Kyffhäuser Erntegespräch
Wie sieht es auf den Feldern aus?
Mittwoch, 26. August 2015, 23:26 Uhr
Über die derzeitige Situation in den Betrieben und auf den Feldern der Agrarunternehmen des Kyffhäuserkreises in formierten heute die Landwirte in einem Pressegespräch im Agrarunternehmen Schernberg-Himmelsberg e.G. Sondershausen / OT Schernberg.
Neben Vertretern weiterer Agrarunternehmen in Oldisleben, Schernberg, Großenehrich und Sondershausen stand als Gesprächspartner Dr. Wolfgang Peter,dem Vorsitzenden des Bauernverbandes, auch Vertreter des Landwirtschaftsamtes Bad Frankenhausen und der Versuchsstation Kirchengel zur Verfügung. Ziel dieses neuen Formats der Berichterstattung ist, so Dr. Peter, die Probleme der Landwirtschaft besser in die Medien zu bringen.
Organisiert wurde das Ganze vom Bauernverband in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Zwar wollte auch Landrätin Antje Hochwind teilnehmen, wurde aber beim Flüchtlingsgipfel in Erfurt (beim Ministerpräsidenten) aufgehalten.
Zuerst gab Bernd Schlepper, Geschäftsführer des Agrarunternehmens Schernberg-Himmelsberg, als Gstgeber einen Überblick über das Unternehmen. Das Unternehmen ist eines von nur noch sieben im Kyffhäuserkreis, die noch Milchviehwirtschaft betreiben.
Im Jahre 1991 als Genossenschaft gegründet bearbeitet man jetzt 1.041 ha Betriebsfläche, davon 952 Ackerland und 81 ha Grünland, wo vorzugsweise Getreide und Raps angebaut werden, bewirtschaftet von 20 Mitgliedern und einem Auszubildenden.
Nicht nur Schlepper beklagte die schwierige Situation, Auszubildende zu finden und die dann auch noch durchhalten. In den letzten drei Jahren gab es nur Abbrecher.
Mit 200 Milchkühen und 467 Mutterschafen liegt der Schwerpunkt bei der Tierwirtschaft. Man will daran festhalten, obwohl die Bedingungen, wie auch in anderen Unternehmen, durch die ständig sinkenden Erzeugerpreise und auch deutlich steigende Landmaschinenpreise immer schwieriger werden. Analog äußerte sich auch Uwe Erl vom Landwirtschaftsunternehmen Oldisleben. Auch die Milchpreise sind wieder mal im freien Fall. Auf Dauer wird das nicht zu verkraften sein, so Schlepper, obwohl er das Fazit zog, noch mit blauem Auge davon gekommen zu sein.
Zusätzlich kommen die Probleme mit der Dürre in diesem Jahr dazu. Man rechnet beim Getreide mit einem Rückgang des Ertrages von rund 30 Prozent, zumindest im Kyffhäuserkreis. In Thüringen insgesamt sieht es nicht ganz so schlimm aus, wegen der unterschiedlichen Regenmengen.
Dr. Uwe Rößler von der Versuchsstation Kirchengel gab einen Überblick über die Klimasituation. Mit Grafiken zeigte er nicht nur den überdurchschnittlichen Anstieg der Durchschnittstemperaturen in den letzten 10 Jahren.
Besonders negativ wirkte sich der Niederschlagsmangel aus. Besonders in der Hauptwachstumsperiode (April, Mai und Juni) gab es einen drastischen Mangel an Niederschlägen, verbunden mit teils sehr hohen Temperaturen. In Kirchengel musste sogar ein Maisversuch abgebrochen werden. Der Bodenwassergehalt lag für die Pflanzen an einem Existenzminimum.
Dr. Peter unterstrich mit seinem Satz:
"Trockenheit sorgt für geringere Erträge und der Preisdruck an den Märkten sorgt für geringere Erträge.
Auch Dr. Peter unterstrich den Ernteausfall beim Winterweizen mit 30 Prozent. Auch die Ernte des Winterraps fiel unterdurchschnittlich aus. Niht ganz so schlimm war es beim Winterweizen.
