Neues aus Bad Frankenhausen
Dass es der letzte Krieg sein möge!
Sonntag, 12. Juni 2016, 18:25 Uhr
Am Nachmittag fand die Ausstellungseröffnung im Regionalmuseum Bad Frankenhausen
zum Thema: Dass es der letzte Krieg sein möge! - Die schwarzburg-rudolstädtische Unterherrschaft Frankenhausen im und nach dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1924 statt. Interessant einige Aussagen zur damaligen Strukturreform und Tipps für ergänzende Tipps für Veranstaltungen...
Die Schüsse vom 28. Juli 1914 in Sarajevo waren der Anlass einen großen Krieg vom Zaun zu brechen. Die neue Sondersusstellung, Dass es der letzte Krieg sein möge beschäftigt sich mit diesem Thema unserer neuen Sonderausstellung. Im Gegensatz zu zahlreichen Sonderausstellungen anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsausbruch 1914 spannt sich der Zeitraum der hiesigen Ausstellung über das Ende des Kriegs hinaus und lässt ebenso die ersten Jahre der Weimarer Republik in die Betrachtungen des Besuchers einfließen. Mit dem Waffenstillstand im November 1918 verschwanden die kriegsbedingten Gegebenheiten nicht automatisch. Vielfach begleiteten sie die Menschen auch weiterhin, so Museumsleiter Dr. Ulrich Hahnenann in der Eröffnung..
In seiner Laudatio gab Dr. Hahnemann einen Abriss, wie es damals nach diesen Schüssen in der Region weiter ging.
Die drohende Kriegsgefahr scheint auf das Alltagsleben zunächst keinen Einfluss zu nehmen. Es ist Sommer. Freiluftveranstaltungen wie Konzerte oder Sommerfeste der Vereine werden höchstens wetterbedingt zeitlich verlegt. Am Sonntag, den 26. Juli, hielt der schwarzburg-rudolstädtische Kriegerverband Kyffhäuser seinen obligatorischen Verbandstag im Frankenhäuser Hotel zum Mohren ab.
Wie sah eigentlich damals die Struktur um Bad Frankenhausen aus? Hier einige interessante Fakten von Dr. Hahnemann. Die Unterherrschaft Frankenhausen stellte kein zusammenhängendes Territorium dar, sondern gliederte sich in drei Teile. Den Amtsgerichtsbezirk Frankenhausen bildeten die gleichnamige Stadt und die Dörfer Borxleben, Esperstedt, Göllingen, Günserode, Ichstedt, Ringleben, Rottleben, Seega, Seehausen, Steinthaleben und Udersleben. Der Amtsgerichtsbezirk Schlotheim setzte sich aus der Stadt Schlotheim, den Dörfern Immenrode und Mehrstedt und dem Gutsbezirk Straußberg zusammen. Die Einwohnerzahl der gesamten Unterherrschaft Frankenhausen betrug um 1910 rund 21.000 Menschen.
Die namensgebende Stadt, Frankenhausen, zählte um 1913 rund 6.700 Einwohner. Für die Zeitgenossen war die Stadt keine eigentliche Industriestadt im modernen Sinne, sondern weit eher ein ruhiger Gewerbe- und Kurort.
Am 1. August 1914, 17 Uhr, wurde vor dem Berliner Schloss die allgemeine Mobilmachung verkündet. Was passierte in Bad Frankenhausen? Als Sammelpunkt für die ausrückenden Mannschaften und vorübergehendes militärisches Standquartier des Amtsgerichtsbezirks Frankenhausen wurde die Bürgerschule in der Klosterstraße in Frankenhausen, gegenwärtig Hauptgebäude des Kyffhäuser-Gymnasiums, bestimmt. Bis zum 4. August kamen hier nach und nach fast 1800 Soldaten, Reservisten und Landwehrmänner aus Stadt und Dörfern zusammen.
Vielfach herrschte anfangs Begeisterung. Wenige Tage nach Kriegsausbruch, am 8. August 1914, gaben die Kur- und Badedirektion bekannt, dass die Kurzeitung mangels Kurgäste eingestellt wird. Vollständig zum Erliegen kam der Kurbetrieb im Verlauf des Krieges interessanterweise nicht.
Sowohl die Novemberrevolution als auch das Abdanken von Fürst Günther Viktor am 23. November 1918 hatten keine unmittelbaren Auswirkungen auf den territorialen Bestand des schwarzburgischen Landes. Mittels Kreisordnung 1919 erklärte die Landesregierung die Landratsamtsbezirke zu Kreisen mit Selbstverwaltungsbefugnissen. Frankenhausen wurde Sitz des Kreises. Dieser nannte sich selbstbewusst bis 1922 Kyffhäuserkreis. 1920 trat Schwarzburg-Rudolstadt dem neuen Freistaat Thüringen bei. Innerhalb des Freistaates Thüringen trat zum 1. Oktober 1922 eine Verwaltungsreform in Kraft. Aus den beiden ehemaligen schwarzburgischen Unterherrschaften, den nunmehrigen Kreisen Sondershausen und Kyffhäuserkreis Frankenhausen, ging der neue Kreis Sondershausen mit Kreissitz in Sondershausen hervor.
