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Lichtblick zum Osterfest

„Alle Jahre wieder, kommt das…“

Donnerstag, 24. März 2016, 07:00 Uhr
Hand aufs Herz. Haben Sie auch an das bekannte Weihnachtslied „…kommt das Christuskind“ gedacht? Und so ganz falsch lagen Sie damit nicht, denn Ostern kommt auch alle Jahre wieder und Himmelfahrt und Pfingsten und …

Das ganze Kalenderjahr erhält durch christliche Feste Struktur. Die dadurch freien Feiertage werden gern in Anspruch genommen, selbst wenn nicht jedem/jeder mehr im Einzelnen klar ist, was da gefeiert wird.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass es ganze zwei weltliche Feiertage gibt, die keinen christlichen Hintergrund haben? Ohne die christlichen Feste hätten wir eine Fünfarbeitstagewoche und zwei freie Tage im Jahr. Das Jahr hätte ausschließlich eine Arbeitsstruktur und wäre ein ewig wiederkehrender „Brei aus Zeit“ bar jeder Höhepunkte.

Jedes Jahr wird deshalb in Umfragen nach dem Inhalt des Osterfestes gefragt und dabei führt, eigentlich kein Wunder, das harmonische Familienfest die Rangliste (81%, Angaben nach FAZ vom 22.03.2016) an, verbunden mit gutem Essen und Trinken (73%).

Die genaue Inhaltsangabe, höchstes Fest des Christentums und Auferstehung Jesu Christi, bringen 47% der gesamtdeutschen Bevölkerung mit dem Osterfest in Verbindung. Wohlgemerkt in ganz Deutschland. In unseren Breiten wissen es ca. 25% der Befragten und damit noch deutlich weniger.

Nach der, von dem Münchner Meinungsforschungsinstituts Polis durchgeführten Befragung gehört nur für 37% der Bundesbürger ein Gottesdienstbesuch zum Osterfest dazu.

Was sind dann die daraus abzuleitenden Folgen?
Ostern nicht mehr feiern? Aber warum auf freie Tage verzichten? Das Fest umbenennen in „Kenn-den-Grund-nicht, chille-trotzdem“? Irgendwie sinnentleert und nicht wirklich Feierlaune verbreitend.

Was sollten wir dann mit den Eiern machen und unseren Kindern erklären, dass wir sie mit ihnen färben, bemalen, gestalten, raushängen? Das wir sie mit ihnen suchen, uns necken und Freude bereiten? Warum? Nur aus Gaudi? Geburtstag feiern wir doch auch nur aus einem klaren und bekannten Grund.

Ich möchte „eine Lanze brechen“ für die Bedeutung des Familientages. Ich finde es gut, wenn bei Ostern viele das Familienfest assoziieren. Dankbar bin ich auch, dass wir genügend und vor allem reichlich gutes Essen haben. Das können wir genießen und dem danken, der es (auf)wachsen ließ.

Wenn bei dem Genuss auch noch die Frage auftaucht, „Warum das Ganze?“, dann ist schon viel passiert. Wir feiern nie grundlos - den Geburtstag, das Zeugnis, das Firmenjubiläum… Und dafür, dass wir frei haben, können wir doch dem Anlass auch dankbar sein und nach ihm fragen oder uns mit ihm auseinander setzen. Ich feier doch den Geburtstag meines mir sonst nicht vertrauten Nachbarn auch nicht, es sei denn, ich gehe zu ihm rüber, setze mich mit seinem Jubiläum auseinander und beglückwünsche ihn dazu. Dann bekommt das Feiern auch einen Sinn, denn wir teilen Freude über den jeweiligen Anlass. So darf es auch an christlichen Feiertagen sein.

Dem größten Fest der Christenheit, Ostern, geht eine 40tägige Fastenzeit voraus. Zum einen hatten die Menschen nicht so viel wie wir und sie wollten durch den Verzicht auf das Wenige, das, was sie sich aufsparten, noch intensiver erleben.

Von Montag bis Sonnabend wurde gefastet und am Sonntag, dem Herrentag, das Fasten in Maßen unterbrochen. In der Karwoche, der Woche von Palmarum (dem Sonntag vor Ostersonntag), wurde besonders streng gefastet. Das bezog am Karfreitag („karren“ ist ein altes deutsches Verb für klagen) und Karsamstag (nicht Ostersonnabend!) auch das Fasten von äußeren Sinneseindrücken ein. Das machte sie zu „stillen Tagen“, an denen bis heute nur wenig Amüsement möglich ist (übrigens auch keine kirchlichen Trauungen!).

In der Osternacht schließlich bereiteten sich die Menschen auf den Ostersonntag vor, feierten in der tiefen Nacht bis zum Sonnenaufgang Gottesdienste in Kirchen oder im Freien und gedachten in Zeremonien an die Auferstehung Jesu von den Toten, der zentralsten Botschaft des christlichen Glaubens. Der Tod ist nicht das Ende, sondern er ist der Anfang einer neuen Wirklichkeit.

Dies wurde überschwänglich gefeiert, die in der Fastenzeit nicht gegessenen Eier, die man bunt färbte um ihr unterschiedliches Legedatum zu unterscheiden, und um sie in der richtigen Reihenfolge (die älteren zu erst) essen zu können (niemand konnte sich leisten, auch nur ein Ei umkommen zu lassen) wurden verzehrt und manche ausgeblasen und erst Ostersonntag (bis zum Ende der Osterzeit, zum Pfingstfest, und nicht vorher) an die Sträucher gehängt. Auch dann wurden erst Eier versteckt und von Kindern gesucht - eben alles zu seiner Zeit. Aber alle Jahre wieder.

Das Ei stand dabei für das werdende Leben, die Metamorphose von einem Ei zu einem daraus hervorbrechendem Leben. Ein Symbol für die Auferstehung aus dem Grab.

Liebe Leser, wenn sie diese Zeilen in Ihr Osterfest integrieren und innehalten und sich der Bedeutung dieses Festes gewahr werden, dann ist schon viel gewonnen. In den Kirchen unseres Kirchenkreises finden Sie viele Möglichkeiten sich mit der Botschaft dieser Tage auseinander zu setzen. Das fängt mit vielen Tischabendmahlsfeiern (Rottleben, Clingen, Bad Frankenhausen, Sondershausen, Schlotheim, Körner, Volkenroda) am Gründonnerstagabend an(grün von „greinen“ für weinen). Karfreitag gibt es in unserem Kirchenkreis mindestens fünfundzwanzig Gelegenheiten, in Gottesdiensten dem Geheimnis dieses stillen Tages nachzudenken, Karsamstag sieben. Der Ostersonntag schließlich bietet 32 Gottesdienstes und Ostermontag immerhin noch 19 Gottesdienste, um dem Geheimnis des Glaubens nachzudenken und sich in den Inhalt dieses für alle gleichen Feiertages einführen zu lassen. Herzliche Einladung dazu,
Ihr Superintendent Kristóf Bálint
Autor: red

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