kyffhaeuser-nachrichten.de
Neues aus Bad Frankenhausen

Treffen der Konfirmandenjahrgänge 1951 – 1956 – 1966 in der Unterkirche

Donnerstag, 09. Juni 2016, 14:23 Uhr
Am Sonntag Trinitatis trafen sich –wie in den vergangenen Jahren – Menschen, die vor 50, 60 und 65 Jahren in Bad Frankenhausen konfirmierten wurden. Gedanken dazu von Peter Zimmer (Bad Frankenhausen)...

Sie wollten sich noch einmal an dieses Ereignis erinnern lassen. Wenn man 14 Jahre alt ist, nimmt man zwar die Welt und ihre Ereignisse wahr, aber was ist in der Erinnerung nach 50, 60 und 65 Jahren noch vorhanden?

Treffen der Konfirmandenjahrgänge 1951 – 1956 – 1966 in der Unterkirche (Foto: Göbel-Bark) Treffen der Konfirmandenjahrgänge 1951 – 1956 – 1966 in der Unterkirche (Foto: Göbel-Bark)

Es war zwei Jahre nach Gründung der beiden deutschen Staaten, noch konnte man bis 1961 von Ost nach West und umgekehrt reisen, aber auch manche Klassenkameraden erschienen eines Tages nicht mehr in der Schule, weil die Eltern mit ihnen gen Westen entschwanden. In der DDR wurde der Text der Nationalhymne noch mit den Zeilen „…Deutschland einig Vaterland“ und „…daß die Sonne schön wie nie über Deutschland scheint“ gesungen und in Bad Frankenhausen gab es einen Gesamtdeutschen Bauernkongreß mit der Losung „Wir wollen den Brüdern über’n Main die Hände reichen“. 1961 war Schluß damit. Erst mit Anfang 1966 gab es einen leisen Hoffnungsschimmer auf politische Veränderungen mit dem „Prager Frühling“, der aber auch durch Panzer der DDR 1968 zunichte gemacht wurde. Während noch 1951 in den Familien kaum Radiogeräte vorhanden waren, gab es1966 schon in verschiedenen Elternhäusern Fernsehen, wo man auch „Westsender“ sehen konnte.

In ihrer nachdenkenswerten Predig spannte Pfarrerin Magdalena Seifert einen gedanklichen Bogen von damals zu heute:
„Liebe Festgemeinde heute am Tag der Jubelkonfirmation,
wann haben Sie das letzte Mal so richtig gestaunt? Wann ist Ihnen das letzte Mal das Herz so übergegangen, daß sich Ihr Mund aufgetan hat zu einem begeisterten Jubeln? War es vielleicht, als Sie die Einladung zu unserem Konfirmationsjubiläum erreicht hat? Das würde uns freuen.

War es, als Sie vor Beginn unseres Gottesdienstes Ihre Mitkonfirmanden von vor 65 und 60 und 50 Jahren begrüßt haben voller Dankbarkeit über das Wiedersehen? War es, als Sie heute Morgen in unsere Kirche gekommen sind und ganz überrascht waren von der neuen Schönheit, in der sie sich jetzt zeigt? War es die Freude über unsere zum Fliederfest schön geschmückte Stadt und den Duft von Flieder, der jetzt überall zu spüren ist? Oder war es ein ganz anderer Anlaß?

Wir Menschen kommen ins Staunen zu ganz verschiedenen Zeiten. Wenn wir die Pracht einer sich öffnenden Blüte sehen oder die wunderbaren Farben eines Sonnenuntergangs. Wenn wir eine großartige Musik hören. Oder wenn ein Kind geboren wird. Wenn wir uns verlieben und spüren, da wird mir etwas Wunderbares geschenkt.
Und wir erleben - im Staunen vergesse ich für einen kurzen Moment mich selbst und ich werde von einem besonderen Geist berührt. So staunen können hat viel mit Religion zu tun.
Denn wenn ich so richtig ins Staunen gerate, dann ahne ich - da ist Einer, der ist größer und weiter als ich und als meine Welt. Und dann kann es geschehen, daß ein staunender Jubel aus mir herausbricht – so wie wir das eben im Psalm miteinander gebetet haben: O Gott, wie wunderbar sind deine Werke. Wie groß ist deine Gnade und Barmherzigkeit. O Gott, ich danke dir.

Auch der Apostel Paulus, von dem wir in der biblischen Lesung für den heutigen Sonntag Trinitatis eben schon gehört haben, staunt und jubelt.
Und so schreibt er in seinem Brief an die christliche Gemeinde in Rom:
„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Entscheidungen, wie unerforschlich seine Wege! Denn wer hat die Gedanken des Herrn erkannt?

Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Wer hat ihm etwas gegeben, so daß Gott ihn etwas zurück geben müßte? Denn aus ihm und durch ihn und auf ihn hin ist die ganze Schöpfung. Ihm sei Ehre in Ewigkeit. Amen.“
Daß es dem Paulus hier ums staunen geht, lässt sich besonders an einem Wort ablesen.
Es ist das Schlüsselwort unseres Predigttextes und es ist ein Wort, das in allen Sprachen existiert und verstanden wird. - Das Wort „O! “ O welch eine Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes.