Festzustellen sei aber auch das es zum Teil heftige Ausfälle durch die Feldmauspopulation gab. In der Diskussion verwies Hartmut Thiele zu diesem Thema, es sei illusorisch zu hoffen, dass sich die Feldmauspopulation von allein wieder verringert. Er forderte, dass die Landwirte besser gegen die Population ankämpfen dürfen.
Auch das Grünland bereitete durch die Trockenheit Sorge. Während der erste Schnitt noch ging (nur 40 bis 60 % des sonstigen Mittels) fiel der zweite und dritte Schnitt teils ganz aus. Grünland ist aber die Futtergrundlage für die rinder- und schafhaltenden Betriebe.
Nicht nur in der Milchwirtschaft gibt es erhebliche Preisprobleme. Das Gleich trifft auch die Produzenten von Schweinefleisch. Auch die Erlöse für Wolle und Fleisch bereitet Sorge in der Schafwirtschaft. Deshalb gehen im Kyffhäuserkreis die Bestände an Schafen zurück. Dabei ist die Schafhaltung wichtig für die Landschaftspflege, wurde in der Runde betont.
Zwar heißt es in der Witschaft, wenn der Bedarf steigt, steigt auch der Preis. Trotz steigender Nachfrage nach Bioprodukten, konstatierte Uwe Erl aber das Gegenteil, auch die Preise für Bioprodukte sinken rapide, so dass es kaum noch lohnt, Bioprodukte anzubauen.
Einen vollständigen Überblick zur Situation können Sie in einem Bericht von Dr. Peter vertiefen:
Erntegespräch
Sehr viel wurde auch über das Image der Landwirtschaft unter den Landwirten diskutiert. Bernd Schlepper brachte es auf den Punkt, wir vergiften unsere Lebensmittel nicht. Landwirte fühlen sich oft missverstanden. Wir machen sehr wohl viel für das Tierwohl, wurde in der Runde unterstrichen. Wir kommen aber auch an die Grenze unser Leistungsfähigkeit, wurde unterstrichen, wenn Forderungen des Tierschutzes umgesetzt haben und nach fünf Jahren neue Forderungen kommen, die schon wieder erheblich Umbauten nach sich ziehen müssen.
Einig war man sich, wir müssen mehr für die Öffentlichkeitsarbeit tun. Und dieses Erntegespräch sollte ein erster Anfang im Kreis sein.
Autor: khhNeben Vertretern weiterer Agrarunternehmen in Oldisleben, Schernberg, Großenehrich und Sondershausen stand als Gesprächspartner Dr. Wolfgang Peter,dem Vorsitzenden des Bauernverbandes, auch Vertreter des Landwirtschaftsamtes Bad Frankenhausen und der Versuchsstation Kirchengel zur Verfügung. Ziel dieses neuen Formats der Berichterstattung ist, so Dr. Peter, die Probleme der Landwirtschaft besser in die Medien zu bringen.
Organisiert wurde das Ganze vom Bauernverband in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt. Zwar wollte auch Landrätin Antje Hochwind teilnehmen, wurde aber beim Flüchtlingsgipfel in Erfurt (beim Ministerpräsidenten) aufgehalten.
Zuerst gab Bernd Schlepper, Geschäftsführer des Agrarunternehmens Schernberg-Himmelsberg, als Gstgeber einen Überblick über das Unternehmen. Das Unternehmen ist eines von nur noch sieben im Kyffhäuserkreis, die noch Milchviehwirtschaft betreiben.
Im Jahre 1991 als Genossenschaft gegründet bearbeitet man jetzt 1.041 ha Betriebsfläche, davon 952 Ackerland und 81 ha Grünland, wo vorzugsweise Getreide und Raps angebaut werden, bewirtschaftet von 20 Mitgliedern und einem Auszubildenden.
Nicht nur Schlepper beklagte die schwierige Situation, Auszubildende zu finden und die dann auch noch durchhalten. In den letzten drei Jahren gab es nur Abbrecher.
