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Mitmachaktion "Stunde der Gartenvögel"

Weniger Mehlschwalben und Mauersegler

Freitag, 10. Juni 2016, 11:00 Uhr
An der „Stunde der Gartenvögel“ im Mai haben sich über 2.200 Vogelfreunde aus ganz Thüringen beteiligt. Den Spitzenplatz in diesem Jahr besetzt erneut der Haussperling mit fast 7.900 Sichtungen. Auf den weiteren Plätzen folgen Amsel, Star, Kohlmeise und Blaumeise...


Bundesweit beteiligten sich fast 45.000 Menschen an der Citizen-Science-Aktion von NABU, NAJU und ihrem Partner, dem Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Klaus Lieder, der Sprecher des Landesfachausschusses für Ornithologie im NABU Thüringen, erläutert die Ergebnisse. „Aus den Meldungen können wir einige Tendenzen ablesen. So lässt sich dieses Jahr bei Mehlschwalbe und Mauersegler in Thüringen ein Abwärtstrend ablesen. Mögliche Ursachen könnten das trockene Frühjahr und der Rückgang von Fluginsekten sein. Es gibt aber auch immer weniger Brutmöglichkeiten für die Tiere und nur wenige Hausbesitzer dulden Schwalben und Mauersegler an ihren Häusern.“

Die beiden Flugkünstler gehören auch bundesweit zu den Verlierern der „Stunde der Gartenvögel“ und setzen ihren Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort. Wissenschaftler beobachten einen alarmierenden Rückgang von Fluginsekten in den vergangenen 15 Jahren, so sei die Abnahme beider Arten nur eine logische Konsequenz.

Insekten werden weniger durch die intensive und flächendeckende Verwendung von Insektengiften in der Landwirtschaft, teilweise kommt Gift auch in Gärten und öffentlichem Grün zum Einsatz. Insbesondere eine neue Generation von Insektengiften, sogenannte Neonicotinoide, stehen im Verdacht, den massiven Rückgang in den vergangenen 15 Jahren beschleunigt zu haben, da deren zunehmende Verwendung mit dem zeitgleich beobachteten Zusammenbruch der Insektenbestände zusammenfällt.

Vor diesem Hintergrund fordert der NABU eine echte ökologische Agrarreform und weniger Gift in der Landschaft sowie einen Verzicht auf Gift im Garten. Mit der Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ engagiert er sich für Nistmöglichkeiten.
„Doch wir haben auch Erfreuliches zu berichten. Der Stieglitz, Vogel des Jahres 2016, belegt im Freistaat Rang 17 und erzielt mit einer durchschnittlichen Anzahl von 0,46 Vögeln pro Garten sein bestes Ergebnis seit Beginn der Vogelzählung“, berichtet Klaus Lieder. Diese größere Bekanntheit durch seine Kür zum Jahresvogel kann der bunte und beliebte Stieglitz gut gebrauchen, da er in den vergangenen 25 Jahren erhebliche Bestandseinbußen hinnehmen musste. Ein Grund ist der Rückgang von Wildblumenwiesen, von dessen Samen er sich ernährt.

In diesem Jahr wurde auch ein Rekord gebrochen: Mit 11,56 verschiedenen gemeldeten Arten pro Garten konnte der bisherige Spitzenwert bei der „Stunde der Gartenvögel“ erreicht werden. Diese Entwicklung seit Start der Aktion zeigt, dass die Menschen die Vögel in ihrem Garten immer besser kennen und auch seltenere Arten bestimmen können.

Darüber freuen sich die Naturschützer sehr, weil es ein wichtiges Ziel der Aktion ist: Bewusstsein für die Natur vor der Haustür schaffen. Nur wer die Natur in seiner Umgebung kennt, kann sie auch schützen.

Nähere Infos und die Ergebnisse zur Aktion finden Sie unter www.NABU-Thueringen.de
Autor: nnz

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