Paulus gerät ins Staunen über das unbegreifliche Geheimnis Gottes und seine unergründlichen Wege. Und da kann er nicht stumm bleiben, da muss er einfach einen Lobgesang anstimmen aus vollem Herzen und mit ganzer Seele. Gottes Wege sind unerforschlich!
Wer so redet, kann dies staunend und begeistert tun so wie Paulus. Oder er tut es – und das ist womöglich viel häufiger der Fall – resigniert und enttäuscht.

Wenn mir die Sorgen zu schwer werden. Wenn ich am Leben verzweifle. Wenn ich mich im Stich gelassen fühle mit meinem Kummer. Wenn mich die Traurigkeit nicht mehr losläßt. Dann hadere ich mit Gott und dann ist mir Gott manchmal einfach nur unverständlich.
In solchen Momenten klagen Menschen und manch einer oder manch eine mag seufzen:
Gott, warum? Gott, wo bist du denn? Ach Gott, ich kann dich nicht verstehen.
„Wie unbegreiflich sind deine Entscheidungen und wie unerforschlich deine Wege!“
Dieser Ruf hat dann in solchen Lebensmomenten nichts Schwärmerisches und Begeistertes, sondern er klingt nach Ratlosigkeit und Klage.

Von den Tiefpunkten des Lebens bis zum Lobpreis ist es ein weiter Weg. Vom Klagen zum Gloria zu gelangen, kann ein sehr mühsamer Pfad sein.
Wie kann er dennoch gelingen? Wie können wir über Gott wieder ins Staunen geraten?
Gerade dann, wenn wir meinen – staunen, das ist etwas für Kinder und für junge Leute, aber nicht für mich in meinem Alter und mit meinen Lebenserfahrungen.
Wir kann einer, der ganz unten ist, es schaffen, wieder Zuversicht zu gewinnen? Wie kann eine, die verzweifelt ist, wieder mit einstimmen in ein Loblied? Vielleicht zuerst zaghaft, dann aber immer kräftiger und gewißer?

Wir können wir über Gott wieder neu ins Staunen kommen?
Unser Predigtwort gibt uns Anregungen, darüber nachzudenken.
Aber noch viel mehr, so meine ich, gibt uns unser Festtag heute Anlaß darüber nachzudenken.
Wie ist das mit meinem Glauben an Gott und mit meinem Vertrauen, was trägt mein Leben, was bedeutet es mir, getauft und konfirmiert zu sein?
Das feiern wir heute ja in besonderer Weise, liebe Konfirmationsjubilare – Ihre Taufe und Ihre Konfirmation.

Und wir erinnern uns – 1951 – 1956 – 1966.
Das sind Ihre Konfirmationsjahre. Jedes dieser Jahre spricht für sich.
Jedes dieser Jahre hatte seine besonderen geschichtlichen Ereignisse und seine besondere Stimmung in der Gesellschaft und auch in der Kirche.
Doch neben diesen allgemeinen Erinnerungen haben Sie ganz persönlichen an Ihr Fest – an die Einsegnung hier vor dem Altar unserer Unterkirche.
An das biblische Wort, das Ihnen ihr Pfarrer als Konfirmationsspruch mit auf den Weg gegeben hat, an die, die damals mit Ihnen in unsere Kirche gekommen waren – die Eltern und Geschwister, die Großeltern, die Paten.

Heute nun ist es schön, daß Sie gekommen sind. Und sich miteinander besinnen auf das, was Sie auch über 50 und 60 und 65 Jahre und manche räumliche Entfernung hinaus verbindet.
Das ist Ihre Konfirmation und das ist zuvor Ihre Taufe. Auch in unserer Unterkirche oder in der Altstädter oder sogar noch in der Oberkirche sind Sie getauft worden.
Das liegt nun noch weiter zurück als Ihre Konfirmation. Doch auch daran erinnern wir uns heute.
Nicht allein deshalb weil die Taufe am Anfang steht und die Voraussetzung ist für die Konfirmation, sondern weil uns der heutige Sonntag Trinitatis an diesen Anfang zurück führt.
Zu diesem Beginn, an dem uns Gott in die Gemeinschaft seiner Kirche gerufen hat und jedem von gesagt hat:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei deinem Namen gerufen – du bist mein.“

Und wir sind mit dem Wasser des ewigen Lebens und dem Geist Gottes gesegnet worden.
Beides gilt ein Leben lang. Das Geschenk der Taufe kann ich nicht verlieren.
Und auch wenn ich mich entfernt habe vom Glauben, wenn ich die Verbindung zu Gott verloren habe oder wenn ich sie aufgegeben habe aus Bitterkeit über Leid und Schmerz in meinem Leben – die Taufe gilt. Diese Verbundenheit zur Gemeinschaft der Gottesfamilie ist grundlegend und sie gilt sogar über den Tod hinaus. So ist meine Taufe wie eine weit geöffnete Tür. Gott hält diese Tür offen und ich kann immer wieder eintreten und die Verbindung zu ihm suchen. Denn wer getauft ist, der ist mit einer besonderen Gabe gesegnet. Das ist die Gabe des neuen Anfangs.

