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Personalschlüssel in Thüringens Kitas

Trotz Stagnation die besten im Osten

Montag, 24. August 2015, 08:10 Uhr
Die Personalschlüssel in Thüringens Kindertageseinrichtungen haben sich in den vergangenen zwei Jahren nicht weiter verbessert. Das geht aus dem aktuellen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung hervor...

Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung) Grafik (Foto: Bertelsmann Stiftung)
Demnach kommen in Thüringen auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft durchschnittlich 5,3 ganztags betreute Krippen- oder 11,4 Kindergartenkinder. Exakt dieselben Betreuungsverhältnisse galten auch 2012 für Thüringen, das trotz der Stagnation das Ost-Flächenland mit den günstigsten Personalschlüsseln bleibt.

Thüringen bleibt weit davon entfernt, die Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung für kindgerechte Betreuungsverhältnisse zu erreichen. Denen zufolge sollte bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für höchstens drei Kinder verantwortlich sein. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein.

Diesen Empfehlungen am nächsten kommen Baden-Württemberg und Bremen. Das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag fällt ohnehin ungünstiger aus als der Personalschlüssel, weil Erzieher und Erzieherinnen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung aufwenden.

In Thüringen werden deshalb im Kita-Alltag mindestens 7,0 unter Dreijährige von einer Fachkraft betreut (bei einem Personalschlüssel von 1 zu 5,3) und mindestens 15,2 Kinder ab drei Jahren (bei einem Personalschlüssel von 1 zu 11,4). Derart ungünstige Betreuungsverhältnisse wirken sich nicht nur für die Kinder negativ aus, sondern erhöhen auch die Belastung der Kita-Fachkräfte. Das haben kürzlich Wissenschaftlerinnen der Alice Salomon Hochschule Berlin nachgewiesen. Folge sind hohe gesundheitliche Risiken für diese Berufsgruppe. Die Bertelsmann Stiftung hat deshalb in ihrem diesjährigen „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ die strukturellen Arbeitsbedingungen analysiert.

Zwischen den Bundesländern unterscheiden sich die Personalschlüssel nach wie vor stark. Im Osten müssen sich Erzieherinnen generell um deutlich mehr U3-Kinder kümmern (1 zu 6,1) als im Westen (1 zu 3,6). Die Betreuungsverhältnisse für die Kindergartengruppen sind in den alten Ländern im Durchschnitt ebenfalls besser (West 1 zu 8,9; Ost 1 zu 12,4 Dafür ist im Osten das quantitative Angebot an Kita-Plätzen deutlich höher: Während dort fast jedes zweite Kind unter drei Jahren eine Kita besucht (46,6 Prozent), sind es im Westen nur 22,7 Prozent. Thüringen liegt mit 50,3 Prozent noch über dem ostdeutschen Durchschnitt.

„Angesichts der konstant hohen Unterschiede zwischen den Bundesländern werden bundeseinheitliche Qualitätsstandards für Kindertagesbetreuung immer drängender“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Dort könnten neben Fachkraft-Kind-Relationen auch Zeitbudgets für Aufgaben wie Vor- und Nachbereitung der pädagogischen Arbeit sowie Standards für berufsbegleitende Beratung der pädagogischen Fachkräfte festgelegt werden.

Zusatzinformationen

Grundlage des jährlich aktualisierten Ländermonitors sind Auswertungen von Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik und weiteren amtlichen Statistiken sowie einer Befragung aller zuständigen Fachministerien der Bundesländer durch die Bertelsmann Stiftung. Stichtag für die Datenerhebung war der 1. März 2014.

Die Berechnungen hat der Forschungsverbund Deutsches Jugendinstitut / Technische Universität Dortmund durchgeführt. Zu unterschiedlichen Themen finden Sie Daten und Fakten zu den frühkindlichen Bildungssystemen im Internet unter www.laendermonitor.de. Zudem liefert der Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2015 für jedes Bundesland ein Profil seines frühkindlichen Bildungssystems.
Autor: red

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