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Hirt oder Wirt?

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 16:37 Uhr
Ein Großteil der Menschen hierzulande, ob Sie nun Christen sind oder nicht, feiert Weihnachten. Am Tag vor Weihnachten ein Wort von Superintendent Kristóf Bálint...

Das Fest wurde immer wieder zum „Fest der Familie“ oder „Fest der Liebe“ erklärt, was gewiss nicht falsch ist, jedoch in den dreißiger- bis neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in dem Bemühen geschah, ihm seinen christlichen Kern zu nehmen. Doch Weihnachten ist und bleibt was es war und ist: Geburtstag Jesu.

Christlicher Glaube führt sich jedes Jahr vor Augen, dass sich GOTT nicht zu fein ist, sich seiner Größe selbst zu entäußern und Mensch zu werden (Philipper 2). Klein und unscheinbar. Die dazu bis heute gesungenen Lieder, in Ihrer Mehrzahl in Zeiten bitterer Armut und großer persönlicher Entbehrung und Anfechtung geschrieben, haben etwas Nachdenkliches und zugleich hoffnungsvolles. Sie gleichen darin so gar nicht der Musik, die allenthalben die Weihnachtsmärkte beherrscht, die eigentlich Adventsmärkte sind, denn wir warten ja erst auf die Ankunft dessen, der unser Leben erhellen will.

Hirt oder Wirt (Foto: Evangelischer Kirchenkreis Bad Frankenhausen - Sondershausen) Hirt oder Wirt (Foto: Evangelischer Kirchenkreis Bad Frankenhausen - Sondershausen)

Das Bild der Frau, die zwar in keiner Höhle bzw. in einem Stall sitzt, führt uns in Echtzeit vor Augen, was Weihnachten in seiner ganzen Klarheit heißt: GOTT kommt in die größte Not der Menschen.

Wir haben uns, angesichts des Wohlstandes, den sich die meisten erarbeitet haben, daran gewöhnt, die Weihnachtslieder und die Weihnachtsgeschichte zu „überzuckern“. Die Lieder aus Amerika lassen kaum noch erahnen, was Maria und Joseph auf ihrer Flucht vor den Häschern des Herodes an Entbehrungen auf sich nahmen.

Freilich, sie kamen nicht übers Mittelmeer, doch auch sie flüchteten vor dem sicheren Tod, der noch genügend andere Kinder ereilte (Matthäus 2,16-18). Plötzlich und wie seit Jahrzehnten nicht mehr, werden wir in die Weihnachtsgeschichte „verstrickt“, weil viele Menschen, Maria und Joseph gleich, zu uns vor Krieg, Hunger, Entbehrung und Tod fliehen. Wir selbst sind nun Teil des Geschehens und nicht mehr Betrachter einer zu Herzen gehenden Geschichte, in der wir den Wirt der Hartherzigkeit zeihen und froh sind, dass die Hirten Mitmenschlichkeit zeigen. Wir sind plötzlich selbst vor die Wahl gestellt, Hirt oder Wirt zu sein.

Natürlich löst das Ängste aus und gewiss ist das Menschenrecht auf Asyl nicht auf jeden anwendbar, der zu uns kommt. Doch wer kann es Menschen verdenken, dass sie bessere Lebensbedingungen für sich suchen als sie ihrerorts existieren. Wir Ostdeutschen waren alle schon Wirtschaftsflüchtlinge, es ist noch keine drei Jahrzehnte her. Und wir alle tragen aktuell u.a. durch unsere Art des Konsums, unseres Verhaltens und unseres Wirtschaftsgebarens dazu bei, dass es durch Dürre oder Krieg zunehmend unwirtliche Gegenden gibt, die Menschen zur Flucht (zu uns) treiben.

Es wird in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren darauf ankommen, dass wir uns auf die Frage dieser Heiligen Nacht besinnen: sind wir Hirt oder Wirt? In diesen Tagen können wir uns nicht von Ferne zurücklehnen und als Zuschauer gelten. Wir sind hineingenommen in das Geschehen von Bethlehem. Hier bei uns.

Deshalb wird es darauf ankommen, dass wir dieses Fest wieder als das begehen, was es ist: Geburtstag Jesu. Wenn wir offen sind und ihn bei uns einlassen, dann wird das Fest der Geburt Jesu gewisslich auch Fest der Liebe und der Familie. Es wird befreit vom selbstversuchten Frieden, der sehr oft brüchig ist, wie wir wissen, und wird beschenkt vom Frieden dessen, der ewigen Frieden bringen will.

Nichts machen, sondern offen sein: für einander, für In- und Ausländer, für uns selbst. Stellen wir uns unseren Fragen und Ängsten und halten Sie dem Kind hin, das uns anrühren will. Wenn uns das gelingt, werden wir auch Wege finden für die uns gestellten Aufgaben dieser Zeit, so wie Menschen im Vertrauen auf GOTT schon seit Jahrhunderten Wege finden, die Ihnen eröffnet werden.

Kommen Sie zum Stall von Bethlehem und begegnen Sie dem Kind, das Sie ansprechen und anrühren will. Öffnen sie sich und es wird in Ihrem Herz Wohnung nehmen und mit Frieden erfüllen.
Ein gesegnetes Weihnachtfest und eine gesegnete Weihnachtszeit wünsche ich Ihnen,

Superintendent Kristóf Bálint
Die Weihnachtsgottesdienste im Kirchenkreis finden Sie unter:
Gottesdienste der Region am Heiligenabend und
Gottesdienste der Region an Weihnachten
Autor: khh

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