Jahresende in der Dichterstätte
Literatur, Kunst und Musik
Montag, 14. Dezember 2015, 08:47 Uhr
Am Samstag lädt die Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode am Nachmittag zur letzten Veranstaltung dieses Jahres ein – zu einer musikalischen Lesung, eingefasst von bildender Kunst der Künstlerin Karin Kisker aus Nordhausen...
Die Wände im Salong Musenbundt strahlen mit ihrer Chronik von 1000 und einem Tag in Wort und Schrift.
Dazu rezitiert die Kulturmanagerin Christine Stauch aus Bad Langensalza Gedichte von Mascha Kaléko, geboren 1907 in Polen mit jüdisch-russischen und jüdisch-österreichischen Wurzeln.
Seit 1918 lebt sie in Berlin, 1929 erscheinen ihre ersten Gedichte. Die Familie emigriert in die USA, 1960 nach Jerusalem. Bereits in den 1950er Jahren findet sie wieder ein deutsches Lesepublikum. Die Kaléko stirbt nach schwerer Krankheit 1975 in Zürich und gehört zu den unverwechselbaren Dichterinnen des 20. Jahrhunderts.
Außerdem liest Christine Stauch Auszüge aus den literarischen Tagebuchaufzeichnungen des Autors Henryk Bereska, den Kolberger Heften, die ein einzigartiges Zeitdokument sind, das in den frühen 1950er Jahren in Ostberlin einsetzt und bis zum Ende der DDR 1989 reicht.
Dieser Text stammt aus dem Archiv unterdrückter Literatur in der DDR, in der Edition Die verschwiegene Bibliothek herausgekommen. Bereska wird 1926 in Kattowitz geboren, lebt nach dem 2. Weltkrieg in Ostberlin, studiert Slawistik und Germanistik, wird Lektor und Redakteur beim Aufbau-Verlag. 1955 kündigt man ihm aus politischen Gründen. Nun ist er freiberuflich tätig, übersetzt und dichtet selbst. 1980 erscheint sein erster Gedichtband in Westberlin. Er stirbt 2005 in Berlin.
Diese Auswahl der Gedichte und Texte für den 19. Dezember folgt einer Auseinandersetzung mit dem handschriftlichen Teil des komplexen Bild-Schrift-Kunstwerkes Karin Kiskers, das sie zum Thema Abbruchkante der Zeit entstehen ließ.
In diese täglichen Aufzeichnungen von 1000 und einem Tag ab dem 16. Juli 1997 bis zum Jahrtausendsprung 2000 hat die Künstlerin auf einmalige Weise ZEIT fixiert: Zeit in Bezug auf das menschliche Sein in allen Facetten – in Höhen und Tiefen, in Stillstand und Entwicklung, im Scheitern und Gelingen, in Hektik und Stille. Sie stellt anhand ihres täglichen Erlebens die uralte Frage: Wie man in der Welt leben sollte, leben kann?! Kisker merkt in einem Gespräch an: Allein, dass der Mensch infolge zunehmender Technisierung nur noch selten mit seiner Hand Gedanken aufs Papier bringt, wird er einen wesentlichen persönlichen Bezug zu seinen Gedanken verlieren. Ihre Texte stehen dabei verdeckt hinter den Bildern, nur in Limlingerode lässt sie hin und wider einen Blick darauf zu. Die Texte wurden gleichzeitig auch handschriftlich in Büchern festgehalten, von denen Frau Stauch einige vorlagen.
Literatur, Kunst und Musik - am Samstag findet in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode die letzte Veranstaltung des Jahres statt (Foto: Heidelore Kneffel)
Ihr handschriftliches Gedankenkunstwerk tritt in den ausgestellten Bildtafeln bewusst hinter den Bilderzyklus zurück. Denn als Künstlerin wünscht sie, dass die Bildkompositionen den Betrachtenden anregen, anhand des Geschauten seine Gedanken schweifen zu lassen: Das Kunstwerk als Medium zur Zwiesprache mit der eigenen Lebensgeschichte!
Der Pianist Dieter Schumann entwickelt mit ausgewählten Kompositionen eine musikalische Projektionsfläche für die Bildtafeln Karin Kiskers, für die vorgetragenen lyrischen Worte der Dichterin Mascha Kaléko und für die Gedanken von Henryk Bereska.
In Anlehnung an den Schaffensprozess des der Veranstaltung zugrunde liegenden Kunstwerkes sind die Gäste eingeladen, gemeinsam ein Schriftwerk vom 19. 12. 2015 zu schaffen. Aus den unterschiedlichen handschriftlich festgehaltenen Gedanken des Publikums wird Karin Kisker ein neues Bild entstehen lassen und es zu ihrer nächsten Ausstellung im Frühjahr 2016 im Schloss Heringen der Öffentlichkeit präsentieren.
