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Asylpolitik

Rede - Demo gegen Rechts

Dienstag, 08. Dezember 2015, 22:41 Uhr
Auf der Demonstration von „Bündnis gegen Rechts im Kyffhäuserkreis“ und Kirchenkreis Bad Frankenhausen-Sondershausen protestierten viele Menschen aus Sondershausen und Umgebung gegen die NPD-Kundgebung am Busbahnhof. Dabei wollte Pastorin Steffi Wiegleb, 1. Stellvertreterin des Superintendenten Kristóf Bálint, der terminlich anders gebunden war, eine Rede halten, die ob des langanhaltenden Regens nicht gehalten werden konnte. Wir veröffentlichen hier den Redebeitrag von Pastorin Wiegleb:

Liebe Mitstreiter unserer Region,
es ist unschwer zu erkennen, dass wir in der Adventszeit angekommen sind. Überall leuchten Kerzen und erhellen die Dunkelheit. Es ist gemütlich und friedlich anzusehen. Dennoch geschehen unter diesen Lichtern Dinge, die uns den Schrecken der Zeit vor Augen führen. Da gibt es Pläne, um mit Gewalt Länder zu befrieden, damit man dort in Frieden leben kann. Da sind Parolen zu hören, die Menschen vertreiben sollen.

Da sind aber auch Sätze, die Mut machen wollen, ganz anders klingen, auf den Menschen in seiner Not blicken und das anerkennen. Da sind Menschen, die versuchen zu helfen und auf den anderen zugehen, Türen und Herzen öffnen und dem anderen Sicherheit gewähren.
Wir sind in der Adventszeit, die eine Familienzeit ist und doch für viele keine ist, denn die Familien sind weit verstreut. Da läuft zurzeit ein Werbespott eines Discounters, der einen einsamen Mann zeigt, der seine Lieben um sich haben will. Er versendet seine Todesnachricht – und plötzlich kommen seine Lieben. – Auf den ersten Blick eine klare Botschaft. Auf den zweiten Blick erkennt man darin auch: Er hat gehandelt, bevor es zu spät war!

Handeln, bevor es zu spät ist, ist eine beliebte Parole. Wir sind heute hier, und bringen den Mut auf, etwas gegen Verachtung und Hetze zu tun. Wir lassen Lichter leuchten in der Hoffnung, dass vielen ein Licht aufgeht. Es müssten viel mehr sein, denn der Grund dieser Treffen ist ernst und betrifft jeden. Nicht erst zu handeln, bevor es zu spät ist und der Hass und die Verachtung sich verbreitet. In Momenten, wo Unterkünfte brennen, unter Wasser gesetzt oder belagert werden, ist es zu spät. Aber es ist nie zu spät etwas dagegen zu tun. Es ist nie zu spät den anderen zu akzeptieren, gegen eingeredete und tatsächliche Ängste und Befürchtungen anzugehen.

Es ist allzu leicht, die glatten und einfachen Parolen der selbsterklärten „echten Deutschen“ nachzuplappern, ohne selbst darüber nachzudenken. Wenn alle vertrieben sind, die nicht so sind, wie ich oder ich sie haben will, dann ist man allein!

Rede - Demo gegen Rechts (Foto: Karl-Heinz Herrmann) Rede - Demo gegen Rechts (Foto: Karl-Heinz Herrmann)

Es ist feige, diese Parolen einfach zu brüllen. Es ist feige, diese Parolen einfach zu ignorieren. Deshalb sind wir hier, um zu zeigen, dass es unter uns hier in der Region viele Mutige gibt, die den anderen als Hilfesuchenden sehen und ihn in seiner Not anerkennen.
Wir brauchen Menschen mit dem Mut:

- Augen, Ohren und Herzen zu öffnen - für die Bedrängten, Benachteiligten und Bedrohten unserer Zeit.
- den Mund aufzumachen, gegen allzu einfache und platte Scheinlösungen, alte Hassparolen und neue Feindbilder.

Diese mutigen Menschen erleben wir hier. Die erleben wir gerade auch im Alltag, in den Familien, in Schulen und Kindergärten, auf Arbeit, in den Kirchen, auf der Straße und sogar in mancher Kneipe beim Bier.

Mut heißt nicht, dass man keine Angst hat! Mut ist, mit und gegen die Angst zu reden, dagegen zu leben und zu handeln.

Als Pastorin in dieser Region, sage ich es gerne mit Worten eines jungen Mädchens, die viel Angst erfahren hat. Corrie ten Boom schrieb. „Mut ist Angst, die gebetet hat.“

Es ist an uns, mutig gegen die Verachtung aufzustehen.
Autor: khh

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