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Sondershausen

Viel Zuspruch bei Tagen der jüdisch-israelischen Kultur

Mittwoch, 04. November 2015, 00:08 Uhr
Gestern wurden in Sondershausen die Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur mit zwei Veranstaltungen fortgesetzt und erlebten einen großen Besucherzuspruch...

Die Tage, übrigens bereits das 23. Mal stattfinden, wurden das erste Mal in Sondershausen durchgeführt. Sie finden seit dem 24. Oktober bis zum 21. November 2015 in verschiedenen Städten der Region stattfinden und mit Führungen, Lesungen, Vorträgen, Musik und Theater Einblicke in das jüdische Leben gestern und heute, hier und anderswo, vermitteln wollen. Gestern fand bereits die 4. Veranstaltung in Sondershausen statt.


Am gestrigen Abend lud die Stadtbibliothek „Johann Karl Wezel“ zu einem Vortrag mit Angelika Timm ein, die langjährige Büroleiterin der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Tel Aviv und Autorin des Buches „Hammer, Zirkel, Davidstern“ ist, und über das komplizierte Verhältnis der DDR zu Zionismus und dem Staat Israel sprach.

Ihre sehr kenntnisreichen Ausführungen beruhen auf Quellenmaterial aus Archiven der USA, Kanadas, Israels (zumindest für die Jahre bis 1967) und der ehemaligen DDR, auf umfassendem Pressematerial und Zeitzeugenbefragungen. Interessant, wie sie die drei Perioden der politischen Zusammenarbeit DDR / Israel herausarbeitete.

Dabei kamen viele Details zur Sprache, die man so nicht vermutet hätte. Oder wussten Sie, dass die damalige Tschechoslowakei im Jahre 1948 beim ersten israelischen Krieg die Waffen lieferte?
Zwar konnte man die DDR nicht antisemitisch bezeichnen, so Timm, aber es gab 1952/53 eine Welle antisemitischer Aktionen in der DDR.
Annäherungen gab es 1961, als die DDR damals mit Materialien den in Israel geführten Prozess gegen SS-Mann Eichmann unterstützte. Es gab sogar Solidaritätspostkarten, die aus der DDR nach Israel gingen und dort in den Archiven lagern.

Nicht überraschte, dass die DDR-Politik gegenüber Israel wesentlich von der SU und dem Warschauer Pakt geprägt waren. Als es 1989/90 zu einer möglichen gegenseitigen politischen Anerkennung kommen sollte, wurde die Ereignisse von der Wende und besonders dem Beitritt der DDR zur BRD überrollt. Übrigens war der Mauerfall in Israel sogar anfangs mit Sorge beobachtet worden.

Veranstalter waren die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Alte und Kleine Synagoge Erfurt e.V. und die Stadtverwaltung Sondershausen. Recht schnell ging die Zeit bei dem interessanten Vortrag vorbei. Die Leiterin der Bibliothek, Christine Most hatte die rund 30 Besucher begrüßt und Herr Münch vom Förderverein führte durch die Veranstaltung und freute sich über die rege Beteiligung.

Bereits am Nachmittag fand eine Führung über den jüdischen Friedhof am Spatenberg statt.

Viel Zuspruch bei Tagen der jüdisch-israelischen Kultur (Foto: Jürgen Kieper) Viel Zuspruch bei Tagen der jüdisch-israelischen Kultur (Foto: Jürgen Kieper)

Bettina Bärnighausen vom Schlossmuseum Sondershausen verweist auf „Steine, Namen, Lebenswege“ jüdischer Sondershäuser Familien und berichtet über die Geschichte dieses abseits der Stadt gelegenen alten Begräbnisortes. Mit 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war diese Führung gut besucht.
Autor: khh

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