Karin Kisker ist 1953 in Nordhausen geboren. Schon von Kindheit an war sie mit klassischer Musik vertraut, fand Gefallen an Musik von Beethoven, Händel und Telemann. Von ihren Vorfahren weiß sie, dass einige künstlerisch tätig waren. Diese familiären Wurzeln ließ sie wohl schon früh Freude am Malen, am Umgang mit Farben, spüren. Und sie liebte es, wenn Vater oder Mutter ihr Geschichten vorlasen – dabei faszinierten sie die Formulierungen mehr als der eigentliche Ausgang der Geschichten. Sie sagt von sich: Ich entwickelte eine Art Wundergläubigkeit hin zu einem positiven Ausgang.
Zuerst nahm sie nach dem Abitur ein Ingenieurstudium in Magdeburg auf, brach dieses nach kurzer Zeit ab. Ihrem Inneren folgend, begann sie in den Jahren 1975 bis 1979 an der Universität Greifswald ein Kunst- und Germanistikstudium. Ausstellungsorte ihrer Werke sind neben Nordhausen und Limlingerode u.a. Erfurt, Wiesbaden, Bonn, Königswinter und Paris.
Karin Kisker ist Mitglied im Verband bildender Künstler Thüringen und Pädagogin für Deutsch und Ethik.
Dieter Schumann, der in Limlingerode als Pianist auftritt, wurde 1953 in Leisnig geboren. An der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar studierte er Schulmusik und Klavier, war dann als freischaffender Musiker und Musikerzieher in Erfurt tätig sowie als Lehrbeauftragter der genannten Hochschule. Spezialkenntnisse auf dem Gebiet der Alten Musik erwarb er in Kassel. Seit 1992 ist er als Musiklehrer am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt tätig. Bereits 1983 gründete er das Ensemble Erfurter Camerata, dessen künstlerischer Leiter er ist.
Christine Stauch, Gestalterin des Programms und Vortragende, gründete 2007 Jahren die Im-Dialog-Agentur. Mit Musik, Literatur, bildender und darstellender Kunst will sie den Dialog in der Gesellschaft mitgestalten. Im Rahmen der Agentur organisierte u. a. Konzerte und musikalische Lesungen, in denen sie als Vorleserin auftritt, von verschiedenen Musikern begleitet.
Autor: redDie Wände im Salong Musenbundt strahlen mit ihrer Chronik von 1000 und einem Tag in Wort und Schrift.
Dazu rezitiert die Kulturmanagerin Christine Stauch aus Bad Langensalza Gedichte von Mascha Kaléko, geboren 1907 in Polen mit jüdisch-russischen und jüdisch-österreichischen Wurzeln.
Seit 1918 lebt sie in Berlin, 1929 erscheinen ihre ersten Gedichte. Die Familie emigriert in die USA, 1960 nach Jerusalem. Bereits in den 1950er Jahren findet sie wieder ein deutsches Lesepublikum. Die Kaléko stirbt nach schwerer Krankheit 1975 in Zürich und gehört zu den unverwechselbaren Dichterinnen des 20. Jahrhunderts.
Außerdem liest Christine Stauch Auszüge aus den literarischen Tagebuchaufzeichnungen des Autors Henryk Bereska, den Kolberger Heften, die ein einzigartiges Zeitdokument sind, das in den frühen 1950er Jahren in Ostberlin einsetzt und bis zum Ende der DDR 1989 reicht.
Dieser Text stammt aus dem Archiv unterdrückter Literatur in der DDR, in der Edition Die verschwiegene Bibliothek herausgekommen. Bereska wird 1926 in Kattowitz geboren, lebt nach dem 2. Weltkrieg in Ostberlin, studiert Slawistik und Germanistik, wird Lektor und Redakteur beim Aufbau-Verlag. 1955 kündigt man ihm aus politischen Gründen. Nun ist er freiberuflich tätig, übersetzt und dichtet selbst. 1980 erscheint sein erster Gedichtband in Westberlin. Er stirbt 2005 in Berlin.
Diese Auswahl der Gedichte und Texte für den 19. Dezember folgt einer Auseinandersetzung mit dem handschriftlichen Teil des komplexen Bild-Schrift-Kunstwerkes Karin Kiskers, das sie zum Thema Abbruchkante der Zeit entstehen ließ.
