Herbstprogramm des Panorama Museums
T.S. Brooks im Konzert
Sonntag, 06. September 2015, 18:50 Uhr
Beim Auftritt des amerikanischen Liedschreibers, Gitarristen und Sängers T.S. Brooks
am Freitag in der Eingangshalle des Panorama Museums war auch Fred Böhme vom Panoramamuseum dabei...
Am vergangenen Freitagabend (4.9) startete das Herbstprogramm des Panorama Museums mit dem Solokonzert von T.S. Brooks, einem amerikanischen Liedermacher, der seit einigen Jahren in Berlin lebt und sich dem eher melancholisch-poetischen Song verschrieben hat.
Für ein Konzert mit Novembertraurigkeit Anfang September Besucher zu gewinnen, ist nicht unbedingt einfach. War es eine vorübergehende Veranstaltungsflaute in und um Bad Frankenhausen oder das plötzliche Abklingen des Sommers mit einem ziemlichen Temperatursturz, dieses Solokonzert hatte jedenfalls ein überraschend großes Publikumsinteresse geweckt und war letztlich mit fast 60 zahlenden Gästen nicht schlecht besucht gewesen.
T. S. Brooks Stücke zeichnen sich mal durch recht schlichte, dann wieder vertrackt komplizierte Melodien aus und dazwischen Songs, deren Melodien sich wie ein Ohrwurm im Gedächtnis festhaken wie dieses Bury Me With Favorite Fish oder City Job. Er trägt sie mit einer markanten, recht tiefen, aber dennoch erstaunlich modulationsfähigen Stimme vor. Sein Gesang ist eher ruhig, zurückgenommen, ein wenig in sich gekehrt. Man hatte fast den Eindruck, er singt für sich allein wie auf der Veranda sitzend und lässt eher zufällige Gäste freundlich an seinen Liedern Anteil nehmen.
Sein Gesangsvortrag ist keiner der großen Gesten, des auftrumpfenden Entertainertums, sondern ganz auf den Song konzentriert. So auch seine eher sparsame Gitarrenbegleitung, ein recht gekonntes Gitarrenpicking, das allerdings fern fingerflinker Saitenakrobatik angesiedelt ist, seltener auch einfaches Akkord-Strumming. Aber wie oft ist das simpel Erscheinende das Allerschwerste. Man musste sich auf seine Lieder einlassen, genau zuhören, dann erst erschloss sich dem Zuhörer der reiche Kosmos von T.S. Brooks Musik, denn mit feinsten stimmlichen und gitarristischen Nuancen gestaltete er die Dramaturgie seines Konzertabends. Und das funktionierte selbst in dieser Solobesetzung, was einer Reduktion seiner Songs auf das Allerwesentlichste gleichkam, quasi reduziert auf deren Knochengerüst.
Mitunter war es eine leichte Verzögerung eines angespielten Akkords oder nach fließendem Fingerpicking-Spiel ein abrupt angeschlagener Cluster-Akkord, das alles sorgte für überraschende Kontraste. Ich empfand das spannend, anderen Anwesenden erschien seine Musik eher gleichförmig und etwas zu melancholisch. Die Stimmung seiner Stücke war in der Tat überwiegend in Moll und wäre der ideale Novembersoundtrack gewesen.
T.S. Brooks im Konzert (Foto: Fred Böhme)
Neben Stücken seiner CDs The Spanish Years, Tertiary Allotment Is A Delightfulness und der aktuellen Berliner Produktion Alles Gute gab es auch musikalische Verbeugungen vor seinen musikalischen Songschreiberhelden wie Neil Young, Bob Dylan, Townes Van Zant und Dave Van Ronk, wobei es sich eher um unbekanntere Stücke handelte, die er sich auch stilistisch ganz zu eigen gemacht hatte, also wirkliche Neuinterpretationen der Stücke.
Bei drei Stücken war auch der Konzertorganisator gefordert, unterstützte TS mit kleineren Einlagen auf der Mundharmonika, was seinen Stücken eine zusätzliche Klangfarbe verlieh und vom Publikum dankbar aufgenommen wurde. Fazit: Es war ein leiser, sehr stimmungsvoller Konzertabend, der aber die volle Aufmerksamkeit seiner Besucher erforderte und bei dem man wieder einmal schmerzlich über das Schulenglisch hinaus gehende Sprachkenntnisse vermisste und einem so manche textliche Schönheit verschlossen blieb.