Die Gebietsreform war auf erheblichen Widerstand in den Gemeinden des Kyffhäuserkreises gestoßen. Forderungen zur Erhaltung des Kreises und nach einer Volksabstimmung wurden von der Landesregierung abgelehnt. Die Folge waren deutliche Stimmenverluste der Regierungsparteien auf Landes- und Kreisebene in den kommenden Wahlen. Entgegen ihren eigenen Erwartungen verloren die Akteure von Novemberrevolution und Nachkriegszeit an Einfluss.
Die von Dr. Hahnemann angesprochenen Probleme der Strukturreform damals, ließ bei kn zumindest interessante Parallelen zur heutigen Zeit aufkommen.
Abschließend dankte Dr. Hahnemann den äußerst zahlreichen Leihgeberinnen und Leihgebern. Ohne die von ihnen zur Verfügung gestellten Sachzeugen hätte sich manches Thema kaum darstellen lassen. Für die grafische Gestaltung dankte er an dieser Stelle Jens Schreiber.
Am Ernst des Themas und der Zeit angelehnt, hatte man von der sonst gewohnten musikalischen Eröffnung abgesehen und das Angebot von Hedi Bialkowski aus Artern angenommen, aus Briefen der Zeit zu lesen. Auch ihr dankte er.
Die Ausstellungsdauer wird bis 13. Nov. 2016 zu sehen sein.
Öffnungszeiten:
Mittwochs bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr
Ergänzend dazu:
Am Dienstag 18. Oktober 2016, um 19.30 Uhr Vortragsabend Frankenhausen, Esperstedt, Seehausen und Udersleben im und nach dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1924
Referent: Dr. Ulrich Hahnemann
Dienstag 21.Juni 2016, um 19.30 Uhr abendlicher Stadtrundgang
Frankenhausen und Frankenhäuser im und nach dem Ersten Weltkrieg -
eine Spurensuche in Bad Frankenhausen mit Dr. Ulrich Hahnemann
Treffpunkt: Regionalmuseum
Autor: khhzum Thema: Dass es der letzte Krieg sein möge! - Die schwarzburg-rudolstädtische Unterherrschaft Frankenhausen im und nach dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1924 statt. Interessant einige Aussagen zur damaligen Strukturreform und Tipps für ergänzende Tipps für Veranstaltungen...
Die Schüsse vom 28. Juli 1914 in Sarajevo waren der Anlass einen großen Krieg vom Zaun zu brechen. Die neue Sondersusstellung, Dass es der letzte Krieg sein möge beschäftigt sich mit diesem Thema unserer neuen Sonderausstellung. Im Gegensatz zu zahlreichen Sonderausstellungen anlässlich des 100. Jahrestages des Kriegsausbruch 1914 spannt sich der Zeitraum der hiesigen Ausstellung über das Ende des Kriegs hinaus und lässt ebenso die ersten Jahre der Weimarer Republik in die Betrachtungen des Besuchers einfließen. Mit dem Waffenstillstand im November 1918 verschwanden die kriegsbedingten Gegebenheiten nicht automatisch. Vielfach begleiteten sie die Menschen auch weiterhin, so Museumsleiter Dr. Ulrich Hahnenann in der Eröffnung..
In seiner Laudatio gab Dr. Hahnemann einen Abriss, wie es damals nach diesen Schüssen in der Region weiter ging.
Die drohende Kriegsgefahr scheint auf das Alltagsleben zunächst keinen Einfluss zu nehmen. Es ist Sommer. Freiluftveranstaltungen wie Konzerte oder Sommerfeste der Vereine werden höchstens wetterbedingt zeitlich verlegt. Am Sonntag, den 26. Juli, hielt der schwarzburg-rudolstädtische Kriegerverband Kyffhäuser seinen obligatorischen Verbandstag im Frankenhäuser Hotel zum Mohren ab.
Wie sah eigentlich damals die Struktur um Bad Frankenhausen aus? Hier einige interessante Fakten von Dr. Hahnemann. Die Unterherrschaft Frankenhausen stellte kein zusammenhängendes Territorium dar, sondern gliederte sich in drei Teile. Den Amtsgerichtsbezirk Frankenhausen bildeten die gleichnamige Stadt und die Dörfer Borxleben, Esperstedt, Göllingen, Günserode, Ichstedt, Ringleben, Rottleben, Seega, Seehausen, Steinthaleben und Udersleben. Der Amtsgerichtsbezirk Schlotheim setzte sich aus der Stadt Schlotheim, den Dörfern Immenrode und Mehrstedt und dem Gutsbezirk Straußberg zusammen. Die Einwohnerzahl der gesamten Unterherrschaft Frankenhausen betrug um 1910 rund 21.000 Menschen.
