Lichtblick
Das Schatzkästchen
Freitag, 05. Februar 2016, 07:00 Uhr
Eine Schatzkiste: Die hat mein Kind entdeckt, als wir zu Besuch waren. Darf ich die öffnen? war seine Frage. Natürlich, die haben wir extra für dich hierher gestellt. Es öffnete die Kiste. Begeisterung. Stille. Und dann kam das Kind als Clown verkleidet zu uns ins Wohnzimmer. Wir lachten...
Denn kaum einer von uns wusste, dass in der Schatzkiste Kostüme versteckt waren. Voller Begeisterung stürmte es wieder hinaus und kam einige Zeit später als Prinzessin. Dann als böse Hexe. Schließlich mit einer Augenmaske. Und jedes Mal war die Freude groß.
Das ist doch unser Alltag, dachte ich. Viele freuen sich doch ständig, wenn ihre Maskerade einmal wieder im Alltag gelungen war. Stärke müssen Menschen beweisen, wenn sie schwach sind. Mitfühlend sollte man sein, wenn man doch eigentlich gar nichts mit einer Sache zu tun hat. Menschen müssen alles im Griff haben, wenn doch gerade Vieles aus den Fugen gerät. Das erwarten wir von Politikern, von Vorgesetzten, von Kollegen, von Nachbarn, von Familienmitgliedern und oft genug auch von uns selbst.
Eine Schatzkiste, die wir Menschen haben. Da braucht man nur nach dem richtigen Kostüm zu greifen und schon ist man nicht mehr man selbst. Schon wird heile Welt gespielt. Eine Gabe, wenn es gelingt und das begonnene Schaupiel großen Zuspruch erhält. Dann gehen auch die Größten nach Hause, freuen sich an ihrem Erfolg. Manche brechen nach einiger Zeit aber hinter ihren vier Wänden ein wie ein Kartenhaus.
Manchem fällt es immer schwerer in diese Schatzkiste zu greifen, sich eine Maskerade auszusuchen und diese anzuziehen. Viel lieber wären Einige doch sich selbst. Am Ende der Maskerade kam mein Kind zu mir und hielt mir ein kleines Kästchen vor die Nase. Ich fragte: Was ist denn das? Das war auch in der Schatzkiste drin. Mach mal auf. Ich öffnete das winzige schön geschmückte Kistchen, sah auf den Boden und sah mich selbst in einem Spiegel darin. Merkwürdig war das Gefühl schon. Ich erwartete sonst was uns sah nur mich.
Wenige entdecken in der Schatzkiste der alltäglichen Maskerade ein solches kleines Kästchen, das die ganze Zeit vor lauter Buntem und Schrillem übersehen wurde. Sie öffnen es und schauen hinein. Und sehen in einen Spiegel. Sie sehen sich selbst mit allem, was dazu gehört. Schauen genauer hin und erkennen die Schönheit der Lebensnarben, die sie immer zu verbergen suchten. Die Schönheit der Falten. Merkwürdig ist das Gefühl schon. Aber das ist die Wahrheit. Was sind schon die schönsten und besten Verkleidungsstücke des Alltags, wenn es doch ein so wundervolles Schatzkästchen im Leben eines jeden Menschen gibt.
Lachend und voller Freude ist mein Kind mit diesem kleinen Kästchen den Rest des Nachmittags herumgelaufen. Hat Jeden einmal hinein schauen lassen und hat sich amüsiert, wie ein Jeder reagiert beim Blick hinein.
Die Bibel ist für mich ein solches Schatzkästchen. Wenn ich sie aufschlage, dann lese ich auch solche Worte, die mich zum Ablegen vieler Maskeraden im Alltag ermutigen. Worte, die mir sagen: Da ist wenigstens Einer, vor dem du so bist, wie du bist. Der dich kennt mit dem, was das Leben aus dir gemacht hat, oder: was du aus dir machst. Zum Beispiel ein Satz aus dem Alten Testament (1.Samuel16, 7b): Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
Danke Gott, dass ich zu dir so kommen kann,wie ich bin. Du hast gesagt, ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Schenke mir diese Ehrlichkeit auch für meinen Alltag.,Lege du mir ein kleines Schatzkästchen in meine Schatzkiste hinein für jeden neuen Tag. Amen.