Text und Fotos: Fred Böhme
Autor: khham Freitag in der Eingangshalle des Panorama Museums war auch Fred Böhme vom Panoramamuseum dabei...
Am vergangenen Freitagabend (4.9) startete das Herbstprogramm des Panorama Museums mit dem Solokonzert von T.S. Brooks, einem amerikanischen Liedermacher, der seit einigen Jahren in Berlin lebt und sich dem eher melancholisch-poetischen Song verschrieben hat.
Für ein Konzert mit Novembertraurigkeit Anfang September Besucher zu gewinnen, ist nicht unbedingt einfach. War es eine vorübergehende Veranstaltungsflaute in und um Bad Frankenhausen oder das plötzliche Abklingen des Sommers mit einem ziemlichen Temperatursturz, dieses Solokonzert hatte jedenfalls ein überraschend großes Publikumsinteresse geweckt und war letztlich mit fast 60 zahlenden Gästen nicht schlecht besucht gewesen.
T. S. Brooks Stücke zeichnen sich mal durch recht schlichte, dann wieder vertrackt komplizierte Melodien aus und dazwischen Songs, deren Melodien sich wie ein Ohrwurm im Gedächtnis festhaken wie dieses Bury Me With Favorite Fish oder City Job. Er trägt sie mit einer markanten, recht tiefen, aber dennoch erstaunlich modulationsfähigen Stimme vor. Sein Gesang ist eher ruhig, zurückgenommen, ein wenig in sich gekehrt. Man hatte fast den Eindruck, er singt für sich allein wie auf der Veranda sitzend und lässt eher zufällige Gäste freundlich an seinen Liedern Anteil nehmen.
Sein Gesangsvortrag ist keiner der großen Gesten, des auftrumpfenden Entertainertums, sondern ganz auf den Song konzentriert. So auch seine eher sparsame Gitarrenbegleitung, ein recht gekonntes Gitarrenpicking, das allerdings fern fingerflinker Saitenakrobatik angesiedelt ist, seltener auch einfaches Akkord-Strumming. Aber wie oft ist das simpel Erscheinende das Allerschwerste. Man musste sich auf seine Lieder einlassen, genau zuhören, dann erst erschloss sich dem Zuhörer der reiche Kosmos von T.S. Brooks Musik, denn mit feinsten stimmlichen und gitarristischen Nuancen gestaltete er die Dramaturgie seines Konzertabends. Und das funktionierte selbst in dieser Solobesetzung, was einer Reduktion seiner Songs auf das Allerwesentlichste gleichkam, quasi reduziert auf deren Knochengerüst.
Mitunter war es eine leichte Verzögerung eines angespielten Akkords oder nach fließendem Fingerpicking-Spiel ein abrupt angeschlagener Cluster-Akkord, das alles sorgte für überraschende Kontraste. Ich empfand das spannend, anderen Anwesenden erschien seine Musik eher gleichförmig und etwas zu melancholisch. Die Stimmung seiner Stücke war in der Tat überwiegend in Moll und wäre der ideale Novembersoundtrack gewesen.
T.S. Brooks im Konzert (Foto: Fred Böhme)
Neben Stücken seiner CDs The Spanish Years, Tertiary Allotment Is A Delightfulness und der aktuellen Berliner Produktion Alles Gute gab es auch musikalische Verbeugungen vor seinen musikalischen Songschreiberhelden wie Neil Young, Bob Dylan, Townes Van Zant und Dave Van Ronk, wobei es sich eher um unbekanntere Stücke handelte, die er sich auch stilistisch ganz zu eigen gemacht hatte, also wirkliche Neuinterpretationen der Stücke.Bei drei Stücken war auch der Konzertorganisator gefordert, unterstützte TS mit kleineren Einlagen auf der Mundharmonika, was seinen Stücken eine zusätzliche Klangfarbe verlieh und vom Publikum dankbar aufgenommen wurde. Fazit: Es war ein leiser, sehr stimmungsvoller Konzertabend, der aber die volle Aufmerksamkeit seiner Besucher erforderte und bei dem man wieder einmal schmerzlich über das Schulenglisch hinaus gehende Sprachkenntnisse vermisste und einem so manche textliche Schönheit verschlossen blieb.
Text und Fotos: Fred Böhme

