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Kommentare in den Nordthüringer Onlinezeitungen

In eigener Sache: Das Forum

Dienstag, 06. Oktober 2015, 13:27 Uhr
Wird die nnz ein Tummelplatz rechter Gesinnungsgenossen? Diese Befürchtung äußerte heute ein nnz-Leser und schlug vor, die Kommentarfunktion für bestimmte Artikel ganz abzuschalten. Warum wir das nicht tun werden, erklärt die Redaktion in einem Kommentar zu unseren Kommentaren...


Die nnz erreichte heute eine Leserzuschrift, welche die Kommentare auf unserer Plattform zum Thema hatte. Der Autor befürchtet das der Kommentarbereich der nnz, insbesondere beim Thema Flüchtlinge, zunehmend vom rechten Spektrum übernommen wird und rechte Parolen und Propaganda hier ungehindert einen Platz finden. Er legte zudem der Redaktion nahe, über ein Abschalten der Kommentarfunktion nachzudenken, um diesem Gedankengut nicht weiter Raum zu geben.

Die Redaktion macht sich hierzu schon seit geraumer Zeit Gedanken und wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir die Kommentarfunktion nicht abschalten werden. Das wäre ein Fehler. Nicht wegen der Click-Zahlen. Zu behaupten diese wären für uns nicht von Bedeutung, wäre gelogen, hier geht es uns aber um eine einfache Grundsatzfrage: Meinungsfreiheit oder nicht.

Als es das Internet (und andere Medien) noch nicht gab, da musste, wer seine Meinung kundgeben wollte, in die Öffentlichkeit gehen, an einem belebten Platz sprechen und Zuhörer finden. Bei den Griechen und Römern waren das die Agora oder das Forum, zentrale Marktplätze einer Gemeinschaft. Daher rührt auch der Begriff, den wir heute für die digitalen Formen des Meinungsaustauschs nutzen, ein moderner Meinungs-Marktplatz, wenn man so will.

Ein Forum bietet in unserem Verständnis Platz für alle Meinungen, solange sie nicht beleidigend, Volksverhetzend oder anderweitig justiziabel sind. Der öffentliche Raum lebt heute nur noch in Bürgerversammlungen, gelegentlich in Ratssitzungen oder auf Demonstrationen, die eigentliche Debatte aber hat sich ins Netz verlagert, ist in Leserzuschriften und Kommentarspalten zu finden. Oder sollte es zumindest sein.

Die Frage nach den Kommentaren auf der nnz ist für die Redaktion nichts neues. Des öfteren wird man von Bekannten angesprochen, wie man „sowas“ denn zulassen könnte, das könne ja keiner mehr lesen, ob man das nicht unterbinden könne: ähnliche Argumente wie sie im obigen Beitrag zu finden sind begegnen uns immer wieder und unsere Antwort wird immer gleich ausfallen: dies ist auch ihr Forum. Es ist auch für uns oft nicht immer leicht zu ertragen, was unsere Mitbürger da schreiben und dennoch tun wir das. Weil wir allen Meinungen Raum geben wollen und weil wir davon ausgehen, das unsere Leserschaft die Intelligenz besitzt, selber einschätzen zu können wie valide ein Argument ist und aus welcher gedanklichen Richtung es kommt.

Viele Kommentare, gerade in Sachen Flüchtlingskrise, kommen zur Zeit aus einer Richtung der Debatte, das lässt sich nicht verneinen. Unserer Ansicht nach kann eine Abschaltung der Kommentarfunktion darauf aber keine Antwort sein. In den Onlineauftritten einiger großer Medienmagazine ist das deaktivieren der Kommentarfunktion inzwischen alltäglich, sei es zur Flüchtlingsfrage, Ukrainekonflikt, Griechenlandkrise und anderer kontroverser Themen. Das muss keiner geheimen Verschwörung oder absichtlicher Zensur geschuldet sein, sondern kann einfach daran liegen, dass die Masse der Kommentare, die bei den großen Portalen ankommen, rein personell nicht mehr moderiert werden können, wozu man aber rein rechtlich verpflichtet ist.

Wir als nnz konnten das selbst am eigenen "Leibe" erfahren, als Spiegel Online über das Dekolleté von Nordhausen berichtete. Als die dazugehörigen Kommentare der Spiegel-Autorin und der Redaktion nicht mehr "passten" wurde sie abgeschaltet.

Ein Medium, das die Kommentarfunktion nicht abschaltet ist die "Zeit" und auch deren Leser müssen gerade bei Artikeln zur Flüchtlingsproblematik "einiges aushalten".

In jedem Fall trägt das Abschalten nicht dazu bei, das Vertrauen in die klassischen Medien wieder herzustellen. Die Nordthüringer Onlinezeitungen sind in der glücklichen Lage die Kommentare überblicken und moderieren zu können, auch deswegen werden die Kommentarspalten offen bleiben.

Daher ein Appell an all jene, die meinen hier entstehe ein rechter Tummelplatz. Ja, in den Kommentaren wird zur Zeit eine Seite der aktuellen Debatte sehr stark vertreten und manchmal, wie schon erwähnt, bewegen sich die Meinungen an der Grenze des erträglichen. Aber, liebe Leserinnen und Leser, die sich davon abgestoßen fühlen: dies ist auch Ihr Forum!. Ihr „moderner Marktplatz der Meinungen“, an dem Sie ihre Sicht der Dinge kundtun können.

Die nnz ist in den letzten Jahren stark gewachsen und unsere Artikel werden von vielen, vielen Menschen gelesen. Aber nur ein Bruchteil unserer Leserschaft kommentiert auch. Nehmen sie einen der aktuellen „Top Ten“ Artikel: „Marschieren am Feiertag der Deutschen“. Dieser Beitrag allein wurde in der ersten Stunde 12.125 mal „angeclickt“. Kommentiert wurde er von gerade mal 14 Personen. Insofern ist das Forum kein Abbild der realen Meinung in der Region, auch darauf weisen wir in Gesprächen immer wieder hin und haben diesen Punkt auch in Beiträgen herausgestellt.

Unsere eigene Erfahrung in der aktuellen Flüchtlingskrise etwa unterscheidet sich zwischen dem „Alltag“ auf der Straße und dem was wir im Forum lesen müssen, zum Teil erheblich.

Wir bieten den Raum für Meinungen und sorgen dafür, dass gesetzeswidrige und beleidigende Äußerungen außen vor bleiben. Das Forum zu einem Platz der Pluralität zu machen ist nicht unsere Aufgabe, sondern mit Verlaub: Ihre, liebe Leserinnen und Leser. Auch innerhalb der Redaktion gibt es unterschiedliche Meinungen, ein Umstand, den die Nordthüringer Onlinezeitungen nach unserer Ansicht auch in ihren Beiträgen widerspiegeln. Damit diese Kultur auch im Forum Einzug hält, bedarf es der Partizipation eines größeren Teils der Leserschaft und nicht nur derer, die jetzt schon kommentieren.

Wenn Sie sie also das nächste Mal einen Kommentar oder eine Meinung unpassend, falsch oder tendenziös finden, dann ärgern Sie sich nicht, sondern antworten Sie. Lassen Sie Aussagen, die Ihnen nicht gefallen, nicht unwidersprochen stehen. Der öffentliche Raum ist heute nicht mehr auf der Straße, sondern im Netz zu finden und das Forum der Nordthüringer Onlinezeitungen steht deswegen jedem offen, nutzen Sie diese Möglichkeit.
Die Redaktion

Anm. d. Red.: In einer früheren Version des Artikels war die Zuschrift des Lesers wortwörtlich wiedergegeben.
Autor: red

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