In eigener Sache
Wir werden nicht kuschen
Donnerstag, 10. März 2016, 11:32 Uhr
Die Medien sorgten in dieser Woche für Diskussionen. Das jedoch in eigener Sache. Wieder einmal war die Flüchtlingskrise der Auslöser. Hintergrund ist ein Votum des deutschen Presserates...
In dessen Kodex steht unter Punkt 12.1: In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.
Dieser Passus soll weiterhin Gültigkeit besitzen und Anleitung zum journalistischen Handeln sein. Die Mehrheit des Presserates entschied das so. Doch jetzt wird deutlich, wie weit von der praktischen Arbeit dieser Passus im Jahr 2016 jedoch noch entfernt ist. Welche Blüten dieses Festhalten treibt macht ein Artikel im Focus deutlich, bei dem es um eine Straftat in einem Zug geht. Da wird von den Tätern als "Europäer" geschrieben ().
Obwohl die Fahrgäste in dem Zug die bedrängte Frau retteten und die mutmaßlichen Täter mit Migrationshintergrund der Polizei übergeben konnten, seien es Europäer gewesen. Also auch Norweger oder Sachsen-Anhalter?
Die Redaktion dieses kleinen Online-Mediums hat sich immer und nicht nur seit Mitte vergangenen Jahres bemüht, die Nationalität von Straftätern oder Tatverdächtigen zu benennen. Egal ob Ausländer oder Deutscher. Und wir haben immer wieder bei der Polizei nachgefragt. Manchmal mit Erfolg, manchmal ohne.
Und wir werden das auch weiterhin so handhaben. Weil die Leser darauf ein Recht haben, weil sie selbst einordnen können, weil sie mündig sind, wie es Tilman Arez auf den Online-Seiten von n-tv kommentierte. Auch die Sächsische Zeitung zum Beispiel schließt sich dieser Meinung an.
Wir werden das auch künftig so handhaben. Wir werden Nationalitäten benennen und wir werden benennen, wenn die uns seitens der Ermittlungsbehörden verschwiegen werden. Sollte keine Nationalität benannt sein, dann sind die Tatverdächtigen eben Deutsche, also Nordhäuser, Mühlhäuser oder Hamburger, Bleicheröder oder Hettstedter zum Beispiel. Das hat nichts mit Sensationsjournalismus zu tun oder mit der oftmals unterstellten Gier nach Klicks. Das ist auch kein Rassismus. Das hat mit Ehrlichkeit gegenüber denen zu tun, für die wir arbeiten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redIn dessen Kodex steht unter Punkt 12.1: In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.
Dieser Passus soll weiterhin Gültigkeit besitzen und Anleitung zum journalistischen Handeln sein. Die Mehrheit des Presserates entschied das so. Doch jetzt wird deutlich, wie weit von der praktischen Arbeit dieser Passus im Jahr 2016 jedoch noch entfernt ist. Welche Blüten dieses Festhalten treibt macht ein Artikel im Focus deutlich, bei dem es um eine Straftat in einem Zug geht. Da wird von den Tätern als "Europäer" geschrieben ().
Obwohl die Fahrgäste in dem Zug die bedrängte Frau retteten und die mutmaßlichen Täter mit Migrationshintergrund der Polizei übergeben konnten, seien es Europäer gewesen. Also auch Norweger oder Sachsen-Anhalter?
Die Redaktion dieses kleinen Online-Mediums hat sich immer und nicht nur seit Mitte vergangenen Jahres bemüht, die Nationalität von Straftätern oder Tatverdächtigen zu benennen. Egal ob Ausländer oder Deutscher. Und wir haben immer wieder bei der Polizei nachgefragt. Manchmal mit Erfolg, manchmal ohne.
Und wir werden das auch weiterhin so handhaben. Weil die Leser darauf ein Recht haben, weil sie selbst einordnen können, weil sie mündig sind, wie es Tilman Arez auf den Online-Seiten von n-tv kommentierte. Auch die Sächsische Zeitung zum Beispiel schließt sich dieser Meinung an.
Wir werden das auch künftig so handhaben. Wir werden Nationalitäten benennen und wir werden benennen, wenn die uns seitens der Ermittlungsbehörden verschwiegen werden. Sollte keine Nationalität benannt sein, dann sind die Tatverdächtigen eben Deutsche, also Nordhäuser, Mühlhäuser oder Hamburger, Bleicheröder oder Hettstedter zum Beispiel. Das hat nichts mit Sensationsjournalismus zu tun oder mit der oftmals unterstellten Gier nach Klicks. Das ist auch kein Rassismus. Das hat mit Ehrlichkeit gegenüber denen zu tun, für die wir arbeiten.
Peter-Stefan Greiner
