kyffhaeuser-nachrichten.de
Kulturszene aktuell

„Wenn einer eine Reise tut…“

Donnerstag, 24. September 2015, 08:53 Uhr
Unter dem Motto „Aus der Musikgeschichte von Bad Frankenhausen – visuelle musikalische Reise“ fand im Regionalmuseum Bad Frankenhausen ein kurzweiliger, interessanter, informativer und abwechslungsreicher Abend statt, wie kn erfahren hat...

Eingeladen hatten Dr. Ullrich Hahnemann und seine „musikalische Begleiterin“ Kantorin Laura Schildmann. Es war ein weiterer Programmpunkt im Rahmen der Feierlichkeiten „800 Jahr Kirche an diesem Platz“.
Dr. Hahnemann wäre nicht Dr. Hahnemann, wenn er nicht Überraschendes bieten würde.
Sein Vortrag gliederte sich in vier Kapitel.

„Wenn einer eine Reise tut…“ (Foto: Schreiber (Regionalmuseum)) „Wenn einer eine Reise tut…“ (Foto: Schreiber (Regionalmuseum))

Als musikalisch interessierter Bürger glaubt man schon fast alles zu kennen, doch schon beim 1. Kapitel „Zwei Kontrabaß-Dulciane für die Hofkapelle in Sondershausen“ wurde man eines Besseren belehrt. In der Musikinstrumentensammlung des Schloßmuseums Sondershausen sind zwei „Kontrabaß-Dulciane“ von fast 2m Gesamtlänge zu bewundern (sind die Vorgänger des Fagotts). Gefertigt hat sie der Frankenhäuser Flöten- bzw. Pfeifenmacher Johann Bohlmann, der sich zwischen 1660 und 1681/82 nachweisen lässt. Seine Qualitätsarbeit zeigt sich auch darin, daß er 1668 und 1671 je eine „Octav-Bombart“ an die Thomas-Kirche in Leipzig liefert. Eine „Bombart“ als Vorläufer von Oboe und Fagott, ist ein schalmeienartiges Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, welches im 16. und 17. Jahrhundert in verschiedenen Größen gebräuchlich war. Beide Instrumente sind laut Inventar noch zu Zeiten von Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) als Thomaskantor (1723-1750) im Bestand.
Natürlich ist den Musikfreunden der Region auch bekannt, daß der nachweislich letzte Brief Bachs nach Frankenhausen gesendet wurde.

Kapitel 2 beschäftigte sich mit „Frankenhausen als Wiege des Ersten Deutschen Musikfestes 1810“. Neben den bekannten Fakten erfuhren die Besucher aber auch sehr viele Details, die für die erfolgreiche Organisation solcher Feste notwendig waren, gab es weder Eisenbahn, Telefon, Fax oder ähnliches. Beziehungen waren zu allen Zeiten wichtig!

Im 3. Kapitel ging es um „Frankenhausen, eine Stadt mit Orgelbautradition“. Die Orgelbautradition reicht von Orgelmacher Johann Nordt (North) (1665 in? – 1716 in Frankenhausen) – er baute 1703 die (kleinere) Orgel in die Unterkirche – über Julius Alexander Strobel (geboren: 07.Oktober. 1814 in Bösenbrunn im Vogtland - gestorben: 24.August 1884 in Frankenhausen) bis zu seinen Söhnen Reinhold und Adolph Strobel. Diese Tradition endet in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Das letzte Kapitel „Vom Stadtmusikus zur Stadt- und Kurkapelle Frankenhausen“ führte die Musikfreunde von Anfang 1800 bis in die Gegenwart. So veranstaltete schon Kantor Bischoff zusammen mit Stadtmusikus Löscher auf dem Rathaussaal Konzertreihen. Mit der Einführung der Gewerbefreiheit 1864 in Schwarzburg-Rudolstadt wird aus dem Stadtmusikus der Stadtkapellmeister oder städtische Musikdirektor, der aber dennoch weiterhin die Pflicht hatte, den Kantor hinsichtlich der Kirchenmusik zu unterstützen. Die Stadt- und Kurkapelle besaß daher auch das Recht, die historischen Pauken der Unterkirche zu verwenden.

1890 wurde nach dem Vorbild von Bad Kösen der noch heute vorhandene Musikpavillon im Kurpark errichtet. Leider wird er seit mehreren Jahren nur einmal pro Jahr genutzt – zum Leidwesen der Besucher, die sich eine häufigere Nutzung wünschten. Nach dem Ersten Weltkrieg prägte Musikdirektor Otto Preuße das kommunale Musikleben – manche alten Frankenhäuser werden sich noch an ihn erinnern. Nach dem 2. Weltkrieg gab es noch eine Weile eine Kurkapelle, die aber dann aus Kostengründen eingespart wurde. Es ist aber erfreulich, daß diese Tradition heute durch die Kur- und Touristen GmbH mit den sommerlichen Kurkonzerten im Quellgrund fortgesetzt werden.

Damit Dr. Hahnemann auch mal „Luft holen“ konnte, spielte zwischen den einzelnen Abschnitten Kantorin Laura Schildmann passende Stücke am Flügel von Klassik bis Schlager und illustrierte so musikalisch gekonnt die einzelnen Zeitepochen.

„Wenn einer eine Reise tut…“ (Foto: Schreiber (Regionalmuseum)) „Wenn einer eine Reise tut…“ (Foto: Schreiber (Regionalmuseum))

Am Ende war beiden der Dank der Besucher über den informativen und musikalischen Abend gewiss in der Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr über die kulturelle Geschichte der Stadt Bad Frankenhausen zu erfahren.

Text: Zimmer / Fotos: Schreiber (Regionalmuseum BFH)
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de