Mit 200 Milchkühen und 467 Mutterschafen liegt der Schwerpunkt bei der Tierwirtschaft. Man will daran festhalten, obwohl die Bedingungen, wie auch in anderen Unternehmen, durch die ständig sinkenden Erzeugerpreise und auch deutlich steigende Landmaschinenpreise immer schwieriger werden. Analog äußerte sich auch Uwe Erl vom Landwirtschaftsunternehmen Oldisleben. Auch die Milchpreise sind wieder mal im freien Fall. Auf Dauer wird das nicht zu verkraften sein, so Schlepper, obwohl er das Fazit zog, noch mit blauem Auge davon gekommen zu sein.
Zusätzlich kommen die Probleme mit der Dürre in diesem Jahr dazu. Man rechnet beim Getreide mit einem Rückgang des Ertrages von rund 30 Prozent, zumindest im Kyffhäuserkreis. In Thüringen insgesamt sieht es nicht ganz so schlimm aus, wegen der unterschiedlichen Regenmengen.
Dr. Uwe Rößler von der Versuchsstation Kirchengel gab einen Überblick über die Klimasituation. Mit Grafiken zeigte er nicht nur den überdurchschnittlichen Anstieg der Durchschnittstemperaturen in den letzten 10 Jahren.
Besonders negativ wirkte sich der Niederschlagsmangel aus. Besonders in der Hauptwachstumsperiode (April, Mai und Juni) gab es einen drastischen Mangel an Niederschlägen, verbunden mit teils sehr hohen Temperaturen. In Kirchengel musste sogar ein Maisversuch abgebrochen werden. Der Bodenwassergehalt lag für die Pflanzen an einem Existenzminimum.
Dr. Peter unterstrich mit seinem Satz:
"Trockenheit sorgt für geringere Erträge und der Preisdruck an den Märkten sorgt für geringere Erträge.
Auch Dr. Peter unterstrich den Ernteausfall beim Winterweizen mit 30 Prozent. Auch die Ernte des Winterraps fiel unterdurchschnittlich aus. Niht ganz so schlimm war es beim Winterweizen.
Festzustellen sei aber auch das es zum Teil heftige Ausfälle durch die Feldmauspopulation gab. In der Diskussion verwies Hartmut Thiele zu diesem Thema, es sei illusorisch zu hoffen, dass sich die Feldmauspopulation von allein wieder verringert. Er forderte, dass die Landwirte besser gegen die Population ankämpfen dürfen.
Auch das Grünland bereitete durch die Trockenheit Sorge. Während der erste Schnitt noch ging (nur 40 bis 60 % des sonstigen Mittels) fiel der zweite und dritte Schnitt teils ganz aus. Grünland ist aber die Futtergrundlage für die rinder- und schafhaltenden Betriebe.
Nicht nur in der Milchwirtschaft gibt es erhebliche Preisprobleme. Das Gleich trifft auch die Produzenten von Schweinefleisch. Auch die Erlöse für Wolle und Fleisch bereitet Sorge in der Schafwirtschaft. Deshalb gehen im Kyffhäuserkreis die Bestände an Schafen zurück. Dabei ist die Schafhaltung wichtig für die Landschaftspflege, wurde in der Runde betont.
Zwar heißt es in der Witschaft, wenn der Bedarf steigt, steigt auch der Preis. Trotz steigender Nachfrage nach Bioprodukten, konstatierte Uwe Erl aber das Gegenteil, auch die Preise für Bioprodukte sinken rapide, so dass es kaum noch lohnt, Bioprodukte anzubauen.
Einen vollständigen Überblick zur Situation können Sie in einem Bericht von Dr. Peter vertiefen:
Erntegespräch
Sehr viel wurde auch über das Image der Landwirtschaft unter den Landwirten diskutiert. Bernd Schlepper brachte es auf den Punkt, wir vergiften unsere Lebensmittel nicht. Landwirte fühlen sich oft missverstanden. Wir machen sehr wohl viel für das Tierwohl, wurde in der Runde unterstrichen. Wir kommen aber auch an die Grenze unser Leistungsfähigkeit, wurde unterstrichen, wenn Forderungen des Tierschutzes umgesetzt haben und nach fünf Jahren neue Forderungen kommen, die schon wieder erheblich Umbauten nach sich ziehen müssen.
Einig war man sich, wir müssen mehr für die Öffentlichkeitsarbeit tun. Und dieses Erntegespräch sollte ein erster Anfang im Kreis sein.






