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Was wird aus unseren Wanderwegen?
Freitag, 05. Februar 2016, 13:22 Uhr
Der Kyffhäuserkreis und insbesondere das Kyffhäusergebirge konnte sich jahrzehntelang rühmen, eines der besten Wanderwegenetze in ganz Thüringen, vielleicht sogar darüber hinaus, zu besitzen. Ein Leser, der eng mit dem Tourismus verbunden war äußert sich zu diesem Thema...
Das betraf sowohl Ausschilderung und Markierung, Infrastruktur wie Rastplätze und Info-Tafeln, aber auch den allgemeinen Zustand der oft naturbelassenen Wege.
In der DDR waren Wanderwege und deren Erhaltung eine staatliche Aufgabe- bei uns realisiert durch die Einrichtung Erholungswesen als nachgeordnete Einrichtung der Kreisverwaltung. Bis Mitte der Neunziger Jahre konnte der damalige Kyffhäuser Fremdenverkehrsverband noch einen Kreiswegewart hauptamtlich beschäftigen, bevor auf Druck des Landkreises diese Stelle gestrichen und die Aufgabe dem 2. Arbeitsmarkt zugeordnet wurde.
In der Zeit danach entstanden im Rahmen zahlloser ABM- Projekte überall neue Wanderwege, zum Teil ein regelrechter, meist völlig unkoordinierter Wildwuchs.
Über später erforderliche Erhaltungsmaßnahmen machte sich kaum jemand Gedanken, Hauptsache, die Fördergelder flossen erst mal in die jeweilige Gemeinde…
Warnende Stimmen, dass dies irgendwann mal vorbei sein würde, wurden ignoriert.
Die Beschäftigungsgesellschaften schrumpften und mit ihnen die zur Verfügung stehenden Mittel. Nun sollten es ehrenamtliche Kreis- und Ortswegewarte richten.
Diese leisteten aus meiner Sicht sehr gute Arbeit, vor allem konzeptionell im Hinblick auf die dringend notwendige Ausdünnung des viel zu dichten Wegenetzes. Aber meist ohne die erforderliche materielle Unterstützung konnten sie keine Wunder vollbringen.
Inzwischen gibt es selbst diese nicht mehr- nun sollen es die Kommunen übernehmen, das vorhandene Wegesystem zu pflegen und zu erhalten. Formell sicher richtig, aber was tun, wenn die meisten nicht können und andere nicht wollen, weil sie längst den Glauben an die wirtschaftlichen Segnungen des Tourismus verloren haben.
Hier macht es sich der Kreis zu leicht, die Verantwortung einfach von sich weg zu schieben.
Er ist in der Pflicht, sich um nachhaltige Lösungen zu bemühen und die potentiellen Partner mit ins Boot zu holen. Das wird sicher nicht einfach, auch, weil man das Problem viel zu lange vor sich hergeschoben hat.
Zur Zeit sind einige Wege in einem katastrophalen Zustand. Den Fernwanderweg Wernigerode- Eisenach( Markierung blaues Kreuz) kann man vom Ententeich in Richtung Kyffhäuserdenkmal bestenfalls mit Gummistiefeln begehen. Wenn sich die Forstwirtschaft beklagt, dass zu viele Wanderwege auf Wirtschaftswege gelegt würden (eine fragwürdige Ansicht!), dann darf man umgekehrt fragen, warum zum Holzrücken naturbelassene überregionale Wanderwege genutzt werden müssen. Ich bin gespannt, wie diese Wege aussehen, wenn sie - so die Ansage - im Frühjahr wieder hergerichtet werden.
Herbert Knischka
Das betraf sowohl Ausschilderung und Markierung, Infrastruktur wie Rastplätze und Info-Tafeln, aber auch den allgemeinen Zustand der oft naturbelassenen Wege.
In der DDR waren Wanderwege und deren Erhaltung eine staatliche Aufgabe- bei uns realisiert durch die Einrichtung Erholungswesen als nachgeordnete Einrichtung der Kreisverwaltung. Bis Mitte der Neunziger Jahre konnte der damalige Kyffhäuser Fremdenverkehrsverband noch einen Kreiswegewart hauptamtlich beschäftigen, bevor auf Druck des Landkreises diese Stelle gestrichen und die Aufgabe dem 2. Arbeitsmarkt zugeordnet wurde.
In der Zeit danach entstanden im Rahmen zahlloser ABM- Projekte überall neue Wanderwege, zum Teil ein regelrechter, meist völlig unkoordinierter Wildwuchs.
Über später erforderliche Erhaltungsmaßnahmen machte sich kaum jemand Gedanken, Hauptsache, die Fördergelder flossen erst mal in die jeweilige Gemeinde…
Warnende Stimmen, dass dies irgendwann mal vorbei sein würde, wurden ignoriert.
Die Beschäftigungsgesellschaften schrumpften und mit ihnen die zur Verfügung stehenden Mittel. Nun sollten es ehrenamtliche Kreis- und Ortswegewarte richten.
Diese leisteten aus meiner Sicht sehr gute Arbeit, vor allem konzeptionell im Hinblick auf die dringend notwendige Ausdünnung des viel zu dichten Wegenetzes. Aber meist ohne die erforderliche materielle Unterstützung konnten sie keine Wunder vollbringen.
Inzwischen gibt es selbst diese nicht mehr- nun sollen es die Kommunen übernehmen, das vorhandene Wegesystem zu pflegen und zu erhalten. Formell sicher richtig, aber was tun, wenn die meisten nicht können und andere nicht wollen, weil sie längst den Glauben an die wirtschaftlichen Segnungen des Tourismus verloren haben.
Hier macht es sich der Kreis zu leicht, die Verantwortung einfach von sich weg zu schieben.
Er ist in der Pflicht, sich um nachhaltige Lösungen zu bemühen und die potentiellen Partner mit ins Boot zu holen. Das wird sicher nicht einfach, auch, weil man das Problem viel zu lange vor sich hergeschoben hat.
Zur Zeit sind einige Wege in einem katastrophalen Zustand. Den Fernwanderweg Wernigerode- Eisenach( Markierung blaues Kreuz) kann man vom Ententeich in Richtung Kyffhäuserdenkmal bestenfalls mit Gummistiefeln begehen. Wenn sich die Forstwirtschaft beklagt, dass zu viele Wanderwege auf Wirtschaftswege gelegt würden (eine fragwürdige Ansicht!), dann darf man umgekehrt fragen, warum zum Holzrücken naturbelassene überregionale Wanderwege genutzt werden müssen. Ich bin gespannt, wie diese Wege aussehen, wenn sie - so die Ansage - im Frühjahr wieder hergerichtet werden.
Herbert Knischka
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: khhDie im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