Pfarrerin Esther M. Fauß, Greußen
Autor: redDenn kaum einer von uns wusste, dass in der Schatzkiste Kostüme versteckt waren. Voller Begeisterung stürmte es wieder hinaus und kam einige Zeit später als Prinzessin. Dann als böse Hexe. Schließlich mit einer Augenmaske. Und jedes Mal war die Freude groß.
Das ist doch unser Alltag, dachte ich. Viele freuen sich doch ständig, wenn ihre Maskerade einmal wieder im Alltag gelungen war. Stärke müssen Menschen beweisen, wenn sie schwach sind. Mitfühlend sollte man sein, wenn man doch eigentlich gar nichts mit einer Sache zu tun hat. Menschen müssen alles im Griff haben, wenn doch gerade Vieles aus den Fugen gerät. Das erwarten wir von Politikern, von Vorgesetzten, von Kollegen, von Nachbarn, von Familienmitgliedern und oft genug auch von uns selbst.
Eine Schatzkiste, die wir Menschen haben. Da braucht man nur nach dem richtigen Kostüm zu greifen und schon ist man nicht mehr man selbst. Schon wird heile Welt gespielt. Eine Gabe, wenn es gelingt und das begonnene Schaupiel großen Zuspruch erhält. Dann gehen auch die Größten nach Hause, freuen sich an ihrem Erfolg. Manche brechen nach einiger Zeit aber hinter ihren vier Wänden ein wie ein Kartenhaus.
Manchem fällt es immer schwerer in diese Schatzkiste zu greifen, sich eine Maskerade auszusuchen und diese anzuziehen. Viel lieber wären Einige doch sich selbst. Am Ende der Maskerade kam mein Kind zu mir und hielt mir ein kleines Kästchen vor die Nase. Ich fragte: Was ist denn das? Das war auch in der Schatzkiste drin. Mach mal auf. Ich öffnete das winzige schön geschmückte Kistchen, sah auf den Boden und sah mich selbst in einem Spiegel darin. Merkwürdig war das Gefühl schon. Ich erwartete sonst was uns sah nur mich.
Wenige entdecken in der Schatzkiste der alltäglichen Maskerade ein solches kleines Kästchen, das die ganze Zeit vor lauter Buntem und Schrillem übersehen wurde. Sie öffnen es und schauen hinein. Und sehen in einen Spiegel. Sie sehen sich selbst mit allem, was dazu gehört. Schauen genauer hin und erkennen die Schönheit der Lebensnarben, die sie immer zu verbergen suchten. Die Schönheit der Falten. Merkwürdig ist das Gefühl schon. Aber das ist die Wahrheit. Was sind schon die schönsten und besten Verkleidungsstücke des Alltags, wenn es doch ein so wundervolles Schatzkästchen im Leben eines jeden Menschen gibt.
Lachend und voller Freude ist mein Kind mit diesem kleinen Kästchen den Rest des Nachmittags herumgelaufen. Hat Jeden einmal hinein schauen lassen und hat sich amüsiert, wie ein Jeder reagiert beim Blick hinein.
Die Bibel ist für mich ein solches Schatzkästchen. Wenn ich sie aufschlage, dann lese ich auch solche Worte, die mich zum Ablegen vieler Maskeraden im Alltag ermutigen. Worte, die mir sagen: Da ist wenigstens Einer, vor dem du so bist, wie du bist. Der dich kennt mit dem, was das Leben aus dir gemacht hat, oder: was du aus dir machst. Zum Beispiel ein Satz aus dem Alten Testament (1.Samuel16, 7b): Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.
Danke Gott, dass ich zu dir so kommen kann,wie ich bin. Du hast gesagt, ich muss nicht mehr als ehrlich sein vor dir. Schenke mir diese Ehrlichkeit auch für meinen Alltag.,Lege du mir ein kleines Schatzkästchen in meine Schatzkiste hinein für jeden neuen Tag. Amen.
Pfarrerin Esther M. Fauß, Greußen