In diese täglichen Aufzeichnungen von 1000 und einem Tag ab dem 16. Juli 1997 bis zum Jahrtausendsprung 2000 hat die Künstlerin auf einmalige Weise ZEIT fixiert: Zeit in Bezug auf das menschliche Sein in allen Facetten – in Höhen und Tiefen, in Stillstand und Entwicklung, im Scheitern und Gelingen, in Hektik und Stille. Sie stellt anhand ihres täglichen Erlebens die uralte Frage: Wie man in der Welt leben sollte, leben kann?! Kisker merkt in einem Gespräch an: Allein, dass der Mensch infolge zunehmender Technisierung nur noch selten mit seiner Hand Gedanken aufs Papier bringt, wird er einen wesentlichen persönlichen Bezug zu seinen Gedanken verlieren. Ihre Texte stehen dabei verdeckt hinter den Bildern, nur in Limlingerode lässt sie hin und wider einen Blick darauf zu. Die Texte wurden gleichzeitig auch handschriftlich in Büchern festgehalten, von denen Frau Stauch einige vorlagen.
Literatur, Kunst und Musik - am Samstag findet in der Dichterstätte Sarah Kirsch in Limlingerode die letzte Veranstaltung des Jahres statt (Foto: Heidelore Kneffel)
Ihr handschriftliches Gedankenkunstwerk tritt in den ausgestellten Bildtafeln bewusst hinter den Bilderzyklus zurück. Denn als Künstlerin wünscht sie, dass die Bildkompositionen den Betrachtenden anregen, anhand des Geschauten seine Gedanken schweifen zu lassen: Das Kunstwerk als Medium zur Zwiesprache mit der eigenen Lebensgeschichte!
Der Pianist Dieter Schumann entwickelt mit ausgewählten Kompositionen eine musikalische Projektionsfläche für die Bildtafeln Karin Kiskers, für die vorgetragenen lyrischen Worte der Dichterin Mascha Kaléko und für die Gedanken von Henryk Bereska.
In Anlehnung an den Schaffensprozess des der Veranstaltung zugrunde liegenden Kunstwerkes sind die Gäste eingeladen, gemeinsam ein Schriftwerk vom 19. 12. 2015 zu schaffen. Aus den unterschiedlichen handschriftlich festgehaltenen Gedanken des Publikums wird Karin Kisker ein neues Bild entstehen lassen und es zu ihrer nächsten Ausstellung im Frühjahr 2016 im Schloss Heringen der Öffentlichkeit präsentieren.
Karin Kisker ist 1953 in Nordhausen geboren. Schon von Kindheit an war sie mit klassischer Musik vertraut, fand Gefallen an Musik von Beethoven, Händel und Telemann. Von ihren Vorfahren weiß sie, dass einige künstlerisch tätig waren. Diese familiären Wurzeln ließ sie wohl schon früh Freude am Malen, am Umgang mit Farben, spüren. Und sie liebte es, wenn Vater oder Mutter ihr Geschichten vorlasen – dabei faszinierten sie die Formulierungen mehr als der eigentliche Ausgang der Geschichten. Sie sagt von sich: Ich entwickelte eine Art Wundergläubigkeit hin zu einem positiven Ausgang.
Zuerst nahm sie nach dem Abitur ein Ingenieurstudium in Magdeburg auf, brach dieses nach kurzer Zeit ab. Ihrem Inneren folgend, begann sie in den Jahren 1975 bis 1979 an der Universität Greifswald ein Kunst- und Germanistikstudium. Ausstellungsorte ihrer Werke sind neben Nordhausen und Limlingerode u.a. Erfurt, Wiesbaden, Bonn, Königswinter und Paris.
Karin Kisker ist Mitglied im Verband bildender Künstler Thüringen und Pädagogin für Deutsch und Ethik.
Dieter Schumann, der in Limlingerode als Pianist auftritt, wurde 1953 in Leisnig geboren. An der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar studierte er Schulmusik und Klavier, war dann als freischaffender Musiker und Musikerzieher in Erfurt tätig sowie als Lehrbeauftragter der genannten Hochschule. Spezialkenntnisse auf dem Gebiet der Alten Musik erwarb er in Kassel. Seit 1992 ist er als Musiklehrer am Evangelischen Ratsgymnasium in Erfurt tätig. Bereits 1983 gründete er das Ensemble Erfurter Camerata, dessen künstlerischer Leiter er ist.
Christine Stauch, Gestalterin des Programms und Vortragende, gründete 2007 Jahren die Im-Dialog-Agentur. Mit Musik, Literatur, bildender und darstellender Kunst will sie den Dialog in der Gesellschaft mitgestalten. Im Rahmen der Agentur organisierte u. a. Konzerte und musikalische Lesungen, in denen sie als Vorleserin auftritt, von verschiedenen Musikern begleitet.
