendes“ Problem

Samstag, 11. Juli 2015, 11:34 Uhr
„Magersucht lässt sich nicht per Gesetz verbieten“, sagt Hermann Schmitt, Landesgeschäftsführer der BARMER GEK in Thüringen. Das französische Parlament hatte vergangene Woche ein Gesetz gegen magersüchtige Modells auf den Laufstegen verabschiedet...


„Wer magersüchtig ist, braucht professionelle Hilfe und kein Gesetz. Es ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Es kann zwar sein, dass die schlechte Vorbildwirkung bei Jugendlichen ein falsches Körpergefühl vermittelt, doch die Ursachen für Magersucht liegen in der Regel ganz woanders“, sagt Schmitt weiter.

Das seien zum Beispiel Schwierigkeiten in der Familie, nicht verarbeitete Trauer oder Leistungsdruck, der auch auf den eigenen Körper übertragen wird.

Deshalb ist Magersucht (Anorexie) auch – entgegen dem Klischee – kein Problem nur junger Frauen und kommt in jedem Alter vor. Selbst bei den über 60-Jährigen wurden in Thüringen allein bei der BARMER GEK im vergangenen Jahr 94 Versicherte wegen Anorexie behandelt. Über alle Altersgruppen hinweg waren es 934 Fälle von Magersucht im Freistaat – eine Zunahme von 16,6 Prozent gegenüber 2009 (siehe Tabelle). Besonders häufig ist Magersucht im Alter von 19 bis 30 Jahren anzutreffen. Aber schon im frühen Kindesalter ist die psychogene Ess-Störung relativ weit verbreitet. Im schlimmsten Fall können sich die Betroffenen zu Tode hungern, wenn sie keine Hilfe bekommen.

Thüringer Forschungsprojekt erfasst Risikofaktoren

Um die Risikofaktoren für Magersucht und andere Ess-Störungen besser zu erforschen, haben das Institut für Psychosoziale Medizin und Psychotherapie (IPMP) in Jena und die BARMER GEK Anfang des Jahres eine Kooperation vereinbart. Die Langzeitstudie „LooP“ untersucht die Wirkung von Präventionsprogrammen zum Essverhalten an Thüringer Schulen wie „PriMa“ und „Torera“ in den Klassen 6 und 7.

Hermann Schmitt: „Wir brauchen solche Programme, denn je früher wir mit Prävention und Aufklärung ansetzen, desto eher können wir ernsthafte Ess-Störungen verhindern. Wie gut die bisherigen Maßnahmen langfristig wirken, wurde allerdings bisher kaum untersucht. Deshalb unterstützen wir das Projekt mit unseren Daten.“

Prävention ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Prävention müsse dazu aber als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden werden. Deshalb greife das Präventionsgesetz, das Ende Juni vom Bundestag verabschiedet wurde, auch zu kurz, wenn es vor allem die gesetzlichen Krankenkassen einspannt.

„Auch die Länder und die Kommunen, ebenso die Private Krankenversicherung müssen sich aktiv einbringen und an der Umsetzung beteiligen, sonst werden wir die Präventionsziele verfehlen“, kritisiert Schmitt. Als erste Maßnahme erneuerte er die Forderung nach einem eigenständigen Schulfach „Sport und Gesundheit“ im Thüringer Lehrplan. „So früh wie möglich sollten Kinder lernen und erleben, wie sie sich richtig ernähren und bewegen können, um fit zu bleiben.“

Weitere Informationen und Hintergründe zur Magersucht finden Sie hier .
Autor: red

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