Die namensgebende Stadt, Frankenhausen, zählte um 1913 rund 6.700 Einwohner. Für die Zeitgenossen war die Stadt keine eigentliche Industriestadt im modernen Sinne, sondern weit eher ein ruhiger Gewerbe- und Kurort.
Am 1. August 1914, 17 Uhr, wurde vor dem Berliner Schloss die allgemeine Mobilmachung verkündet. Was passierte in Bad Frankenhausen? Als Sammelpunkt für die ausrückenden Mannschaften und vorübergehendes militärisches Standquartier des Amtsgerichtsbezirks Frankenhausen wurde die Bürgerschule in der Klosterstraße in Frankenhausen, gegenwärtig Hauptgebäude des Kyffhäuser-Gymnasiums, bestimmt. Bis zum 4. August kamen hier nach und nach fast 1800 Soldaten, Reservisten und Landwehrmänner aus Stadt und Dörfern zusammen.
Vielfach herrschte anfangs Begeisterung. Wenige Tage nach Kriegsausbruch, am 8. August 1914, gaben die Kur- und Badedirektion bekannt, dass die Kurzeitung mangels Kurgäste eingestellt wird. Vollständig zum Erliegen kam der Kurbetrieb im Verlauf des Krieges interessanterweise nicht.
Sowohl die Novemberrevolution als auch das Abdanken von Fürst Günther Viktor am 23. November 1918 hatten keine unmittelbaren Auswirkungen auf den territorialen Bestand des schwarzburgischen Landes. Mittels Kreisordnung 1919 erklärte die Landesregierung die Landratsamtsbezirke zu Kreisen mit Selbstverwaltungsbefugnissen. Frankenhausen wurde Sitz des Kreises. Dieser nannte sich selbstbewusst bis 1922 Kyffhäuserkreis. 1920 trat Schwarzburg-Rudolstadt dem neuen Freistaat Thüringen bei. Innerhalb des Freistaates Thüringen trat zum 1. Oktober 1922 eine Verwaltungsreform in Kraft. Aus den beiden ehemaligen schwarzburgischen Unterherrschaften, den nunmehrigen Kreisen Sondershausen und Kyffhäuserkreis Frankenhausen, ging der neue Kreis Sondershausen mit Kreissitz in Sondershausen hervor.
Die Gebietsreform war auf erheblichen Widerstand in den Gemeinden des Kyffhäuserkreises gestoßen. Forderungen zur Erhaltung des Kreises und nach einer Volksabstimmung wurden von der Landesregierung abgelehnt. Die Folge waren deutliche Stimmenverluste der Regierungsparteien auf Landes- und Kreisebene in den kommenden Wahlen. Entgegen ihren eigenen Erwartungen verloren die Akteure von Novemberrevolution und Nachkriegszeit an Einfluss.
Die von Dr. Hahnemann angesprochenen Probleme der Strukturreform damals, ließ bei kn zumindest interessante Parallelen zur heutigen Zeit aufkommen.
Abschließend dankte Dr. Hahnemann den äußerst zahlreichen Leihgeberinnen und Leihgebern. Ohne die von ihnen zur Verfügung gestellten Sachzeugen hätte sich manches Thema kaum darstellen lassen. Für die grafische Gestaltung dankte er an dieser Stelle Jens Schreiber.
Am Ernst des Themas und der Zeit angelehnt, hatte man von der sonst gewohnten musikalischen Eröffnung abgesehen und das Angebot von Hedi Bialkowski aus Artern angenommen, aus Briefen der Zeit zu lesen. Auch ihr dankte er.
Die Ausstellungsdauer wird bis 13. Nov. 2016 zu sehen sein.
Öffnungszeiten:
Mittwochs bis Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr
Ergänzend dazu:
Am Dienstag 18. Oktober 2016, um 19.30 Uhr Vortragsabend Frankenhausen, Esperstedt, Seehausen und Udersleben im und nach dem Ersten Weltkrieg 1914 bis 1924
Referent: Dr. Ulrich Hahnemann
Dienstag 21.Juni 2016, um 19.30 Uhr abendlicher Stadtrundgang
Frankenhausen und Frankenhäuser im und nach dem Ersten Weltkrieg -
eine Spurensuche in Bad Frankenhausen mit Dr. Ulrich Hahnemann
Treffpunkt: Regionalmuseum








