Lichtblick
Eine Kiste voller Erinnerungen
Freitag, 29. April 2016, 07:00 Uhr
Was eine alte Holzkiste, eine Flasche Wein, die Sehnsucht nach Veränderung und die Sorge zu Vergessen miteinander zu tun haben? - der Lichtblick am Wochenende klärt es...
Gelegentlich braucht mein Leben Momente des Innehaltens. Ich habe eine Kiste voller Erinnerungen gesammelt. Darin befinden sich Gegenstände die Geschichten aus meinem Leben erzählen. Ich setze mich nieder, nehme die Kiste zur Hand und öffne eine Flasche Wein und zünde eine Kerze an. Mit Knarzen öffnet der Deckel der alten Holzkiste (zumindest stelle ich mir das vor, denn in Wirklichkeit ist es ein alter Alukoffer – aber der passt nicht so gut zur eintretenden Gemütlichkeit).
Meine Kiste ist prall gefüllt. Da liegt einer meiner ersten Liebesbriefe: ich erinnere mich daran wie wir uns kennen lernten, an den ersten Kuss und an die große Trauer als dies erste Liebe ein Ende fand. Ich bin dankbar für die Erfahrungen. Dafür das ich aus meinen Fehlern für das Leben lernen konnte. Ich könnte heute meine die Beziehung zu meiner lieben Frau nicht so gestalten ohne diese Erfahrungen, ohne dieses Scheitern. Ich entdecke ein sorbisches Osterei.
Ich habe es von einem alten Herrn geschenkt bekommen, dem ich einmal im Bahnhof die Tasche getragen habe, in ihm ist mir Christus begegnet. Dann ein kleines Büchlein, selbst gebastelt, voller Gedichte. Ich habe es zu meinem 17ten Geburtstag geschenkt bekommen. Voller Gedichte, Bilder, guter Wünsche. Ich blättere darin. Da, ein Gedicht. Ich lese:
WÄR ICH EIN BAUM,
DER STANDGEHALTEN HAT – DEM STURM DES LEBENS
UND DER SCHATTEN GIBT DEM WANDERER
UND MISTPLÄTZE GENUG DEN VÖGELN
DAZU FRÜCHTE JEDES JAHR DEN HUNGERNDEN
- WIE WOHL WÄRE MIR DABEI –
GELASSEN
STILLZUSTEHEN IN STURM UND WETTER.
Ein wunderbarer Text. Ich denke nach. Wie ist es mir gelungen dem Sturm des Lebens standzuhalten. Wem biete ich Schatten, wer kann bei mir zur Ruhe kommen? Ich sehe mir mein Leben an und entdecke Momente und Situationen an denen ich mich freue. In denen will ich still stehen in Sturm und Wetter. Ich will weiter das Gute in den Menschen sehen und zum Beispiel Anhalter mit dem Auto mitnehmen. Auch wenn ich überall höre wie gefährlich das sei. Ich blicke zurück und ich blicke nach vorn.
Ich sehne mich nach Veränderung, dort wo es mir nicht gelingt den Wanderern Schatten zu spenden, dort wo Hungernde bei mir keine Nahrung bekamen. Ich spreche mit GOTT, befehle Ihm mein Leben an, meine Sehnsucht und Hoffnung, mein Scheitern. Ich werde dankbar. Für die vielen Momente, Erinnerungen, Begegnungen. Gut, dass ich diese Kiste habe, sie hilft gegen das Vergessen. Ich puste die Kerze aus, trinke mein Glas lehr und lege mich zur Nacht. Danke Gott, für die Lichtblicke aus meinem Leben.
Gregor Rehm, Schernberg.
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Autor: redGelegentlich braucht mein Leben Momente des Innehaltens. Ich habe eine Kiste voller Erinnerungen gesammelt. Darin befinden sich Gegenstände die Geschichten aus meinem Leben erzählen. Ich setze mich nieder, nehme die Kiste zur Hand und öffne eine Flasche Wein und zünde eine Kerze an. Mit Knarzen öffnet der Deckel der alten Holzkiste (zumindest stelle ich mir das vor, denn in Wirklichkeit ist es ein alter Alukoffer – aber der passt nicht so gut zur eintretenden Gemütlichkeit).
Meine Kiste ist prall gefüllt. Da liegt einer meiner ersten Liebesbriefe: ich erinnere mich daran wie wir uns kennen lernten, an den ersten Kuss und an die große Trauer als dies erste Liebe ein Ende fand. Ich bin dankbar für die Erfahrungen. Dafür das ich aus meinen Fehlern für das Leben lernen konnte. Ich könnte heute meine die Beziehung zu meiner lieben Frau nicht so gestalten ohne diese Erfahrungen, ohne dieses Scheitern. Ich entdecke ein sorbisches Osterei.
Ich habe es von einem alten Herrn geschenkt bekommen, dem ich einmal im Bahnhof die Tasche getragen habe, in ihm ist mir Christus begegnet. Dann ein kleines Büchlein, selbst gebastelt, voller Gedichte. Ich habe es zu meinem 17ten Geburtstag geschenkt bekommen. Voller Gedichte, Bilder, guter Wünsche. Ich blättere darin. Da, ein Gedicht. Ich lese:
WÄR ICH EIN BAUM,
DER STANDGEHALTEN HAT – DEM STURM DES LEBENS
UND DER SCHATTEN GIBT DEM WANDERER
UND MISTPLÄTZE GENUG DEN VÖGELN
DAZU FRÜCHTE JEDES JAHR DEN HUNGERNDEN
- WIE WOHL WÄRE MIR DABEI –
GELASSEN
STILLZUSTEHEN IN STURM UND WETTER.
Ein wunderbarer Text. Ich denke nach. Wie ist es mir gelungen dem Sturm des Lebens standzuhalten. Wem biete ich Schatten, wer kann bei mir zur Ruhe kommen? Ich sehe mir mein Leben an und entdecke Momente und Situationen an denen ich mich freue. In denen will ich still stehen in Sturm und Wetter. Ich will weiter das Gute in den Menschen sehen und zum Beispiel Anhalter mit dem Auto mitnehmen. Auch wenn ich überall höre wie gefährlich das sei. Ich blicke zurück und ich blicke nach vorn.
Ich sehne mich nach Veränderung, dort wo es mir nicht gelingt den Wanderern Schatten zu spenden, dort wo Hungernde bei mir keine Nahrung bekamen. Ich spreche mit GOTT, befehle Ihm mein Leben an, meine Sehnsucht und Hoffnung, mein Scheitern. Ich werde dankbar. Für die vielen Momente, Erinnerungen, Begegnungen. Gut, dass ich diese Kiste habe, sie hilft gegen das Vergessen. Ich puste die Kerze aus, trinke mein Glas lehr und lege mich zur Nacht. Danke Gott, für die Lichtblicke aus meinem Leben.
Gregor Rehm, Schernberg.
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