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Friedenslicht von Bethlehem

Viele Menschen holten das Licht nach Hause

Sonntag, 13. Dezember 2015, 22:10 Uhr
Viele Menschen waren am Nachmittag in die Kirche St. Maria Magdalena in Leinefelde gekommen. Im Ökumenischen Gottesdienst wurde das Friedenslicht entsandt. Angereist waren auch Pfadfinder aus vielen Teilen Thüringens.....

Friedenslicht (Foto: Ilka Kühn) Friedenslicht (Foto: Ilka Kühn)

Ein gemeinsames Abschlussbild mit den Pfadfindern, die das Licht ins Land bringen.

Pfarrer Markus Könen konnte in der Leinefelder auch besonders den Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke und Superintendent Andreas Piontek von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), die evangelischen Pfarrer Traugott Eber und Michael Göring sowie Kaplan Philipp Förter begrüßen.

Friedenslicht (Foto: Ilka Kühn) Friedenslicht (Foto: Ilka Kühn)


Der Advent ist geprägt von ganz vielen Zeichen. Ein ganz wichtigtes Zeichen ist das Zeichen des Lichtes. Wir wollen das Friedenslicht leuchten lassen, sagte Markus Könen.

Andreas Piontek verwies darauf, was uns allen das Licht bedeute. In diesem Jahr stehe es auch für Gastfreundschaft, für alle Menschen, die auf der Flucht sind.

Kirche St. Maria Magdalena  (Foto: Ilka Kühn) Kirche St. Maria Magdalena (Foto: Ilka Kühn)


Von der großen Hilfsbereitschaft sprach auch Weihbischof Reinhard Hauke. Er sagte aber auch, wie Wunden vernarben, wenn man Gutes tut. Aus seiner Predigt: Schönheitsfasten ist „in“. Damit wir in Kleidung passen, die in den Schaufenstern oder im Katalog zu sehen ist, nehmen wir Strapazen auf uns.

Der Prophet Jesaja hat Schaufenster und Kataloge nicht im Sinn, als er in seinem Buch vom Fasten spricht. Es geht ihm um den Weg des Menschen zur Vollkommenheit wie Gott selbst. Das klingt gewaltig und ist es auch, denn Gott hat uns eingeladen, seine Freunde zu sein, seine Söhne und Töchter. Der Prophet Jesaja konnte jedoch nur dieses Ähnlichsein ankündigen. Der Christ kennt den Weg, der diese Ankündigung verwirklicht: durch Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes.

Jesaja schon nennt praktische Beispiele für das Ähnlichwerden mit Gott: Fesseln des Unrechts lösen, Stricke des Jochs entfernen, Hungrigen Brot geben, Obdachlose beherbergen, Nackte bekleiden und die Gemeinschaft der Familie suchen und gestalten. Vielen von uns kommen dabei sowohl die Flüchtlinge in den Sinn, als auch die Helferinnen und Helfer, die innerhalb und außerhalb der Kirche tätig sind. Dadurch wird es ein Licht geben, sagt der Prophet Jesaja. Das Licht ist DEIN Licht und nicht irgendein technisches oder Kerzenlicht. DU wirst zum Licht und die Menschen haben die Erfahrung von Orientierung und Wärme. Das Licht der Morgenröte ist noch nicht so stark wie das Licht der Sonne am Mittag. Es deutet jedoch schon auf Größeres hin. Es wird noch wachsen. Vielleicht meint der Prophet damit das Licht des Messias, das wir im Advent erwarten und heute durch das Licht von Bethlehem besonders im Blick ist, denn dieses Licht aus Bethlehem kommt vom Ort der Geburt des Messias. Die Werke der Barmherzigkeit werden mir selbst gut tun – Wunden werden bei mir vernarben, sagt der Prophet, wenn ich Gutes tue. Das kann ein Ansporn sein, über mich hinaus zu gehen.

Ich habe den Eindruck, dass der Prophet uns sagen will: Es ist so einfach, Gott ähnlich zu werden, sein Licht in die Welt zu bringen und sein Heil den Menschen erfahrbar zu machen. Ist es wirklich so oder ist der Prophet ein Utopist?

Friedenslicht - Gottesdienst (Foto: Ilka Kühn) Friedenslicht - Gottesdienst (Foto: Ilka Kühn)


Wir erleben neben der großen Hilfsbereitschaft der Christen und Nichtchristen auch die Demonstrationen gegen Flüchtlinge. Bis in unsere Familien hinein ist das Thema der Flüchtlingswelle ein Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Dürfen wir aus Angst davor, dass dieses Thema heiß ist, es auch vermeiden?

Ich mache es so in diesem Jahr: Ich werde sowohl zuhören als auch meine Meinung sagen. Ich werde mein Bekenntnis zur Mitmenschlichkeit im Hinweis auf den Flüchtling Jesus Christus ausdrücken und von seiner Art reden, die uns immer wieder erstaunen lässt: Mit einer fremden Samariterin spricht er am Jakobsbrunnen, dem römischen Hauptmann von Kapharnaum heilt er den Diener und er hat auch mich berufen, ein Christ zu sein, obwohl ich doch weiß, wie schwach ich bin in meiner Überzeugungskraft – auch als Weihbischof. Warum kommen nicht die Scharen der Menschen zu meinem Licht gelaufen? Warum gibt es keine Heilung der Wunden in meinem Umfeld? Gott sagt mir und uns allen: „Mache es nicht allein, sondern mache es mit mir und im Vertrauen auf meine Kraft!“

Abschluss des Friedenslicht-Gottesdienstes (Foto: Ilka Kühn) Abschluss des Friedenslicht-Gottesdienstes (Foto: Ilka Kühn)


Das Licht von Bethlehem soll verteilt werden und kein persönlicher Schatz sein. Schon sein Leuchten zeigt, was es will: Verteilt werden und größer werden. Das Licht, das wir verteilen, soll den Weg zeigen, den wir mit unseren guten Werken nachzeichnen sollen. Da gibt es keine Grenzen und Zäune. Machen wir es dem Licht nach. Amen.

Die Menschen in der Kirche ließen sich ihre mitgebrachten Kerzen in kleinen Laternen oder in Glasbehältern mit der Flamme des Friedenslichtes anzünden und lassen es nun zu Hause leuchten.
Ilka Kühn
Autor: en

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