Wir alle, liebe Festgemeinde, haben diese besondere Gabe. Und wir haben sie ein Leben lang – ganz gleich, wie jung oder wie alt wir sind. Der Geist Gottes schenkt sie uns. Denn er ist ein Geist der Bewegung und der Lebendigkeit und der Freiheit. Er hilft mir, frei zu werden von den Lasten, die mich bedrücken und auch manchmal lähmen. Er erinnert mich an den Glanz und Segen, der durch Gottes Güte auf meinem Leben liegt. Er schenkt mir so einen Blick, mit dem ich im Vertrauen auf meinen Lebensweg sehen kann. Immer noch mit Hoffnung, immer noch mit Erwartung, immer noch staunend.

Der heutige Tag ist wie eine Station auf diesem Weg. Das Konfirmationsjubiläum ist eine Gelegenheit zur Besinnung. Was bedeutet es mir, unter Gottes Segen zu sein? Kann ich seinen Segen und seine Hilfe spüren? Gibt es in meinem Leben Momente, die mich staunen lassen?
Momente, in denen mir klar wird – es ist nicht allein mein Wissen und mein Können und meine Lebenserfahrung, die mich glücklich machen, sondern es ist Gottes Güte und Barmherzigkeit, die mein Leben zu einem erfüllten Leben macht.
Und nun komme ich noch einmal zu Paulus, der uns mit seinem Loblied ein sehr schönes Predigtwort für unser Fest heute gegeben hat.

Wenn wir uns seinem Lebensweg anschauen, dann erkennen wir – Paulus ist einen langen Weg gegangen, bevor er so wunderbar staunen konnte über Gottes Güte. Sein Weg war voller Skepsis und Zweifel und auch Ablehnung. Er hat immer wieder gerungen um eine Antwort. Er wollte den Dingen auf den Grund gehen und eine seiner wichtigsten Fragen war die nach Gottes Treue. Ist Gott wirklich treu angesichts der Ungereimtheiten in meinem Leben? Steht Gott zu dem, was er versprochen hat? Wie ist das mit deiner Barmherzigkeit, Gott, jetzt, da ich so ohne Kraft bin?

Wie ist das mit deiner Gerechtigkeit, wenn ich auf all das Ungerechte und all das Leiden in unserer Welt schaue? Stehst du, Gott, zu dem, was du versprochen hast?
Paulus hat es sich mit einer Antwort auf diese Fragen nicht leicht gemacht.
Doch letztlich hat auch er erfahren – die eigentliche Antwort, die kam nicht aus ihm selbst.
Das Wort, das ihm geholfen hat, das konnte auch er sich nicht selbst sagen.
Das ist auch ihm gesagt worden von Gott: „Lass dir an meine Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Und diese Zusage Gottes, die hat Paulus so viel Mut und Zuversicht gegeben, daß er gar nicht anders konnte als zu staunen über Gottes Treue.
Heute nun sollen auch Sie, liebe Jubilare wissen – Gott steht zu seinem Segenswort, das er Ihnen in Ihrer Taufe und zu Ihrer Konfirmation gegeben hat.
Das Vertrauen darauf soll Ihnen heute von Neuem gestärkt werden durch den Segen Gottes, der Ihnen an unserem Altar dann zugesprochen wird.
Als Kirchgemeinde wünschen wir Ihnen dazu auch weiterhin Glauben und Liebe und Hoffnung von Gott unserem Vater und unserem Herr Jesus Christus. Amen.“

So wie sie zu ihrer Konfirmation 1051, 1956 und 1966 das Segenswort zugesprochen bekamen, wurde ihnen in diesem Gottesdienst als Bekräftigung erneut der Segen gegeben. Fast alle Jubilare waren mit ihren Angehörigen gekommen – es war eine festliche Gemeinschaft. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Posaunenchor Oldisleben und der Kantorei Bad Frankenhausen unter der Gesamtleitung von Kantorin Laura Schildmann gestaltet.
Natürlich gab es nach dem Gottesdienst einen Fototermin mit allen Jubilaren vor dem sanierten Altar als Erinnerung an diesen Tag. Am Nachmittag trafen sich alle noch einmal mit Gemeindesaal der Unterkirche zu Kaffee und Kuchen, zum persönlichen Austausch und zu Informationen über das aktuelle Gemeindeleben und die weitere Sanierung sowohl des Bauwerkes Unterkirche und der Sanierung der Großen-Strobel-Orgel.

Textliche Zusammenstellung: P. Zimmer
Foto: Göbel-Bark
Autor: khh

Drucken ...
Alle Texte, Bilder und Grafiken dieser Web-Site unterliegen dem Urherberrechtsschutz.
© 2026 kyffhaeuser-nachrichten.de