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Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada

Montag, 13. Juni 2016, 15:56 Uhr
Am 10. Juni waren Lynne Hanson & Band aus Kanada im Panorama Museum / Eingangshalle Bad Frankenhausen. Dazu wieder die bewährte Konzertrezension von Fred Böhme...

Am vergangenen Freitagabend, dem 10. Juni, 20:00 Uhr startete das letzte Konzert der ersten Jahreshälfte im Panorama Museum. Etwa 115 Besucher wollten sich den angekündigten Auftritt des kanadischen Folk-Trios um die Songschreiberin, Gitarristin und Sängerin Lynne Hanson nicht entgehen lassen und nahmen letztlich deren Folk, Country bzw. Blues inspirierte Stücke sehr positiv auf.

Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme) Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme)

Natürlich war das kein Tanzpartyabend wie bei dem Vorgängerkonzert gewesen und so füllte sich dieses Mal die Eingangshalle mit vielen Stühlen. Trotzdem punktete das Trio mit einem abwechslungsreichen, teilweise mitreißendem Programm aus groovenden, Blues inspirierten Stücken, Mörderballaden, Nashville angehauchtem Country, mit dieser wankenden Rhythmik angetrunken, locker trabender Cowboys, leisen Folk-Balladen und improvisierten treibenden Solis, die der Spielfreude der Drei freien Raum ließen. Lynne Hanson zur Seite standen an diesem Abend Mary-Jo Dandeneau am Kontrabass / E-Bass, die verschiedentlich auch die Backing Vocals übernahm und für einen treibenden Groove auch mittels der Stompbox sorgte und Nick Gauthier an der Telecaster-Gitarre, der die unterschiedlichsten Gitarrenstile und Sounds ganz gut beherrschte und mitunter mit schönen Gitarrenläufen und fingerflinker Gitarrentechnik zu überzeugen wusste.

Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme) Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme) Nick übernahm ebenfalls öfter die Zweitstimme und sorgte mit kleineren Gitarrenlicks für die „Americana-Weite“. MJ half ihm dabei, wenn sie ihren E-Bass mit dem halbakustischen Bass vertauschte und zum Bogen griff und ihm cello-hafte Klänge entlockte. Doch die Hauptlast des Konzertes trug die Frontfrau Lynne Hanson - groß und dennoch zierlich, mit zupackender, mitunter herb männlicher Kraft – die auch in der Art ihrer Gesangsdarbietung signalisierte, wo hier der Hammer hängt. Diese maskuline, gutmütige Kumpelhaftigkeit, die Frauen mitunter Männern gegenüber herauskehren, um von diesen als ebenbürtig anerkannt zu werden, ist meiner Meinung nach unnötig, wird aber gerade im Country-Genre immer wieder mit Erfolg kolportiert. Davon kann man sich bei Konzerten am Rande von Bikertreffen o.ä. zur Genüge überzeugen.

Überzeugender war Lynne, wenn sie diese Attitüden unterließ und gesanglich nur sie selbst war, wie in manchen ihrer leisen Balladen. Aber vielleicht waren eben das die Ecken und Kanten ihrer Stücke, die sie auf ihrer Homepage erwähnte, abgesehen von den in ihnen beschriebenen Härten des Lebens? Ihre Lieder waren ansonsten eher konventionell musikalisch strukturiert und damit auch recht eingängig. Aber gerade bei diesen recht ausgefeilten Arrangements der Stücke hätte ich mir ab und zu etwas mehr musikalischen Eigensinn und Experimentierlust gewünscht.

Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme) Zum Konzert von Lynne Hanson & Band aus Kanada (Foto: Fred Böhme)

Stilistisch ähneln ihre Lieder denen von Aimeé Mann, mit mehr Country-Anteil und weniger melodieseligem Popgefühl, vielleicht auch denen von Lucinda Williams, allerdings ohne deren von Schicksalsschlägen gezeichneter Brüchigkeit, ein wenig auch denen von Gillian Welch, deren Stücke aber eher Apalachen-Folk-Kargheiten sind. Ihren Gesang begleitete sie äußerst ökonomisch mit einfachem, perkussivem Akkordspiel auf der akustischen Dreadnough-Gitarre. Mit Spielfreude, etwas Bühnenentertainment, Alltagsgeschichten und kleinen Publikumsgesten gelang es den sympathischen Musikern, ihr Publikum recht schnell für sich zu gewinnen. Sie boten einen insgesamt recht unterhaltsamen Abend und durften ihr Konzert nicht ohne mehrere Zugaben beenden.

Fred Böhme
Fotos: „Lynne Hansen 1-5“; Rechteinhaber: Fred Böhme / Archiv Panorama Museum
Autor: khh

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