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Trotz positiver Vorzeichen:

Wachsende Risiken für regionale Wirtschaft

Donnerstag, 24. März 2016, 12:25 Uhr
Der Mittelstand erweist sich auch 2016 als Wachstums- und Beschäftigungsmotor. Für das laufende Jahr rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt mit rund 4.000 neuen Stellen. Laut jüngster Konjunkturumfrage planen 12 Prozent insbesondere der kleinen und mittelständischen Unternehmen derzeit Neueinstellungen, 73 Prozent wollen ihren Personalbestand zumindest konstant halten...

Grafik (Foto: IHK) Grafik (Foto: IHK)
„Noch sind die Vorzeichen für eine Fortsetzung des positiven Trends am Arbeitsmarkt günstig. Allerdings sieht der Mittelstand auch immer mehr Risiken, welche die Geschäfte in den kommenden Monaten hemmen könnten“, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser.

Immerhin befürchteten 51 Prozent der Unternehmer Rückschläge durch steigende Arbeitskosten, das wären mehr als in den zurückliegenden fünf Jahren. Ein wesentlicher Punkt sei hier der gesetzliche Mindestlohn. Dieser bringe neben finanziellen Mehrbelastungen auch einen erheblichen bürokratischen Aufwand mit sich.

„Ähnlich kritisch wird der wachsende Fachkräftemangel gesehen. 49 Prozent der Befragten schätzen ihn als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Betriebes ein“, erklärt der IHK-Chef. Die Suche nach geeignetem Personal gestalte sich immer schwieriger. Nicht nur weniger Lehrlinge, auch die Rente mit 63 entziehe dem Arbeitsmarkt das Potential gut ausgebildeter Mitarbeiter. Darüber hinaus passe die Qualifikation von Erwerbslosen meist nicht zu den Anforderungen der Unternehmen.

„Hinzu kommen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, um die sich 47 Prozent der Firmenchefs sorgen. Schließlich steht der Mittelstand mit der Integration von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung vor einer Herkules-Aufgabe“, gibt Grusser zu bedenken. Umso mehr benötigten die Unternehmen ein wirtschaftspolitisches Umfeld, das sie nicht zusätzlich belastet.

Doch stattdessen wolle die Politik etwa mit einem Entgeltgleichheitsgesetz und der Regulierung von Zeitarbeit und Werkverträgen neue Hürden einführen. Ebenso wie der gesetzliche Mindestlohn werde sich das in der Summe als Bumerang erweisen, wenn die Konjunktur wieder nachlässt. Denn die historische Konstellation aus niedrigen Zinsen, Energiepreisen und Euro-Wechselkurs könne nicht von Dauer sein.

„Deshalb darf die Flüchtlingskrise nicht dazu führen, wichtige Reformvorhaben liegen zu lassen. Mit einer Reihe kluger Aktionen könnte die Politik ein kräftiges Mittelstandspaket schnüren: Dazu zählen die Verkürzung der Aufbewahrungsfristen für Steuerunterlagen von zehn auf fünf Jahre, die Wiedereinführung der degressiven Abschreibung, die Anhebung der Grenze für geringwertige Wirtschaftsgüter auf 1.000 Euro und das Recht auf kostenfreie verbindliche Auskünfte von den Finanzämtern“, so der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Autor: red

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